← Zurück zum Buch
Markus Gerwinski

Bändigerin der Schatten

Kapitel 14: Reiterkampf

Der Helm, dessen Stirnplatte ausgebreiteten Schwingen ähnelte, war von zahllosen Kämpfen verbeult und stumpf. Die Narben im Gesicht des Jattar, seine Bewegungen und die Haltung seines Schildes verrieten Erfahrung, und im Gegensatz zu dem jungen Edlen war er noch frisch und unverletzt. In den blassblauen Augen stand brennender Hass, vor dem Ragald sein Pferd unwillkürlich ein Stück zurücktrieb. Es drängte ihn, Gunid zu Hilfe zu eilen, doch dem Gegner, der ihm jetzt den Weg versperrte, sah er sich im offenen Kampf nicht gewachsen.
Ein letztes Mal versuchte der Krieger, auf dem schmalen Pfad an dem jetzt reiterlosen Rappen vorbeizugelangen, dann durchbohrte er das Tier kurz entschlossen mit der Klinge. Während es mit dem letzten Wiehern seines Lebens zu Boden ging, ließ Ragald sein Streitross steigen und herumwirbeln. Als er den Hohlweg hinaufsprengte, konnte er über dem Galopp der beiden Tiere die Verwünschungen hören, die ihm der andere nachschrie.
Ragald setzte über den Leichnam des alten Speerwerfers hinweg, ließ den Hohlweg hinter sich und nahm in halsbrecherischer Geschwindigkeit die erste Kehre. Hinter sich hörte er den Schimmel weniger waghalsig in die Kurve gehen, den Schritt hörbar verlangsamt. Ragald konnte also darauf vertrauen, dass er seinem Gegner zumindest im Reiten überlegen war. Seinem Plan kam das entgegen.
Der Braune wieherte unwillig, als er die zweite Kehre genauso rücksichtslos nehmen sollte wie die erste. Die Hinterhufe schlitterten über den Boden und schoben knirschend Steine übereinander, doch Ragalds Vorsprung vergrößerte sich. Die wilden Schreie des Jattar klangen weiter entfernt.
So erlaubte sich Ragald, das Pferd in der dritten Kehre etwas zu zügeln, bevor er in verhaltenem Galopp weiterjagte. Nun befand er sich auf dem Pass oberhalb der Steilwand, auf dem er vorhin die Jattar im Näherkommen erblickt hatte. Zu seiner Linken bildete Buschwerk, das über die Kante emporragte, ein weiches, grünes Polster, das sanft jeden aufgefangen hätte, der bei einem Fehltritt in den Abgrund gerutscht wäre. Sonnenlicht fiel voraus durch die breite Lücke in dieser Hecke, quer über den Pfad.
Ragald verlangsamte den Galopp, bis er meinte, den Atem seines Feindes im Nacken zu spüren. Gerade, als er die Lücke passiert hatte, riss er heftig an den Zügeln und hieß das Streitross steigen und sich drehen und noch aus derselben Bewegung heraus einen Satz in Gegenrichtung tun, seinem Verfolger entgegen.