← Zurück zum Buch
Erik Harlandt

1000 Jahre – mehr oder weniger

Leseprobe

Kapitel 1

Das nervenzerfetzende Heulen schnitt in Liams Bewusstsein wie ein Laserskalpell und riss ihn aus der Ohnmacht. Die Kabine vibrierte wie verrückt; Nieten ploppten aus den Verbundplatten, erste Risse zeigten sich. Durch die Fenster sah man die Außenhülle, die sich in einem Funkenwirbel auflöste, immer größere Stücke, Teile der Fenster – dann waren da nur noch Löcher, die weiter ausfransten. Das Dach über ihnen wurde abgesprengt. Wahnsinn! Wenn die Schleudersitze jetzt losgingen, würden sie durch den Partikelstrom geschossen, den das verglühende Schiff bei seinem Absturz erzeugte. Sein Anzug hatte sich längst verriegelt, der Helm war eingerastet.
Die vorderen Elemente des Hitzeschildes klappten in einem letzten Aufbäumen nach vorne wie ein Schirm.
Abschuss!
Die Welt voller Trümmer drehte sich mit einer Geschwindigkeit um ihn, die sein Fassungsvermögen überstieg. Die Beschleunigungskräfte raubten ihm erneut das Bewusstsein.
Es drehte sich immer noch alles, als er Sekunden später wieder zu sich kam, aber jetzt langsamer. Liam zählte zwölf weitere Rettungseinheiten – Schleudersitze mit integrierten Schutzfeldgeneratoren –, die sich um ihn herum verteilten und der inzwischen weiß glühenden Landefähre folgten. Die Oberfläche kam in Sicht, dann wieder die funkenstiebende Trümmerwolke, die die Fähre hinter sich herzog.
Eine Rettungseinheit zerplatzte wie ein Glasballon. Aus einer anderen schoss der Fallschirm – viel zu früh!
Das Schiff zerbrach, aus den auseinandertrudelnden Trümmern ergoss sich eine glühende Partikelwolke.
Die Oberfläche war nur noch wenige Kilometer entfernt. Sie waren auf der wolkenlosen Tagseite. Er sah viel Grün. Gelb. Etwas Rot.
Drei Rettungseinheiten lösten sich in der glühenden Wolke auf, weil ihre Schutzfeldgeneratoren überlastet waren. Der zu früh geöffnete Fallschirm war längst verbrannt. Liam sah weitere brennende Schirme. Fehlfunktionen? Hatten die Insassen aus Panik Fehler gemacht? Er würde es nie erfahren.
Die Raumschifftrümmer, die vor ihnen in die Tiefe stürzten, hatten sich aufgelöst, die Glutwolke blieb hinter ihnen zurück. Das Trudeln ließ nach. Der Autopilot sorgte für gyroskopischen Ausgleich.
Er sah sich um: Noch acht Einheiten, deren Schutzschirme leicht flackerten. Sie waren alle stabilisiert und bereit für das Landemanöver. Der Höhenmesser der Helmanzeige drängte sich in den Vordergrund, leuchtend rot: unter 1000 Meter. In dem Grün-Gelb wurde ein graues Band erkennbar.
Liam initiierte die Landung und hoffte, dass der Autopilot es hinkriegen würde. Er kannte solche Situationen bisher nur aus dem Simulator.
Seine Zähne schlugen zusammen, als der Fallschirm den Fall abrupt abbremste. – Die Rettungseinheiten waren nicht mit Gravitationsdämpfung ausgestattet.
Um ihn herum entfalteten sich weitere Schirme. Fünf. Sechs. Eine Einheit raste ungebremst weiter. Ein Schatten löste sich von ihr: der Insasse! Er stieg aus, die Einheit hatte offenbar eine Fehlfunktion. Der Schirm kam heraus, öffnete sich … Wer auch immer es war, konnte sich nicht festhalten und stürzte allein weiter.
Sieben Überlebende des Landungstrupps. Sieben!
Dann rauschten sie auch schon in das Blätterdach unter ihnen …
Das Schutzfeld seines Kampfanzuges hätte ihm einen Tunnel durch das Astwerk fräsen müssen, stattdessen schlugen die dickeren Zweige durch das Feld durch, sodass er sich zu einer Kugel zusammenrollen und sich mit Armen und Beinen schützen musste. Was war nur los? Erst das Schiff, dann sein Anzug …
Die Gurte schnitten in sein Fleisch, als der Fallschirm kurz hängen blieb, er stürzte weiter und prallte schließlich, vom Schutzfeld hinlänglich abgefedert, auf den Waldboden. Er war von dichtem Gebüsch umgeben, meterhohen Luftwurzeln und irgendwelchem wuchernden Kraut, das er nicht kannte. Von den anderen war nichts zu hören oder zu sehen.
Er lief in die Richtung, in der er weitere Landeplätze vermutete. Seine Landung war trotz allem so kontrolliert verlaufen, dass er die Orientierung nicht verlor. – Glaubte er zumindest.
Etwas über ihm knackte. Ein Ast stürzte herab. Waren das Seile? Ein Stöhnen ließ ihn herumfahren. Eine Gestalt stolperte aus dem Dickicht und in ihn rein, sodass sie beide zu Boden gingen.

***

Es hatte Stunden gedauert, alle Überlebenden zu finden. Burke musste mühsam abgeseilt werden, weil sein Fallschirme sich weit oben in den Baumkronen verfangen hatte. Reichshauptoffizier Sneyder war tot; unglücklich gestürzt beim Versuch, sich selbst zu befreien. Den, dessen Fallschirm abgerissen war, hatten sie nicht gefunden. Von ihm war vermutlich nur noch Matsch übrig, bei den lausigen Anzügen, die sie trugen.
Liam hatte die Überlebenden zur Eile getrieben. Sie mussten aus dem verdammten Dschungel raus, bevor die Sonne unterging. Nun saßen sie abgekämpft auf dem schmalen Felsstreifen zwischen den Bäumen und dem Abgrund, den sie nur knapp verfehlt hatten.
Haddish kümmerte sich notdürftig um ihre Verletzungen. Sie war Sanitäterin. Den Arzt hatten sie mit dem Rest des Trupps und dem Piloten verloren.
»Pass doch auf!«, blaffte Milm. Er war Hauptsoldat wie sie.
»Kennen Sie sich?«, wollte Liam wissen und sah die beiden an.
Haddish sagte entschieden »Nein!« und warf Milm einen wütenden Blick zu.
»Nein, Herr Offiziersanwärter«, antwortete Milm.
»Dann unterlassen Sie diesen Ton!«, bellte Liam, riss sich aber sofort wieder zusammen. Sie waren alle gestresst.
»Jawohl«, erwiderte Milm langsam. »Herr Offiziersanwärter!«
Na also, ging doch. Liam sah sich die anderen drei an, die vor sich hinstarrten und ihren Gedanken nachhingen: Unteroffizierin Wilson, Unteroffizier Stylton, Obergefreiter Burke. »Können Sie laufen?«
Stylton sah ihn irritiert an. »Sollten wir nicht hier auf Rettung warten?«
Fast hätte Liam ihm ins Gesicht geschlagen, aber er unterdrückte diesen ungewohnten Impuls. »Nein«, antwortete er so freundlich wie möglich. »Es wird keine Rettung kommen. Wir sind ein Himmelfahrtskommando. Wenn wir keine Auftragserfüllung melden, wird man uns als Vermisste führen.« Er sah Stylton einen Moment schweigend an. »Ich bin nicht mal sicher, ob eine Auftragserfüllung daran etwas ändern wird. Ich kenne keinen von Ihnen, geschweige denn die Gründe, warum Sie hier sind.«
Stylton wandte den Blick ab.
Sie hatten Snyder durchsucht, der wohl ihr Vorgesetzter gewesen wäre. Er hatte nichts Brauchbares bei sich gehabt, außer der Truppführerpistole, die Liam sich umschnallte. Besser als nichts. Ihre Kampfanzüge hatten sich als reine Schutzanzüge entpuppt, die Waffen waren mit dem Landeboot vernichtet. Das Pad mit dem Einsatzbefehl war zertrümmert, der obligatorische Notrufsender des Truppführers fehlte. Was hatte Snyder verbrochen, dass man ihm keinen Notrufsender zugestand? Warum er selbst keinen bekam, wusste Liam hingegen: Sie akzeptierten ihn nicht als Offizier. Völlig egal, was er auf den Schultern hatte, ihm fehlte der passende gesellschaftliche Hintergrund. War Snyder etwa auch ohne Vitamin B auf die Welt gekommen?
Wütend ballte er die Fäuste. Was für ein Desaster! Er hatte nicht nur die undankbare Aufgabe, diesen zusammengewürfelten Haufen lebend hier rauszubringen, er musste sich auch noch fragen, ob womöglich durchgeknallte Irre unter ihnen waren. Man kam sicher nicht nur wegen schlechter Manieren in so eine Lage.
Wilson hob seufzend den Kopf, als hätte sie beschlossen, sich von der Felskante zu stürzen, neben der sie saßen. »Verzeihung, Herr Offiziersanwärter, darf ich offen sprechen?«
»Nur zu«, seufzte Liam, dem die Wut langsam zu anstrengend wurde. Was war auf einmal los mit ihm? Hatte er sich bei der Landung versehentlich auf eine Adrenalinspritze gesetzt?
»Ist das Ihr erster Außeneinsatz?«
Liam zuckte zusammen. Erwischt. »Nein«, sagte er beherrscht. »Aber der erste ohne Ausrüstung.«
»Ein Frischling von der Akademie«, stieß Stylton verächtlich aus.
Was war hier los? Wo war der fast schon unterwürfige Respekt der Mannschaften gegenüber dem Offizierskorps? Liam sprang auf. »Reißen Sie sich gefälligst zusammen, Stylton«, brüllte er. Verdammtes Arschloch! Ich hatte mich gerade beruhigt!
»Sonst?«
Liam ging so weit an die Kante des Plateaus heran, wie es möglich war, bevor er an seinen Gürtel griff und Snyders Pistole zog. »Unteroffizier Stylton! Vortreten!«, kommandierte er laut.
Angespannt kam dieser dem Befehl nach.
»Sehen Sie sich das an!«, befahl Liam, deutete in die Tiefe, deren Grund in der einsetzenden Dämmerung kaum noch zu sehen war, und ging zurück zu den anderen.
Stylton starrte hinab.
»Stillgestanden!«, brüllte Liam.
Immerhin das funktionierte noch: Stylton nahm reflexartig Haltung an und stand starr an der Kante.
»Und jetzt nennen Sie mir einen Vorteil, den Sie dieser Einheit bieten können.«
Stylton sah stur geradeaus und rührte sich nicht.
»Sagen Sie Bescheid, wenn Ihnen einer einfällt.« Liam entspannte sich wieder. Woher hatte er auf einmal diese Wut? Und vor allem diesen beschissenen Offizierston? Er war nicht nur wegen seiner Herkunft an der Akademie gescheitert, sondern auch, weil ihm die Rumschubserei nicht lag. Überhaupt nicht, wie er hatte feststellen müssen. Er sah die anderen an und seufzte: »Na schön. Karten auf den Tisch: Ich bin direkt von der Akademie herbeordert worden. Erster Außeneinsatz im Rahmen der Ausbildung. Ich habe mir das nicht ausgesucht, glauben Sie mir. Der Truppführer ist tot, das Einsatzpad Schrott. – Ich habe keine Ahnung was wir jetzt machen sollen.«
Wilson sah zu Stylton rüber, der immer noch in Hab-acht-Stellung am Abgrund ausharrte.
»Ich weiß, warum ich hier bin«, knurrte Liam. »Nun will ich wissen, warum Sie hier gelandet sind. Obersoldat, Sie fangen an.«
Burke, dessen Namen er wie die der anderen nur von dem Aufnäher auf seiner Brust kannte, kratzte sich nachdenklich am Ohr.
»Einfach frei heraus, Obersoldat. Sie müssen es nicht beschönigen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle etwas auf dem Kerbholz haben. Das hier ist ein verdammtes Himmelfahrtskommando.«
Alle außer Haddish zuckten zusammen.
»Woher wissen Sie das?«, wollte Wilson wissen.
Er warf ihr einen kurzen Blick zu. »Weil ich hier bin. Los jetzt, Burke.«
»Ich wurde aus einem Arbeitslager abgeworben«, murmelte Burke endlich.
»Von einem Agrarplaneten?«
»Nein.« Burke senkte den Blick. »Mir wurde als Jugendlicher der Edlen-Status aberkannt. Ich musste ins Arbeitslager …« Er brach ab.
»Unterhaltssicherung oder Strafe?«, hakte Liam nach.
»Unterhaltssicherung. Meine Eltern wollten nicht für mich zahlen.«
»Oha«, brummte Haddish. »Und das Arbeitslager war schlimmer als das Militär?«
Burke nickte. »Ich war es nicht gewohnt, wie Dreck behandelt zu werden.«
Liam sah ihn nachdenklich an. »Prügelei?«
»Ich wusste nicht, dass man sich nicht wehren darf.«
»Darf man ja. Aber wenn es jemand aus einer einflussreichen Familie ist, mit dem man sich anlegt, landet man hier.« Liam ballte die Fäuste. Scheiß System!
»Ich war doch auch mal einer von ihnen …«
»Nieder zu sein ist reine Gewohnheitssache«, meinte Haddish. Ihr Grinsen erreichte die Augen nicht.
Liam sah nach Stylton. »Ich weiß etwas, das Sie können, Unteroffizier«, rief er. »Sie können erstklassig strammstehen. Nur nutzt uns das hier wohl nichts. Fällt Ihnen sonst wirklich gar nichts ein?«
Stylton schien etwas zu zittern, schwieg aber beharrlich weiter.
»Na gut, Ihre Entscheidung. Weiter. Milm. Was ist mit Ihnen?«
»Insubordination«, knurrte der nur.
»War ja klar. Haddish?« Er sah die Hauptsoldatin erwartungsvoll an.
»Nichts weiter. Wenn wir wirklich aus diesen Gründen hier sind, kann ich es mir nur damit erklären, dass ich dem Falschen einen Korb gegeben habe.« Sie verschränkte die Arme, ließ sie dann aber wieder sinken.
»Genauer eingrenzen können Sie es nicht?«, lachte Liam.
»Ich habe keinen an mich rangelassen. Also nein. Da käme jeder infrage.«
»Verstehe. Ich nehme mal an, Ihr familiärer Hintergrund war nicht ausreichend, um Sie hiervor zu bewahren?«
Sie zuckte nur mit den Schultern.
»Könnte bei mir ähnliche Gründe haben«, sagte Wilson unaufgefordert.
Da sie sich offenbar nicht weiter dazu äußern wollte, wandte sich Liam zu Stylton um. Der Anblick des renitenten Unteroffiziers ließ seinen Puls erneut ansteigen. Unfassbar. Das war doch sonst nicht seine Art. Er atmete es weg und rief: »Rühren. Kommen Sie her, Mann. Was ist Ihnen bloß über die Leber gelaufen, dass Sie so stur sind?«
Mit steifen Schritten kam Stylton angestakst. »Die Art und Weise, wie die feinen Herren Offiziere den Rest der Welt behandeln, gefällt mir nun mal nicht«, fauchte er.
Ein erneuter Adrenalinschub durchfuhr Liam, wegen der herablassenden Worte und dem Ton. Dabei hätte das genauso gut von ihm sein können. Er war auf Styltons Seite. Er hatte lediglich versucht, die Seite zu wechseln, das hatte aber nicht geklappt. Liam lachte die Wut einfach weg. »Und da kippen Sie lieber in den Abgrund, als zu kuschen? Respekt. Hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut. Jetzt setzen Sie sich schon. Ich bin keiner von denen.« Er wartete, bis Stylton saß. »Mein Name ist Liam Fettodt. Ich stamme von einem Agrarplaneten. Moorn. Meine Familie … Wir sind Niedere. Ich ging zum Militär, weil ich diesem Leben entfliehen wollte. Aufgrund meines Schulabschlusses habe ich die Offizierslaufbahn eingeschlagen, obwohl man mir abriet. – Mehrfach intensiv abriet. Es wäre ohne passenden familiären Hintergrund einfach keine gute Idee, hieß es. Ich habe schnell gemerkt, dass es ein gutgehütetes Geheimnis ist, dass Offiziere nur aus gutem Hause stammen. Ich bin auf die Werbung reingefallen, dass es beim Militär jeder schaffen kann. Ich dachte ernsthaft, wenn man gut ist, wird man zu einem Edlen.« Er lachte bitter auf. »Und wenn man sich nicht rausekeln lässt und sogar eine Klage anstrengt, um sein Recht zu bekommen, landet man eben hier.« Er hob entschuldigend die Hände. »Ich habe keinerlei Einsatzerfahrung und die Akademie noch nicht mal abgeschlossen. Dies ist offiziell mein erstes Feld-Praktikum.«
»Wir sind im Arsch!«, stöhnte Milm.
»Nicht unbedingt«, meinte Liam. »Ich darf das Kommando zwar nicht abgeben, aber guten Rat annehmen.« Er grinste Wilson an und zwinkerte dann auch Stylton zu, der schweigend an seinem Stiefel herumnestelte. Er schien zu überlegen, ob er Liam die Geschichte abkaufen sollte.
»Dass die Offiziere keine Niederen in ihren Reihen dulden, ist ehrlich gesagt ein ziemlich offenes Geheimnis. Wie konnten Sie das nicht wissen?«
Liam erwartete einen neuen Adrenalinschub, stattdessen wurden seine Augen feucht. Er senkte den Kopf. »Hinterwäldler halt. Die Niederen auf Moorn sind einfache Leute ohne Bildung. Harte Arbeit ohne Perspektive. Moorn ist noch jung, es gibt nur die Landwirtschaft. Ich wollte da raus. Na ja, bin nicht weit gekommen.«
»Klingt trotzdem gut. Auf Ruuwe, meiner Heimat, ist die Grenze zwischen Edel und Nieder mit scharfer Klinge gezogen. Das Pack haust zu Füßen der Herren, stets abrufbereit. Unerträglich. Ich musste da weg und habe mich unter der Bedingung anmustern lassen, dass ich woanders stationiert werde. Wurde ich auch – aber den Stiefel im Hintern dadurch nicht los.« Styltons Blick war starr geworden, die Knöchel seiner geballten Fäuste traten weiß hervor. »Als Mannschaftsdienstgrad ging es noch, aber als Unteroffizier wird man zum Lappen der Offiziere. Hätte ich das gewusst …«
»Ach was!«, ätzte Milm. »Das ist doch bei den Uffzen nicht anders! Kaum wird einer zum Vorgesetzten, will er gleich dasselbe Spiel spielen. Scheißegal, ob er es vorher als einfacher Soldat verurteilt hat.«
Stylton schob das Kinn vor. »Einige werden vermutlich nur deshalb Vorgesetzter. Das stimmt. Aber ich nicht. Ich war immer fair zu Untergebenen«, brummte er mit einem kurzen Seitenblick zu Liam.
»Hat irgendjemand mitbekommen, warum wir abgestürzt sind?«, fragte Liam. Als keiner antwortete, fuhr er fort: »Sonstige Informationen? Wo wir hier sind, was wir hier sollen … irgendwas?«
Sie schüttelten nur die Köpfe.
»Hat irgendjemand etwas Privates dabei? Eine Uhr vielleicht? Nein? Nichts? Essen? Auch nicht? Verdammt.« Liam griff an seinen Gürtel. Die Wasserflasche war da, aber das war gerade mal ein halber Liter.
Ein krächziger Schrei ließ sie zusammenfahren.
»War das ein Vogel?«, flüsterte Burke.
»Oder eine Echse«, meinte Wilson.
»Sie kennen sich aus?« Liam sah sie neugierig an.
»Ich hatte schon mal einen Einsatz in einem Dschungel. War voller Saurier, die teilweise wie Vögel schrien.«
»Na super«, jammerte Burke.
»Das war aber der erste Laut, den wir gehört haben. Ich habe noch nichts gesehen, keine Insekten, keine Vögel.« Stylton rieb sich übers Gesicht. »Die ganze Zeit nicht, die ich da stand.«
»Nicht jede Flora wird von Fauna begleitet«, sagte Haddish. »Ich habe von Planeten gehört, die komplett ohne Tiere auskommen. Da ist alles pflanzlich. Funktioniert auch.«
»Ob es kalt wird?« Burke sah in den dunkler werdenden Himmel.
»Sieht mir hier nicht so aus«, meinte Stylton.
»Wie hoch sind wir hier in etwa?«
»Ein paar Hundert Meter vielleicht.«
Burke befeuchtete einen Finger und hielt ihn hoch. »Wind gibts hier auch nicht.«
»Das hat nichts zu sagen. Es kann trotzdem kalt werden«, brummte Haddish.
»Weiß jemand, welche Tageszeit hier gerade ist?«
»Später Vormittag oder früher Nachmittag.«
»Das hätte ich auch noch hinbekommen«, grunzte Liam mit Blick auf den Stand der Sonne. Er stand auf und ging wieder an die Kante des Plateaus. Er hatte bisher noch keine Muße gehabt, sich der Aussicht zu widmen. Sie war ziemlich unspektakulär: Grünzeug, soweit das Auge reichte, in der Ferne von ein paar gelblichen Spitzen unterbrochen, die aus dem Dickicht herausragten. Berge vermutlich. Ob da unten ein Fluss war oder vielleicht sogar eine komplette Stadt, ließ sich wegen der dichten Baumkronen nicht ausmachen. Er blickte besorgt zum Wald rüber, wo erneut der markerschütternde Schrei ertönte. »Schwer vorstellbar, dass das ein kleiner Vogel sein soll.«
»Unsere Anzüge sind also scheiße«, stellte Burke fest.
»Wie lange sind Sie schon wach? Ich bin seit über zwanzig Stunden auf den Beinen«, sagte Liam.
»Sechzehn Stunden«, erwiderte Wilson nach kurzem Überlegen.
»Ich auch«, meinte Burke.
»Vierzehn«, murmelte Haddish.
Stylton und Milm nickten nur.
»Blöd, aber nicht zu ändern. Wir müssen jetzt los, Wasser finden und von diesem Felsen runter. Irgendwelche Einwände?«
Alle standen schweigend auf.
Liam stöhnte. »Schade. Na, dann los. Lassen Sie die Anzüge deaktiviert, wir sollten die Energiezellen schonen. Ich habe das Gefühl, dass man uns nicht abholen wird. Sollten wir uns also, sagen wir mal als illegales Frachtgut an Bord eines Versorgungsschiffes schleichen müssen oder dergleichen, werden wir froh sein, wenn uns dann noch die Schutzschirme zur Verfügung stehen.«
»Was sollen die denn da nützen? Wenn wir während des Hyperraumsprungs nicht in einer Kammer liegen, verflüssigen wir uns. Schutzschirm hin oder her«, brummte Wilson.
»Äh, ja, richtig«, stammelte Liam.
»Ach du Scheiße! Sie waren noch nie von ihrer Welt weg, richtig?«
Liam schwieg betroffen. Das war zwar nicht ganz richtig, aber verdammt nah dran.
»Mann! Wie haben Sie bloß den Herflug überstanden?«
»Sediert«, murmelte Liam. »Hab beim Einsteigen eine Panikattacke bekommen.« Er versuchte wütend zu werden, die Kontrolle zurückzuerlangen, aber nichts da. Als wäre sein Adrenalinvorrat oder zumindest die Wut für diesen Monat erschöpft.
Stylton rieb sich über die Augen. »Die konnten Sie wirklich nicht leiden, was?«
Liam stapfte voraus. Sie würden im Uhrzeigersinn um den Berg herumgehen, wenn sie keinen Abstieg fänden.
»Was ist mit Wasser?«, rief Haddish von hinten.
»Wir haben noch unsere Flaschen. Ich denke, dass wir unten eher Wasser finden als hier oben. Los.«

Direkt am Abgrund war der geringste Bewuchs und sie kamen schnell voran, allerdings wurde der Boden immer wieder unsicher, es war keine durchgehend fest Kante. Einige Male lösten sich unter ihren Füßen kleine Gerölllawinen, sodass sie sicherheitshalber näher an den Wald heranrückten, obwohl das Gehen dadurch mühsamer wurde. Inzwischen war Mittag.
Vor ihnen lag wieder ein Einschnitt, der größte bisher.
Als sie ihn erreicht hatten, ging Liam näher ran. »Kann da eine Art Abstieg sein?«, fragte er. »Kennt sich jemand mit Bergen und so aus?«
»Das ist kein Berg«, merkte Stylton an.
»Mir scheißegal. Kennen Sie sich aus oder nicht?«
»Nein«, meinte Stylton.
Liam machte ein paar vorsichtige Schritte und trat gegen den Untergrund, um zu prüfen, ob er abrutschte. Er hielt sich dazu an einem Busch fest, der aus einer Spalte wuchs.
Nach nur drei Tritten kam das Geröll ins Rutschen, das sich am Ende des Einschnitts angesammelt hatte, und verschwand leise raschelnd in der Tiefe.
»Scheiße!«, knurrte Liam und kraxelte zurück.

»Wir müssen doch bald rum sein, oder?«, fragte Burke, als sie das erste Mal etwas aus ihren Flaschen tranken.
»Nee, noch lange nicht«, erwiderte Wilson.
»Aber man kann nie die Wand sehen, es geht also immer nach rechts«, hielt er dagegen.
»Mag ja sein, aber die Kurve ist nicht besonders eng. Es wird Tage dauern.«
Burke starrte unglücklich die Kante an. »Was machen wir, wenn wir …«
»Dann gehen wir im Wald Wasser suchen«, meinte Liam nachdenklich.

Liam hatte die Führung aufgegeben. Er war nicht nur kein Offizier, sondern tatsächlich der Ahnungsloseste von allen. Er ging nicht davon aus, dass er sich für dieses Versagen irgendwann rechtfertigen müsste – Verlust der Befehlsgewalt im ersten echten Außeneinsatz –, sondern froh sein konnte, wenn er diesen Tag überlebte.
Sie trafen auf einen kleinen Bach, der über die Abbruchkante hinabstürzte.
»Und ich dachte schon, wir hätten bei allen verschissen!«, rief Haddish und lief los.
»Haddish!«, schrie Liam ihr hinterher.
»Lassen Sie sie«, meinte Wilson nur.
»Seien Sie vorsichtig!«, rief Liam.
Tatsächlich kam Haddish vor lauter Eile ins Stolpern, fing sich aber wieder und kniete Sekunden später an dem Bachlauf, um zu trinken. Sie nahm das Wasser nicht mit den Händen auf, sondern beugte sich so tief hinab, dass sie das fließende Wasser schlürfen konnte.
»Und wenn es giftig ist?«, fragte Burke.
»Sind wir erledigt«, sagte Liam nur und beschleunigte seine Schritte.
»Wie schmeckt es?«, wollte er von Haddish wissen, die sich gerade erhob.
»Köstlich!«, seufzte sie. »Wirklich gut.«
Milm und Wilson knieten bereits, während Burke und Stylton noch unsicher abwarteten. Sie sahen etwas rot aus, oder? Nein, das täuschte nur. Doch! Rote Linien …
»Deckung!«, brüllte Liam und warf sich hin.
Die anderen folgten seinem Beispiel, aber es nutzte nichts: Die roten Laserlinien überzogen weiterhin die Gesichter derjenigen, die er von seiner Position aus sehen konnte. Sie wurden mit irgendeiner veralteten Technik abgetastet und erfasst.
»Wo kommt das her?«, rief Wilson hinter ihm.
»Von der Kante. Links. Dreißig Meter«, antwortete Haddish, die als einzige andersrum lag.
Liam warf sich herum. Eine schlammgraue Drohne schwebte über dem Abgrund, jederzeit bereit, sich in die Tiefe fallen zu lassen. Aber wozu? Sie waren unbewaffnet. So wie die Drohne.
Er stand auf. »Das ist ein Aufklärer. Unbewaffnet. Ich nehme Kontakt auf.« Liam aktivierte den Kommunikator. »Offiziersanwärter Fettodt mit sechs Überlebenden eines Absturzes«, sagte er so laut, dass die Drohne es auch über die Außenmikrofone hören musste. »Wir sind unbewaffnet.« Er hob die Hände. »Aufstehen«, befahl er.
Die anderen erhoben sich nun ebenfalls und hielten ihre Hände in die Höhe.
Die Drohne, eine alte MASS 7070 mit sechs Rotoren, näherte sich. Sie waren offenbar als ungefährlich eingestuft worden. Das Gerät ließ keine Rückschlüsse darauf zu, wem es gehörte, also schon mal nicht den Reichstruppen.
Die Lichtstreifen des Abtasters waren nun klar zu erkennen. Sie wurden systematisch einer nach dem anderen von oben nach unten erfasst. Sie warteten die obligatorische Aufforderung gar nicht erst ab, sondern drehten sich freiwillig einmal um die eigene Achse.
Als der rote Streifen auf Höhe ihrer Nacken war, ertönte ein grelles Piepen.
»Transmitter erkannt!«, plärrte es mit voller Lautstärke aus der Drohne.
Sie sahen sich panisch an.
»Springen Sie sofort!«, brüllte die nun eindeutig als nicht künstlich erkennbare Stimme über die Lautsprecher der Drohne. »Ihre Tracker haben soeben ein Zielerfassungssignal ausgestrahlt!«
»Raketenangriff!«, schrie Liam. Er hatte noch keine Außeneinsatzerfahrung, aber über Tracker und deren Einsatzbereiche hatte er unlängst ein Referat gehalten: Ihr gesamter Trupp war als Köder eingesetzt worden und die Tracker hatten gerade Feindkontakt festgestellt. Von irgendwo, ob aus dem Orbit oder von der Planetenoberfläche, wurden nun mehrere Raketen abgeschossen, die ihre Position im Umkreis von 500 Metern mit Streumunition überziehen würde. Ihre einzige Chance war ein Sprung in die Tiefe, in der Hoffnung, dass die Bäume ihren Sturz abfangen und sie das mithilfe des kümmerlichen Schutzfeldes der Anzüge überleben würden.
Es blieb keine Zeit für einen Blick über die Schulter. Selbst bei voller Geschwindigkeit war die Strecke bis zur Kante auf diesem holperigen Untergrund kaum rechtzeitig zu schaffen.
Als Liam sprang, sah er sich zum ersten Mal um: Haddish, Wilson und Milm stürzten neben ihm in den Abgrund, Stylton und Burke standen wie angewurzelt da.
Die Raketen waren zu schnell, um sie kommen zu sehen, nur der Abgasstrahl, der plötzlich in der Luft hing, stellte die Verbindung her zwischen der Richtung, aus der sie kamen, und der Explosion, die das Plateau in eine Staubwolke verwandelte. Dann erst regneten die Streusprengkapseln herab und sorgten für eine Explosionskaskade, die wie Gewittergrollen klang.
Liam drehte sich dem Boden zu. Sein Anzug war längst geschlossen und aktiviert, das Schutzfeld aufgebaut. Er musste versuchen, sich mit den Kraftverstärkten Handschuhen irgendwo festzuhalten, um den Sturz zu bremsen, und dabei stärkeren Ästen ausweichen, die den Anzug – oder ihn – ernsthaft beschädigen konnten. In Simulationen war er darin recht gut gewesen, aber wenn einem das Herz bis zum Hals schlug, war es deutlich schwieriger. Andererseits brachte das auch einen Adrenalinschub mit sich.
Als er in die Baumkronen eintauchte, bekam er nur dürre Äste zu fassen, er war ziemlich genau zwischen zwei Riesen und kam nicht an die kräftigeren Zweige heran. Unter ihm tauchte ein kleinerer Baum auf. Mit den Füßen voran prallte er auf den unteren, kräftigeren Kranz seiner Nadelholzkrone, machte die Beine steif und knackte die Äste weg. Ohne richtig mitzubekommen, wie er es machte, strampelte er sich mehrere Astreihen nach unten durch, was ihn zwar völlig erschöpfte, aber seinen Sturz abbremste. Nun konnte er auch nach Ästen greifen. Wenn sie jedoch stabil genug waren, nicht abzureißen, rutschte er ab; die Akkus des Anzugs waren bereits von der fehlgeschlagenen Landung erschöpft, sodass die Griffkraftverstärkung nicht mehr viel brachte. Aber dennoch wurde er immer langsamer. Die letzten dicken Äste klatschte er fast beidhändig ab, traf zwei mit den Füßen, federte den Schwung etwas weg, bevor er abrutschte und weiter fiel, dann schlug er auf dem Boden auf.

Schmerz riss ihn aus der Ohnmacht. Schmerzen überall. Er musste aus dem Anzug raus.
Schreiend richtete Liam sich auf. War etwas gebrochen? Wohl nicht. Prellungen, vielleicht offene Wunden.
Er öffnete den Anzug, sog gierig die frische Luft ein und kämpfte gegen das einsetzende Schwindelgefühl.
… fünf, sechs, sieben …
Die Schmerzen ließen sich ignorieren. Er würde es überleben. Wo waren die anderen? Er sah sich um, blinzelte die Sternchen vor den Augen weg. Nichts zu sehen. Viel zu dunkel. Stöhnend schloss er den Anzug wieder und aktivierte die Nachtsicht. Kurz flackerte ein helles, kontrastreiches Bild auf, dann erstarb es.
Liam öffnete den Anzug, der das nur noch sehr langsam tat. Er war bereits auf Notreserve. Also keine Restlichtverstärkung. »Wilson?«, rief er. »Haddish?« Er lauschte. – Nichts. »Milm?«
Sie waren beim Absprung links und rechts von ihm gewesen. Er sah hoch, um sich am Plateau zu orientieren, aber es war durch das dichte Blattwerk nicht zu sehen. Er wusste nicht mal, in welcher Richtung das Plateau lag, dafür hatte er sich während des Sturzes zu oft gedreht.
»Wilson!«, rief er kläglich. Er war völlig außer Puste. Das wurde nichts.
»Ihre Kameraden sind tot«, sagte die Stimme, die er aus der Drohne kannte.
Hektisch sah Liam sich um, aber da war niemand. Endlich erkannte er das schmutzige Fluggerät in gut drei Meter Höhe zwischen einigen Büschen. Oder waren das Farne?
»Ich kann Sie hinführen, damit Sie sich selbst überzeugen können.« Die Drohne aktivierte einen Scheinwerfer. »Doch ich rate Ihnen, erst mal den Anzug auszuziehen. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber vielleicht kommen weitere Raketen, auch wenn sie hier unten nicht viel bringen.«
Nein, das wäre Verschwendung. Stattdessen wäre vermutlich bereits ein Geschwader waldtauglicher Drohnen unterwegs, mit Sicherheit moderner als die MASS 7070 und bewaffnet.
Hastig schälte Liam sich aus dem Anzug. Er hatte immer noch keinen Schimmer, wer hier welches Spiel trieb, aber für Detailfragen war gerade keine Zeit.
»Hier lang«, ertönte es aus der Drohne und sie flog los.
Der Lichtkegel strich über den Waldboden, sodass Liam wenigstens sah, wo er langlief. Er trug lediglich die dünnen Flexstiefel, die in Kampfanzügen üblich waren. Nicht gerade geländegeeignet. Aber die weiche Sohle kam ihm hier eher entgegen als ein steifer Kampfstiefel.
Schweigend hetzte er hinter der Drohne her, bis er fast über den blutigen Kampfanzug gestolpert wäre, zu dem er geleitet worden war. Der Anzug war völlig zerbeult, zerfetzt und von seinem Träger nur noch Brei übrig. Er wischte das Brustschild frei: Haddish. Verdammt! Er hatte sie gemocht.
»Wollen Sie die anderen beiden auch begutachten oder lieber fliehen?«
Liam überlegte kurz. Alles in ihm schrie Abhauen!, aber falls einer der beiden anderen noch einen Funken Leben in sich trug, war es seine Pflicht … Und wer auch immer da gerade durch die Drohne mit ihm sprach, würde ihn vielleicht anhand seiner Taten beurteilen. Bezüglich seiner äußerst unsicheren Zukunft war das eine nicht zu vernachlässigende Kleinigkeit. »Ich muss sicher sein«, keuchte er.
Die Drohne flog weiter.

Wie erwartet, waren die beiden anderen ebenfalls nicht mehr zu retten. Liam wurde dadurch erst bewusst, wie viel Glück er gehabt hatte, diesen Sturz zu überleben.
»Wohin soll ich gehen?«, japste er. Die Rennerei über den wurzelübersäten unebenen Waldboden hatte ihn seine letzten Kraftreserven gekostet, aber wenn ein Drohnenschwarm eintraf, sollte er besser ein paar Kilometer weit weg sein.
Die Drohne setzte sich wieder in Bewegung. Liam lief blindlings hinterher. Für Fragen fehlte ihm schlicht der Atem. Wer auch immer die Drohne steuerte, wollte ihn offenbar nicht mit Konversation stressen. Liam wusste das zu schätzen. Für ein Pläuschchen war später immer noch Zeit.

Als Liam diesmal stehen blieb, sackte er zu Boden. Immer wieder war er nach kurzen Pausen weitergelaufen, aber genug war genug.
Die Drohne hing einfach in der Luft, als würde sie abwarten, ob er wieder aufstand oder an Ort und Stelle starb.
Liam rollte sich auf die Seite. Ohne Anzug war es ziemlich unbequem, aber im Moment war ihm alles egal. Auch die Feuchtigkeit, die in seine Kleidung drang.
»Sie müssen weiter«, sagte die Stimme aus der Drohne.
»Bin ich noch nicht weit genug weg?«, keuchte Liam.
»Für einen weiteren Angriff vielleicht, aber nicht für die Tiere.«
Das durfte doch nicht wahr sein! Er war so erschöpft, dass er nicht mal richtig darüber nachdenken konnte, was die Worte bedeuteten. »Hier sind keine Tiere«, stöhnte er nach einer Weile.
»Sie haben keine gesehen, weil sie vor dem Explosionslärm geflüchtet sind. Sie sollten unser Depot erreichen, bevor sie wieder mutiger werden.«
»Was …« Liam kam auf alle viere und hechelte. »Was für ein Depot?«
»Nennen Sie es ein Geschenk. Es ist noch zwei Kilometer entfernt.«
»Das schaff ich nicht.«
»Unsinn. Sie schaffen das. Die Alternative ist der Tod.«
[...]