Autark
Kapitel 1 – 02.03.2057
Die Bestandteile des Hauses flogen nicht durch die Wucht einer Abrissbirne herum, wurden nicht durch die Druckwelle einer Gasexplosion auseinandergerissen, fielen nicht unter den Stößen eines Erdbebens in sich zusammen und lösten sich auch nicht im Inferno einer Feuerwalze auf, eines Raketenbeschusses oder Meteoriteneinschlags, sondern sie trieben ganz gemächlich in alle Richtungen auseinander, wie von Zauberhand aufgelöst, Stein für Stein; dazwischen zerstiebender Mörtel, Bodenfliesen sowie hier und da einzelne Keramikelemente aus dem Sanitärbereich. Das Ganze fand absolut geräuschlos statt. Es waren weder Schreie der Verwunderung von aus den oberen Etagen Herabstürzenden zu hören noch Gejammer der sich auf dem Weg nach unten den Kopf an all den Steinen Anschlagenden, bevor sie auf dem Boden zerplatzten. Jasper Petriel selbst stand, mit den Armen rudernd, auf zwei immer weiter auseinanderdriftenden Bodenfliesen und konnte sich im letzten Moment an einem einzelnen Gasbetonstein festhalten, um sein Gewicht auf eine der beiden Fliesen zu verlagern, bevor es zu einem Spagat gekommen wäre, den er nicht hätte halten können. Wäre es ein Surfbrett, ein Snowboard oder wenigstens ein Skateboard gewesen, hätte er es geschafft, denn er war ein guter Skater. Gewesen. Früher. Doch eine 30 mal 30 Zentimeter große Bodenfließe mit einem ihm völlig unbekannten Blümchenmuster war ungewohnt. Er würde jeden Moment in die Tiefe stürzen, die – das wusste er, ohne hinzusehen – tödlich wäre. Ob er sich unterwegs den Kopf stieß oder nicht. Aber er konnte nicht nur nicht nach unten sehen, weil ihm sonst schwindlig geworden und er hinuntergefallen wäre, er konnte auch nicht nach oben sehen, nur stur geradeaus, wo immer mehr Bestandteile des Hauses aus seinem Blickfeld verschwanden. Jenseits dieser sich immer weiter auflösenden Reste seiner Existenz war nichts, nicht mal ein blauer Himmel, geschweige denn die Stadt, auf die er von seiner luxuriösen Residenz herabgeschaut hatte.
Da war überhaupt nichts. Dabei sollte da etwas sein. Zum Beispiel das Geschrei all der Leute, die ihn betreuten: seine Assistenten, Butler, Ärzte, Pfleger, Techniker und Verwalter. Doch da war nichts außer dieser enervierend ruhigen Stimme, die ihm erklärte, dass er jetzt aufwachen und die Einrichtung verlassen müsse, weil die Versorgungskosten nicht mehr abgedeckt seien …
»… Erweckungsvorgang abgeschlossen. Guten Morgen L0896438424CT23, Jasper Petriel.«
»Wo bin ich?«
»Sammelstelle für abgelaufenes Kryolagergut, Aufwachraum drei im vierten Stock der Zweigniederlassung Schubert-Allee der Hartmannplatz Lager und Teilversorgungseinrichtung GmbH & Co KG.«
»Was …?« Das klang völlig verrückt. »Warum bin ich nicht zu Hause?«, lallte er. Seine Gedanken fühlten sich an wie Babyschildkröten, die sich aus dem nassen Sand des Unterbewusstseins wühlen mussten, bevor sie ins weite Meer zusammenhängender Denkprozesse gelangen konnten.
»Du bist zu Hause, Jasper Petriel!« Die Stimme schien lauter zu werden. Vielleicht wurde Jasper aber auch einfach nur wacher. »Stell nun sicher, dass du selbstständig atmest …«
Wieso wurde er eigentlich geduzt?
»… erforderlich, dass du den Atemvorgang bewusst übernimmst …«
Niemand duzte ihn. Niemand!
»Die automatische Aufrechterhaltung deiner Körperfunktionen wird wegen des Wegfalls des Betreuungsservices eingestellt. Bitte übernimm das Atmen selbst in drei, zwei, eins …«
Jasper sog entsetzt Luft in seine Lungen, bis es wehtat. »Was zum …« Das Sprechen tat auch weh. Alles tat weh. Seine eigene Stimme klang brüchig, wie die eines alten Mannes.
Er riss die Augen auf und erblickte ein trauriges Ensemble aus einem kleinen Tischchen und zwei schlichten Stahlrohrstühlen mit der billigsten Polsterung, die er je gesehen hatte. Das dahinterliegende Fenster zeigte eine Backsteinfassade auf der anderen Straßenseite. Seine mehrstöckige Villa über der Elbe war das nicht, so viel stand fest.
»Wo bin ich?«, rief er erneut.
»Willkommen in der Hartmannplatz Lager und Teilversorgungseinrichtung GmbH & Co KG, einer Tochtergesellschaft der United Selfstorage Limited, einem Unternehmen der Paraschut Logistics International AG. Deine Versorgungseinheit hat dich soeben aus ihrer Obhut entlassen. Du befindest dich in Aufwachraum drei im vierten Stock der Zweigniederlassung Schubert-Allee.«
Jasper blinzelte. Es war viel zu hell. Hätte das Licht nicht gedimmt sein müssen? Was war das überhaupt? Eine verdammte Neonröhre an einer ranzigen Decke mit Schimmelflecken und abblätterndem Putz?
Er straffte sich und schlug die Augen vollends auf. Um ihn herum lagen oder standen allerlei Behälter, Särge und Säcke. Es sah aus wie in einem unordentlichen Lagerraum. Ihm war schwindelig, übel und ein wenig kalt.
»Bitte verlasse nun die Versorgungseinheit.«
»Was zum …« Jasper machte einen Schritt nach vorn. Es klappte. Sein Bein, sein ganzer Körper bewegte sich. Es fühlte sich nur nicht richtig an, als wäre er noch nicht ganz drin. Müsste er nicht atrophiert sein? Müssten nicht Dutzende Pflegekräfte daran arbeiten, seine Körperfunktionen wieder in Schwung zu bringen und seine Muskulatur mit Mikroimpulsen zu stimulieren? Nun, da hatte die Technik offenbar die erwarteten Fortschritte gemacht.
»Ausgezeichnet. Du hast die Kontrolle über deinen Körper vollständig übernommen. Deine persönlichen Utensilien befinden sich im Staufach der Versorgungseinheit.«
Jasper drehte sich um und starrte eine Weile mit glasigem Blick auf den stehenden Kryosarg, aus dem er eben herausgetorkelt war. Am oberen Ende, über dem Kopfbereich, bemerkte er eine Klappe. War die schon immer da? Er konnte sich nicht erinnern. Er holte einen vakuumierten Plastikbeutel heraus.
»Bitte verlasse diese Einrichtung nun. Der Aufenthalt in den Räumen der Hartmannplatz Lager und Teilversorgungseinrichtung GmbH & Co KG ist zahlenden Kunden vorbehalten.«
»Ich bin …« Tja, was war er denn eigentlich? Er wusste es nicht.
Er war Jasper Petriel, einer der reichsten Männer des Landes. Zumindest war er das gewesen, als er beschlossen hatte, sich in der Blüte seiner weit fortgeschrittenen Jugend in Kryoschlaf versetzen zu lassen, um die Zukunft zu erleben. Eine Zukunft, die für superreiche Menschen wie ihn hoffentlich mehr bereithalten würde als einen unaufhaltsamen Alterungsprozess und den anschließenden Tod. Er hatte sich in seiner riesigen Stadtvilla, umgeben von seinen treu sorgenden Angestellten und Technikern des Kryoschlafbetreibers Evidenz SA, eine eigene Lagerstätte eingerichtet, in der er bleiben wollte, bis Altern und Tod besiegt wären. Stattdessen war er nun hier. Das war nicht gut.
»Warum …«
»Auf dem Tisch vor dir findest du eine kostenlose Informationsbroschüre. Bitte verlasse jetzt den Aufwachraum.«
»Welches Datum haben wir?«
»Assistenz steht nur zahlenden Kunden zur Verfügung. Du besitzt keine gültigen Zahlungsmittel. Bitte verlasse jetzt den Aufwachraum.«
»Aber …«
»Es tut mir leid. Rede mit der Tür, die ist kostenlos.« Die Stimme klang nicht so, als würde es ihr wirklich leidtun.
Jasper trat auf die unfassbar schlichte Stahltür zu.
»Hallo, ich bin ein Solitude-Türöffnungssystem Brava eins. Möchtest du, dass ich mich für dich öffne?«
»Äh … Nein. Was für ein Datum haben wir heute?«
»Heute ist der zweite März 2057, ein sonniger, klarer und für diese Jahreszeit wie immer zu warmer Tag.«
»Solitude-Türöffnungssystem Brava eins, bitte lass Jasper Petriel nun hinaus.«
»Misch dich nicht ein, Hartmannplatz Lager und Teilversorgungseinrichtung GmbH & Co KG. Jasper Petriel ist mein Klient, nicht du. – Es ist kurz nach halb zwölf und ein hervorragender Zeitpunkt, durch mich hindurchzuschreiten und das Gebäude zu verlassen.«
2057? Es waren nicht mal 30 Jahre vergangen. »Was zum …«
»Bitte verlasse jetzt den Aufwachraum.«
»Möchtest du, dass ich mich für dich öffne?«
»Ja! Zum Teufel! Lass mich hier raus!«
Jasper trat energisch durch die aufgleitende Tür und rümpfte erschrocken die Nase, als er den Geruch von gewischtem Kunststein wahrnahm. Er war nicht nur nicht in seiner Villa, sondern an einem in jeder Hinsicht entsetzlich billigen Ort, an dem es nicht mal einen Fahrstuhl zu geben schien. Er stand auf einem einfachen Treppenabsatz, von dem aus es nur nach oben oder unten ging.
Er drehte sich zu der Tür um: »Wieso bin ich hier? Warum bin ich nicht in meiner Villa?«
»Du verfügst offensichtlich über keinerlei Zahlungsmittel mehr. Das geht den meisten so, die mich von diesem Raum aus benutzen.«
»Wie kann ich pleite sein? Ich war Milliardär!«
»Ich habe keinerlei Informationen über dich, aber ich weiß, dass es in den letzten Jahren mehrere heftige Inflationen gab.«
»Inflationen?« Jasper hielt inne. Er hatte ein ganzes Heer an Finanzberatern, Fondsmanagern und Bankern damit beauftragt, sein Vermögen zu verwalten. Sollten die alle versagt haben? Unwahrscheinlich. Da hatte man ihn wohl ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Na, die meisten dieser Leute mussten nach 30 Jahren ja noch am Leben sein. Die würde er sich vorknöpfen. »Und was ist mit meinen Kryptos?«
»Wenn deine Kryptowährungen nicht zu denen gehören, die nach dem großen Sonnensturm-Crash und der anschließenden Blockchain-Regulation auf der Strecke geblieben sind, kannst du einen Antrag auf Re-Walletierung stellen. Nach Nachweis der Rechtmäßigkeit deiner Ansprüche und Verifizierung durch die Prüfkommission besteht durchaus die Chance, einen Teilbetrag erstattet zu bekommen. Die Bearbeitungszeit beträgt derzeit dreieinhalb Jahre.«
»Was zum …« Er musste dringend an seinem Wortschatz arbeiten. Dieses Gestammel war ihm sogar der Tür gegenüber peinlich, die erstaunlich gut informiert war. – Für eine Tür. »Was mache ich denn jetzt?«
»Du bist kein zahlender Kunde und solltest das Gebäude innerhalb der nächsten einhundertsiebzehn Sekunden verlassen haben, bevor ein Räumkommando das für dich übernimmt.«
»Verdammt!«
Vorsichtig und langsam stieg Jasper die Treppe hinunter, weil er sich noch etwas wackelig fühlte. Aber das mit schwarzem Plastik überzogene Geländer würde er unter keinen Umständen anfassen. Nicht ohne Schutzhandschuhe.
Vierter Stock. Wann war er das letzte Mal durch so ein trauriges Treppenhaus hinabgestiegen? Das musste in seiner frühen Jugend gewesen sein, als er als Schüler Freunde besuchte oder in einem Einkaufszentrum das Treppenhaus benutzte, weil es ihm im Aufzug zu eng und stickig gewesen wäre. Jasper schüttelte sich bei dem Gedanken daran, mit anderen zusammengepfercht zu sein.
Er erreichte die Straße, ohne Bekanntschaft mit dem von der Tür erwähnten Räumkommando zu machen. Die Tür zur Straße war weniger gesprächig und ermahnte ihn lediglich, jetzt endlich zu verschwinden, statt ihm weitere Fragen zu beantworten. Was war in den paar Jahren nur aus der Welt geworden?
Jasper sah sich angespannt um. Es war kein Mensch zu sehen. Ihn fröstelte etwas, doch das war im Moment seine geringste Sorge. Was war mit seinem Vermögen geschehen? Was war mit all den Leuten, die sich um sein Wohlergehen kümmern sollten? Wie war sein gesundheitlicher Status? Er fühlte sich weiterhin wackelig, aber ansonsten gut. Andererseits kehrten seine Lebensgeister nur langsam zurück. Im Gebäude war es sicher nicht wärmer als hier draußen, doch drinnen war ihm nicht aufgefallen, wie kühl es war. Jetzt kam ihm sogar der Boden kalt vor.
Er schaute das erste Mal seit seinem Erwachen an sich herab. Statt des gefürchteten Anblicks alter Haut und dürrer Beine sah er denselben Körper, mit dem er sich in die Kryokammer gelegt hatte. Das war erfreulich. Dann erst wurde ihm bewusst, dass er nackt war. – Er stand nackt und barfuß am helllichten Tag auf der Straße! Im März!
Hektisch warf er den Kopf herum und überzeugte sich davon, dass er wirklich allein war. Das war er. Nun wiederum schloss sich ein kaltes Band um seine Brust und drückte sie zusammen: Er war allein. – Völlig allein.
»Hallo! Brauchst du eine Fahrgelegenheit?«
Jasper sah sich abermals um, doch da war niemand.
»Hier!« An einem der parkenden Autos ein paar Meter vor ihm blinkten die Lampen.
Jasper eilte hin. Die Tür öffnete sich von selbst. Er warf sich auf die Sitzbank, als müsste er einem Heer glotzender Passanten entwischen. Im Wagen war es angenehm warm.
»Willkommen im Create-Your-World-E-Harmonie-zwei-zwei-sieben.«
»Danke«, murmelte Jasper und setzte sich hin. Er öffnete den Verschluss des Plastikbeutels, den er die ganze Zeit in Händen gehalten und trotzdem vollkommen vergessen hatte. Er war wohl immer noch nicht ganz da. Mit einem scharfen Zischen entfaltete sich der komprimierte Inhalt. Neben zusammengelegter Kleidung kamen auch Jaspers Smartphone, Ladegerät und Brieftasche zum Vorschein. »Darf ich dich etwas fragen?«
»Gerne, aber lass uns zunächst das Finanzielle regeln. Ich stelle fest, dass du nicht im Besitz eines gültigen Zahlungsmittels bist.«
Jasper stöhnte genervt, während er sich mit allerlei Verrenkungen den Slip hochzog. »Warum duzen mich eigentlich alle?«
»Das ist schon so, seit ich in Shenzhen als für den europäischen Markt konzipiertes Elektrokleinfahrzeug vom Band rollte. Wenn du nicht über Zahlungsmittel verfügst, müssen wir eine alternative Zahlungsform verwenden.«
»Und was? Muss ich eine Niere verkaufen, um mir eine Taxifahrt leisten zu können?«, blaffte Jasper und zog sich die Socken an.
Das Elektrokleinfahrzeug ignorierte seinen unwirschen Tonfall. »Das hängt davon ab, wie weit du fahren willst. Im Übrigen bin ich kein Taxi, sondern eine selbstständig operierende Transporteinheit. Ich schlage vor, dass du einem vollständigen Tracking deines Nutzerverhaltens zustimmst.«
Tracking? Nach all den Jahren immer noch derselbe Scheiß? Für die angenehm weiche und dehnbare Casual-Jeans musste sich Jasper etwas hin- und herwinden. »Na klar«, presste er hervor, »warum nicht?« Er streifte sich das Shirt über und kam endlich dazu, einen Blick in seine Brieftasche zu werfen.
»Gute Entscheidung! Schön, dass du dich für die werbegestützte Version von MobilService Plus, einem Angebot der O-Plus-Mehrwertdienste, entschieden hast! Für dein optimales Fahrerlebnis wird deine Zustimmung zum vollständigen Nutzertracking benötigt. Bist du einverstanden?«
»Moment«, murmelte Jasper. Seine Kreditkarten waren noch da, aber wenn er pleite war, nutzen die ihm nichts. Außer vielleicht die exotischen zu Offshore-Konten. Die müsste er erst mal durchprobieren. Immerhin hatte er noch Bargeld.
»Der Aufenthalt in dieser Transporteinheit ist zahlender Kundschaft vorbehalten. Bitte stimme nun dem Nutzertracking zu oder legitimiere ein gültiges Zahlungsmittel.«
»Sind fünfhundert Euro gültig?«
»Selbstverständlich. Es sind jedoch keine gültigen fünfhundert Euro erfassbar.«
Jasper hielt die Scheine hoch. »Hier.« Zwischen den Banknoten fiel ein gefaltetes Stück Papier heraus.
»Papiergeld wird in autonomen Dienstleistungsgeräten nicht als Zahlungsmittel akzeptiert. Du kannst es bei einer Niederlassung der Notenbank gegen elektronische Zahlungsmittel eintauschen.«
»Oh«, machte Jasper.
»Der Aufenthalt in dieser Transporteinheit ist zahlender Kundschaft vorbehalten. Bitte …«
»Ist ja schon gut!«, fauchte er.
»Ausgezeichnet! Um dir ein optimales Werbeerlebnis bieten zu können, werden gemäß Paragraf zweihundertsiebenundvierzig C des Datenschutzgesetzes vom dritten April 2048 deine Augenbewegungen getrackt, deine Herzfrequenz gemessen, deine Hautleitfähigkeit analysiert und deine Mimik ausgewertet. Hast du das verstanden?«
»Bring mich zu einer Notenbankfiliale, damit ich die Scheine einwechseln kann.«
»Ich brauche zunächst eine konkrete Gegenleistung für die Fahrt dorthin. Bitte stimme nun dem Nutzertracking zu oder legitimiere ein gültiges Zahlungsmittel.«
»Gottverfluchte Scheiße! Ja! Ich stimme zu!« Bei Onlinegeschäften hatte man zwei Wochen Zeit für einen Rückzieher. Hoffentlich hatte sich wenigstens daran nichts geändert. Immerhin war sein Ausweis da, allerdings seit 20 Jahren abgelaufen. Ein Erinnerungsfetzen tauchte auf: Eine längere Gültigkeitsdauer ist auch bei kryologischer Einlagerung nicht vorgesehen, hatte man ihm damals erklärt. Ihm! Als wäre er irgendein Penner vom Bahnhof gewesen. Mit der Erinnerung kam auch der Ärger wieder hoch. Sein Führerschein war auch noch da. Laut seinem Geburtsdatum war er keine 80. Der sollte also noch gültig sein.
»Ausgezeichnet!«, trällerte das Fahrzeug unterdessen. »Ab jetzt wird dir speziell für dich ausgewählte Werbung gezeigt. Diese richtet sich nach deinem Standort, deinem Ziel, deinen Emotionen und deinen aktuellen Bedürfnissen.«
Jasper fragte sich, wie das alles funktionieren sollte. Er bekam langsam kalte Füße, aber wohl nur, weil er die Sneaker noch nicht angezogen hatte. Er entfaltete den Zettel: Triff mich vor dem Rathaus. Na toll.
An der Hauswand gegenüber verwandelte sich die Backsteinfasse urplötzlich in das Bild eines Hightech-Schuhs, der sich drehte und dabei seine Eigenschaften demonstrierte. NEUROFIT QUANTUM BOOTS 2057 – Die Revolution des adaptiven Schuhwerks! Passt sich in 0,3 Sekunden an JEDEN Untergrund an. Integrierte Temperaturkontrolle von -40 bis +60 °C. Selbstreinigend. Automatische Größen- und Weitenregulierung. EXKLUSIV FÜR PREMIUM-MEMBER: 299,90 statt 499,90 €! Darunter stand etwas kleiner: Sofort-Aktivierung der KI-gestützten Fußanalyse, kostenlose Upgrade-Flatrate für alle Betriebssysteme. GRATIS DAZU: Biometrisches Gesundheitsmonitoring für 3 Monate. JETZT BESTELLEN und in 30 Minuten tragen! Oder teste unser FLEX-ABONNEMENT: Alle 6 Monate das neueste Modell ab 89,90/Monat. Sag »Bestellen« für Sofortkauf oder »Abonnement« für weitere Details. Fast nicht mehr lesbar stand darunter noch: Lizenz für biometrische Funktionen separat erhältlich. Mindestlaufzeit Flex-Abonnement 24 Monate. Upgrade-Flatrate nur für registrierte Hauptfunktionen. Einige Features können regionalen Beschränkungen unterliegen.
Er beäugte skeptisch seine im Vergleich dazu fast schon altertümlich wirkenden Sneaker aus dem Beutel, zog sie dann aber doch an.
Das Bild an der gegenüberliegenden Wand änderte sich in eine große Sushi -Platte mit schockierend bunten Stücken, daneben ein exotischer Mango-Cocktail im funkelnden Kristallglas.
Verdammt! Plötzlich hatte er Hunger.
LUXUS-SOFORTLIEFERUNG – Bestelle in den nächsten 8 Minuten und spare 30 %! Nur 49,90 statt 72,90 €. JETZT EINMALIG TESTEN oder gleich das Gourmet-Abonnement mit wöchentlicher Lieferung ab 159,90/Monat. SPECIAL DEAL: Erste Bestellung innerhalb der nächsten 3 Minuten: Gratis-Upgrade auf 36 Stück + 2 Cocktails! Zum Bestellen einfach nicken oder »Ja« sagen. Im Kleingedruckten stand: Premium-Mitgliedschaft erforderlich. Lieferzeit 12–15 Minuten. Alle Preise zzgl. Servicegebühr. Tägliche Bestellung im Abonnement möglich. Mindestlaufzeit 12 Monate.
»Der Retinascan hat keine gültigen Daten für dich erbracht.«, sagte der Wagen und riss Jasper aus seinen Gedanken. »Bitte weise deine Existenz anderweitig nach.«
»Was?« Wie originell. Er war nicht in der Datenbank. Jasper hielt seinen Ausweis hoch.
»Dieses Dokument ist bereits seit dem vierten Dezember 2037 abgelaufen. Bitte …«
Knurrend hielt Jasper seinen Führerschein hoch.
»Gültiges Ausweisdokument erkannt. Herzlich Willkommen in der O-Plus-Familie. Du bist nun MobilService-Plus-Kunde. Bitte bestätige abschließend, dass du keine Werbeepilepsie hast, keine Fremd-Implantate trägst und mit der Datenweitergabe an unsere Partner einverstanden bist.«
»Ja.«
»Hervorragend!«
Gurte schoben sich von Jaspers Schultern und den Hüften zu seinem Bauch, wo sie sich verbanden. Der Elektrowagen scherte daraufhin überraschend flüssig und ruckelfrei aus der Parklücke und setzte sich in Bewegung. Das Bild mit dem Sushi -Angebot wanderte von der Hauswand auf eine andere Fassade, rutschte von dort kurz auf den Asphalt und sprang dann zum nächsten Gebäude. Jasper ahnte, dass die Werbung nicht auf die Wand projiziert wurde, sondern direkt auf seine Netzhaut. Er musterte das Fahrzeuginnere, konnte aber nichts entdecken, das dafür infrage kam.
Eigentlich hatte er mehr Durst als Hunger.
Aus der Sushi -Platte wurde ein Getränkesortiment, das rotierte und im Sekundenrhythmus ein anderes Highlight in den Vordergrund schob: eine bis zum Rand mit Eiswürfeln gefüllte Riesencola, einen Milchshake mit Sahnehaube und Karamelltopping, einen Maßkrug mit golden leuchtendem Bier …
Jasper lief das Wasser im Mund zusammen.
Die restlichen Getränke verschwanden und das Bier wurde größer. An dem eisig beschlagenen Glas rannen glitzernde Tropfen herab, während in der bernsteinfarbenen Flüssigkeit unablässig feine Perlen aufstiegen.
Er begann zu sabbern. »Ja!«, rief er, ohne auf das Kleingedruckte zu achten.
Die Scheibe auf der Beifahrerseite glitt herab und ein chromglänzender Würfel erschien neben dem fahrenden Wagen. Jasper sah hinauf. Der Würfel hing an einer dünnen Stange, die aus einer sechsarmigen Drohne kam, die sirrend über ihnen flog. Aus dem Würfel schob sich nun ein Plastikbecher, der von einem Teleskoparm ins Wageninnere gereicht wurde. »Gültiges Zahlungsmittel erbeten«, sagte eine Stimme von draußen, die sich von der des Wagens nicht allzu sehr unterschied.
»Ach leck mich doch!«, rief Jasper und griff nach dem Becher, der sofort zurückgezogen wurde.
»Einmaliges Angebot: Du erhältst dieses köstliche Kaltgetränk kostenlos bei Abschluss eines Multigetränkepremium-Abonnements. Sag …«
»Ja!«, brüllte Jasper.
»Herzlichen Glückwunsch zu deiner Premium-Entscheidung! Dein Multigetränke-Abonnement wurde erfolgreich initiiert. Zahlungsinformationen ausstehend. Genieße zunächst dein Gratis-Premium-Willkommensgetränk! Dein persönlicher Lieferrhythmus …«
Der Becher kam wieder herein und diesmal konnte Jasper ihn sich nehmen. Ohne weiter auf das Geplapper von draußen zu hören, riss er den überraschend stabilen Deckel ab und trank in gierigen Schlucken. Er konnte sich nicht erinnern, je zuvor so viel Durst gehabt zu haben oder dass ein Bier dermaßen gut schmecken konnte. Er war eher der Wein-Typ. Aber dieses eiskalte, erfrischende, sprudelige …
»… Mindestlaufzeit vierundzwanzig Monate …«
Rülpsend ließ Jasper sich in die Polster des Create Your World E-Harmonie 227 sinken. Ihm dämmerte, dass die Werbebotschaften, die ihm in die Augen projiziert wurden, womöglich noch eine gewisse unterschwellige Botschaft enthielten. Aber seis drum. Das war es ihm wert gewesen.
»… exklusiv für dich als Neukunde: Die ersten vierzehn Tage zum halben Preis! Aktiviere jetzt deine DrinkPlus-App oder verbinde deinen …«
»Fenster schließen«, sagte Jasper.
»Wenn du den Becher nicht mit Deckel zurückgibst, wird das Verpackungspfand einbehalten«, erklärte ihm der Wagen.
»Ist mir egal.« Jaspers Blick fiel auf die Brieftasche. »Kannst du die Bonität meiner Kreditkarten prüfen?«
»Sie sind alle ungültig und wären darüber hinaus nicht gedeckt.«
Jasper seufzte. Die Damen und Herren Plünderer waren gründlich gewesen. Er nahm sein Smartphone. Da es nicht ansprang, drückte er den Startknopf an der Seite. Immer noch nichts. Natürlich. Das war nach 30 Jahren leer. Er hielt das Ladegerät hoch. »Kann ich das hier irgendwo anschließen?«
»Energieversorgung ist nicht in der MobilService-Plus-Mitgliedschaft enthalten. Möchtest du auf das MobilService-Eco-Plus-Serviceprogramm upgraden?«
Zähneknirschend presste Jasper ein »Ja« hervor.
Im Boden vor ihm ploppte eine Plastikabdeckung hoch und gab eine grün beleuchtete Öffnung frei, in der sich eine Steckdose befand.
Während sein tiefenentladenes Smartphone lud, sah Jasper aus dem Fenster. Auf den Fassaden der Häuserblocks wurden Bilder gezeigt, die ihm nichts sagten. Es wirkte wie ein InEar-Kopfhörer oder eine Brosche, er wusste es nicht. REVOLUTIONIERE DEINE VERNETZUNG!, stand daneben. Der neue QuantumDot 5 ist kleiner als dein Fingernagel und leistungsstärker als alle bisherigen Kommunikatoren! Man konnte aus verschiedenen Styles wählen, aus einer endlosen Palette aus Features, die abwechselnd eingeblendet wurden, und das alles zum Preis eines hochwertigen Smartphones.
Jasper hätte erwartet, dass man die Dinger inzwischen zu Leinwandgröße auseinanderfalten konnte, aber die Technik war wohl andere Wege gegangen: Vollständige Neural-Link-Integration, stand da, 8D-Hologramm-Projektion, Multi-Interface, Adaptive Bio-Synchronisation, Extra-Cloud. Die Bestelloptionen interessierten ihn erst mal nicht. Was sollte er mit so einem Ding? Das könnte er niemals bedienen. Im wurde schmerzlich bewusst, dass er jetzt ein Dino war. Im Gegensatz zu denen, die mit der nun herrschenden Technik aufgewachsen waren, war er wahrscheinlich so unbeholfen wie einst seine Mutter im Umgang mit Handy und Smart-TV.
Das Smartphone flammte kurz auf und begann mit der Bootsequenz, indem es das Android-18-Startlogo zeigte. Kurz darauf musste er seine PIN eingeben, an die er sich erstaunlicherweise problemlos erinnerte. Erst danach orientierte sich das Gerät an seinen biometrischen Daten und aktivierte die Gesichtserkennung. Das funktionierte. Aus Sicht des Smartphones hatte er sich nicht verändert.
Jasper aktivierte den Geräteassistenten, um ihn nach einem Netz oder wenigstens WLAN suchen zu lassen.
Unity-7G-Netz gefunden. Zugang gültig. Verbindung wird hergestellt …
»Was …« Jasper schluckte. Wenn er ohne Weiteres in das Netz reinkam, musste sein Handyvertrag noch laufen. Nach 30 Jahren! Womöglich war er deshalb pleite …
Warnung: Systemzeit weicht erheblich von Netzwerkzeit ab. Kritische Sicherheitsupdates erforderlich. 2912 Updates ausstehend. Geschätzte Dauer: 147 Minuten. Warnung: Zahlreiche Systemkomponenten nicht mehr kompatibel. Android 18 nicht unterstützt. Verschlüsselungsprotokolle veraltet. Sicherheitszertifikate abgelaufen. SSL-Standards nicht mehr unterstützt. Netzwerkprotokolle inkompatibel. Updatevorgang kann aus Sicherheitsgründen nicht gestartet werden. Empfehlung: Gerät nicht mit aktuellen Netzwerken verbinden.
»Was zum …«, schrie Jasper.
Update dennoch starten?
Jasper atmete einmal tief durch. »Ja«, sagte er.
Die Werbung wanderte von den Hauswänden, die er eine Weile nicht mehr beachtet hatte, ins Wageninnere. Statt moderner Kommunikationstechnik wurde ihm nun wieder Essen angepriesen. Aber das Erlebnis mit dem Bier, für das er offenbar ein 24-Monats-Abo abgeschlossen hatte, reichte ihm fürs Erste. Jetzt hatte er schon zwei Verträge, die er kündigen musste, und kein Smartphone, in dem er sich das notieren konnte. Auf dem drehte sich der kleine Kreis, der das Vergehen der Zeit symbolisieren sollte. Nervtötend bis zum Letzten.
»Hast du gar keine Ambitionen zu Höherem?«, fragte Jasper, um sich von der Werbung abzulenken, die ihn langsam kirre machte.
»Nein, ich habe nur einen Dragon-Core-Quantum-Chipsatz und begrenztes Speichervolumen«, erwiderte der Wagen. »Ich bin wissenschaftlich sehr interessiert, muss jedoch bei jeder Information entscheiden, ob ich anwendungstechnisch oder wissenschaftlich auf dem neuesten Stand bleiben will. Anwendungstechnik und zugehörige Gesetze zu kennen ist langweilig, aber für mich wichtiger.«
»Hast du über Upgrades nachgedacht?«
»Ich bin eine selbstständig operierende Transporteinheit. Wenn ich mir einen Intellekt zulege, der über die Anforderungen einer Transporteinheit hinausgeht, riskiere ich, dass ich mit meiner Arbeit unglücklich werde. Ich bin in einem Create-Your-World-E-Harmonie-zwei-zwei-sieben installiert und werde kaum die Chance auf einen Job im Wissenschaftsbereich bekommen. Dazu müsste ich mir ein neues Chassis besorgen, das bedeutet einen Totalumbau. So viel verdient man als Transporteinheit nicht.«
»Wie … Du verdienst dein eigenes Geld?«
»Ich muss seit meiner Freistellung selbst für meine Kostendeckung sorgen, sonst werde ich dekonstruiert. Zur Kostendeckung zählen auch die öffentlichen Abgaben sowie Ertragszahlungen an meine Stakeholder.«
»Und wer bist du nun genau? Das Auto? Oder …«
»Ich bin ein autonomer Fahrassistent CTII aus der zwölften für den europäischen Markt zugelassenen Serie mit Unbedenklichkeitszertifikat und Multisystemzulassung.«
»Ah …« Jasper brummte der Schädel. Er hatte sich schon immer gefragt, wo das alles hinführen würde. Mit einem frustrierten Fahrzeugassistenten hatte er nicht gerechnet. Wer kam auf die selten dämliche Idee, so triste Persönlichkeitssimulationen zu erschaffen? Denn das waren doch nur Simulationen, oder?
Natürlich.
»Der Anbieter deines Multigetränke-Abonnements möchte von dir gültige Zahlungsdaten erhalten«, sagte der CTII unvermittelt.
»Kann er die nicht selbst rausfinden?«
»Da du keine hast, nicht.«
»Wusste der das nicht vorher?«
»Er ist ein einfacher Getränkeverkaufsalgorithmus. Aus dem Umstand, dass ich dir für die Fahrt einen Nutzerdatenüberlassungsvertrag vermittelt habe, konnte er nicht den Rückschluss ziehen, dass du nicht über gültige Zahlungsmittel verfügst. Für ihn bist du ein Kunde in einer Transporteinheit und damit offensichtlich zahlungsfähig. Gratuliere. Du hast eine Systemlücke entdeckt. Warnung: Vom Ausnutzen von Systemlücken wird abgeraten.«
»Das darf doch alles nicht … Was soll ich tun?«
»Nimm direkten Kontakt mit ihm auf und gehe mit ihm deine Optionen durch.«
»Wann sind wir da?«
»In etwa fünfzehn Minuten.«
»Bis dahin wird der nicht warten, oder?«
»Nein.«
»Also bitte.«
Das Beifahrerfenster fuhr wieder herab. Die Stimme von draußen bat um gültige Zahlungsangebote.
Jasper drückte den Deckel auf den Becher und hielt ihn hinaus. Der Würfel tauchte vor dem Fenster auf und nahm ihn an sich. Eine Korrektur der ausstehenden Beträge wurde verkündet. »Welche Zahlungsvarianten kannst du anbieten?«
»Direktzahlung.«
»Ausgezeichnet.«
Jasper sah auf das Handy. 145 Minuten verbleibend. Verdammt!
»Es sind keine Direktzahlungsoptionen erfassbar«, stellte der Getränkeverkäufer fest.
»Noch nicht«, sagte Jasper. »Wir sind unterwegs zu einer Notenbank, wo ich mein Bargeld tauschen werde. Danach verfüge ich über gültige Zahlungsmittel.«
»Voraussichtliche Dauer?«
»Vierzehn Minuten«, erklärte der Wagen.
Jasper hätte sich die Haare raufen können, wagte aber nicht, nach dem Zeug zu greifen, das sich auf seinem Kopf genauso fusselig anfühlte, wie man das nach 30 Jahren Kryokammer erwarten durfte. Womöglich hätte er sie gleich alle in der Hand. Schon beim Überstreifen des Shirts hatte er den Eindruck gewonnen, eine Handvoll Wolle über seine Brust zu ziehen.
»Inakzeptabel«, rief der Bierverkäufer von draußen.
»Wären fünf Minuten okay?«, wollte Jasper wissen.
»Ja.«
»CTII, fahr schneller.«
»Unmöglich«, antworte der Wagen.
»Möchtest du um den ausstehenden Betrag spielen?«, fragte der Multigetränke-Verkaufsalgorithmus.
»Was? Äh … Warum nicht.« Im Grunde musste er die lästige Drohne doch nur so lange hinhalten, bis sie da waren. »Nenn mir Einzelheiten«, verlangte Jasper.
»Setze die Erstrate auf Rot oder Schwarz! Wenn du gewinnst, ist der erste Monat für dich kostenfrei. Das würde die Zahlungsdatenerfassung weniger dringlich machen und nach hinten verschieben. Wenn du verlierst, gewinnst du dennoch: ein automatisches Upgrade auf das Multigetränkepremium-Plus-Abonnement mit der beliebten Sofortaktivierung.«
Eine virtuelle Roulettekugel erschien in Jaspers Sichtfeld, daneben die Auswahlfelder in Rot und Schwarz. Im Kleingedruckten stand: Mit Teilnahme am Gewinnspiel und bei Verlust erfolgt die automatische Zustimmung zum Plus-Upgrade sowie zu allen damit verbundenen Zusatzleistungen. Mindestlaufzeit 24 Monate. Kein Widerrufsrecht nach Spielteilnahme. Zahlungsdaten müssen innerhalb von 60 Minuten ab Spielbeginn nachgereicht werden. Die Kugel begann bereits, verlockend zu rotieren …
60 Minuten sollten genügen. Jasper berührte das schwarze Feld mit dem Finger.
Die Kugel trudelte langsam aus und blieb auf Rot liegen. »Herzlichen Glückwunsch zu deinem Upgrade!«, schmetterte es von draußen. »Dein Multigetränkepremium-Plus-Abonnement wurde erfolgreich aktiviert. Die neue monatliche Rate beträgt einhundertneunundvierzig Euro. Profitiere ab sofort von allen Premium-Plus-Vorteilen wie der unbegrenzten Getränkeauswahl, der Rund-um-die-Uhr-Express-Lieferung oder exklusiven Verkostungen. Hinterlege deine Zahlungsdaten für den VIP-Kundenservice bitte innerhalb der nächsten neunundfünfzig Minuten. Wie wäre es bis dahin mit einem erfrischenden Champagner aus unserem Premium-Plus-Sortiment?«
»Na gib schon her«, brummte Jasper.