Planet unter Eis und Feuer
„Seit Stunden laufen sie ziellos durch die eisigen Gänge und Kavernen. Bis auf das unheimliche Knacken und Knistern des umgebenden Eises ist es totenstill. Am Anfang ihrer Suche hatten sie noch die Hoffnung, Kai oder wenigstens einen der Transponder zu finden. Doch von dem riesigen Ex-Soldaten fehlt jede Spur und egal welchen Weg sie auch genommen haben, er führte sie immer tiefer in das unendlich erscheinende Eisfeld. „Werden wir hier jemals wieder lebend herauskommen?“, fragt sich Tarek immer wieder. Lian läuft stumm und mit ausdrucksloser Miene neben ihm her. Elenas Tod, der Anblick ihres vom Eis zermalmten Körpers, hat sie zutiefst erschüttert und ihr scheinbar den letzten Mut geraubt. Auch in Tareks Gedanken blitzen immer wieder die Bilder der zwei Stiefel auf, die kalt und starr aus dem Eisblock heraushingen. Wie eine Fliege versucht er, die Gedanken wegzuwischen, und schaut sich um.
Sie sind umgeben von Eis und Dunkelheit, die von den Lichtkegeln ihrer beiden Stirnlampen nur noch unzureichend erhellt wird. „Ist das Licht schwächer geworden, oder bilde ich mir das nur ein?“, fragt er Lian, bekommt aber keine Antwort. Still und ohne nachzudenken, läuft er weiter. Seine Beine finden automatisch den Weg, sein Geist hat schon lange abgeschaltet. Er bemerkt nicht, wie Lian irgendwann einfach stehen bleibt und sich in der absoluten Finsternis auf den Boden setzt. Während er weiter durch den schmalen Gang läuft, einem ungewissen Ziel entgegen, hat Lian aufgegeben und ihre Stirnlampe ausgeschaltet.
Sie stützt ihren Kopf auf die Arme und wartet. Wartet auf ein Wunder oder ein Ende, auf irgendetwas. Sie kann und will nicht mehr weitergehen. Alles erscheint ihr so sinnlos, hier unten. Tief in diesem eisigen Grab wird sie sterben, genau wie ihre Freundin und Kameradin Elena, das ist ihr in den letzten Stunden bewusst geworden. Müde schließt sie die Augen.
„Die Finsternis innen ist genauso undurchdringlich wie die Finsternis da draußen“, denkt sie. Wie in einem Kokon sitzt sie da und wartet. Ein Summen trifft auf ihr Ohr. Ganz leise und unterschwellig. Sie hört es zum ersten Mal. Vorsichtig öffnet sie ihre Augen wieder und nimmt im absoluten Dunkel eine Veränderung wahr. Aus einem der seitlichen Gänge kommt ein seltsames bläuliches Schimmern. Es durchdringt die Finsternis, mysteriös und magisch. „Fange ich an zu halluzinieren?“, überlegt sie seltsam uninteressiert.
Als der Gang sich verzweigt, hält Tarek an. „Was denkst du“, fragt er Lian, „wo sollen wir langgehen?“, doch wieder bekommt er keine Antwort. Fragend schaut er sich um, dreht sich einmal im Kreis.“