Der lebende Planet
„Die Stille ist unheimlich. Violette Blätter werfen im schwachen roten Licht undefinierbare Schatten, die durch die hohe Luftfeuchtigkeit verschwimmen. Die Urwaldriesen sind mit dichten Schlingpflanzen bewachsen, deren Tentakel rechts und links herunterhängen und einen gardinenähnlichen Vorhang bilden. Das sowieso schon schwache Sonnenlicht wird immer spärlicher, je tiefer sie in den Urwald eindringen. Automatisch springen in ihre Anzüge integrierte Leuchten an. Ahmed zuckt zusammen und bleibt plötzlich stehen.
„Habt ihr das gesehen? Da hat sich etwas bewegt!“, ruft er laut in die Stille. Nervös schauen sich alle um. Das Gefühl, beobachtet zu werden, wird immer stärker. Irgendjemand oder irgendetwas lauert zwischen den Bäumen. „Weiter“, flüstert Mira, und Ahmed setzt sich zögernd in Bewegung. „Da!“, ruft Natalia und zeigt nach links. Aber da ist nichts. „Ich bin mir sicher“, haucht sie, „dass sich dort etwas bewegt hat.“ Mira blickt unsicher in die Richtung. „Was sagen die Scans?“, fragt sie nach. Natalia schüttelt den Kopf. „Nichts, keine Wärmesignaturen.“ Zum ersten Mal meldet sich Dimitri, der bisher still mitgelaufen ist:
„Wir sollten weitergehen und uns nicht einschüchtern lassen. Selbst wenn hier etwas Unbekanntes lebt, ist es nicht das, was wir wollen? Kontakt?“ Mira muss ihm widerwillig recht geben. „Also gut, wir nehmen Proben von allen Pflanzen im Umkreis und dann zurück zum Shuttle!“ Nach zwei weiteren Stunden machen sie sich mit jeder Menge Pflanzenmaterial im Gepäck auf den Rückweg. Tierische Bewohner haben sie bisher nicht angetroffen, weder Insekten noch andere Spezies scheinen in diesem Wald vorzukommen. Trotzdem hatten sie das ständige Gefühl, belauert und beobachtet zu werden.“