Xmas Horror
Langsam schlug sie ihre Augen auf. Ihr Buch ruhte mit den Seiten nach unten auf ihr. Es passierte oft, dass sie beim Lesen einschlief, und jedes Mal zerknitterte sie so einige Seiten ihrer geliebten Lektüre. Vorsichtig legte sie es beiseite, schlüpfte in ihre Kleidung und ging langsam herunter.
Wie ferngesteuert zog es sie zum Fenster im Esszimmer. Von dort aus konnte sie auf den Garten blicken. Was sie erhoffte zu sehen, wusste sie nicht. Ihr Schneemann war unwiederbringlich zerstört. Selbst wenn eine ihrer Kusinen einen gebaut hätte, wäre es nicht ihrer gewesen. Denn ihrer war einzigartig gewesen und niemand hätte ihn so bauen können, wie sie es getan hatte.
Am Fenster stehend, blickte sie hinaus. Es fielen immer noch große Schneeflocken vom Himmel und die Bahnen, auf denen sie seine Einzelteile gerollt hatte, waren nicht mehr zu sehen.
Doch stattdessen blickte sie etwas Anderes an. Es war ein Schneemann. Aber es war nicht ihrer. Er stand genau an der Stelle, an der sie ihren errichtet hatte. Es konnte nicht ihr Schneemann sein, denn der, den sie sah, war hässlich und er besaß kein lächelndes Gesicht und keine einladenden Stockarme, um sie willkommen zu heißen.
Seine Arme sahen aus, als hätte jemand Tierknochen in den grauweißen Schnee gesteckt. Seine Augen bestanden aus zwei schwarzen Kohlestücken und sein Mund wurde aus braunen, dreieckigen Glasscherben zu einer entsetzlich verzerrten Fratze mit spitzen Zähnen geformt.
Sie bekam Angst, als sie den missgebildeten Schneemann betrachtete. Als sich ihr Vater zu ihr gesellte, fragte er, ob sie ihn gebaut hätte. Heftig schüttelte sie ihren kleinen Kopf. Wie konnte er denken, dass dieses Ungetüm von ihr war? Sie wusste nicht wieso, aber je länger sie ihn ansah, umso kälter wurde ihr.