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Cid Mattausch

Regen

Warten

Regen plätscherte auf die Terrassenfliesen und zerstoben in tausend kleine Tropfen. Ein seichter Wind trieb die dicke dunkelgraue Wolkendecke nur langsam voran. Der Geruch von nassem Holz stieg gemeinsam mit dem weißen Dunst aus dem naheliegenden Wald auf und verbarg die Senke im Nebel.
Ein Donnergrollen hallte über das Tal. Rayne zuckte zusammen, während sie eine Seite umblätterte. Sie saß, in eine Decke eingemummelt, in einem bequemen Stuhl unterhalb einer Überdachung, die einen Großteil der Terrasse vor Wettereinflüssen schützte. Vor ihr stand ein kleiner Tisch aus dunklem Holz. Der Duft von heißem Pfefferminztee gepaart mit dem Geruch des Waldes stieg ihr in die Nase. Das gesamte Tal roch nach Herbst, obwohl gerade Sommeranfang war.
Bedächtig klemmte sie ein Lesezeichen zwischen die Seiten ihres Buches und klappte es zu. Sie griff nach der Tasse. Bevor sie sie langsam an ihre Lippen führte, genoss Rayne die wohlige Wärme in ihren Händen. Vorsichtig nippte sie an dem heißen Getränk und ließ ihren Blick über den Wald schweifen.
Ihr Haus stand erhaben auf einem Hügel, dem Whispering Peak. Von dort aus konnte sie fast das gesamte Tal überblicken. Selbst der Blick auf den Pineflow River blieb ihr nicht verwehrt.
Rayne erhob sich und zog ihren Cardigan enger um die Schultern. Sie ging bis ans Ende der Überdachung, wo der Holzboden ein noch dunkleres Braun angenommen hatte.
Mit vor der Brust verschränkten Armen sah sie wieder hinunter zum Wald – Roland verspätete sich. Er war nach Greenwood ins Tal gefahren, um dort mit den wenigen Überlebenden Nahrung gegen Sprit zu tauschen.
Noch knapp drei Stunden, bis es dunkel werden würde. Wenn er es nicht bis zum Einbruch der Nacht schaffte, würde er die Stunden bis Tagesanbruch in einem der Bunker verbringen müssen. Bunker, die nicht ausreichend gesichert waren. Marode durch Jahre, in denen sie niemand instand gehalten hatte. Anders als ihr Haus, das bei Dunkelheit zu einer Festung wurde, auch wenn es nur wie ein modernes Holzhaus aussah.
Eine Windböe erfasste ihr schwarzes Haar, verwirbelte es. Die langen Strähnen, die ihr den Blick verdeckten, strich Rayne sich mit einer einzigen fließenden Bewegung hinters Ohr.
Noch einmal blickte sie in Richtung Tal. Spähte nach Bewegungen, lauschte nach Motorengeräuschen. Doch alles, was sie hörte, war das Plätschern des Regens und das Grollen des Donners.