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Cid Mattausch

Regen

Führerloses Auto

Sie folgte dem Bach und den Biegungen, die die Straße nahm, bis sie innehielt. Zwischen den Farben des Waldes sah sie die Umrisse eines dunkelblauen Fahrzeugs. War das ihr Land Rover? Ihr Puls stieg mit der Gewissheit.
»Das Auto«, flüsterte sie. Der Drang, einfach loszurennen, war groß, doch das durfte sie nicht. Wenn sich ein Feind in der Nähe befand, würde sie dessen Aufmerksamkeit erregen. Der Darwin-Award wäre ihr dann sicher gewesen.
Ihre Schritte wurden langsamer und vorsichtiger. Angestrengt lauschte sie in den Wald. Keine befremdlichen Laute, keine Schreie – nur der Regen und das Grollen des Donners.
Als sie das Fahrzeug erreichte, umrundete sie es zuerst. Die Motorhaube war dreckig, die Reifen trieften vor Matsch und die Tür auf der Beifahrerseite stand sperrangelweit offen. Was ihr allerdings Sorge bereitete, war die Tatsache, dass die Fahrertür eine Beule aufwies und die Scheibe eingeschlagen war. Auch das Heck war verbeult. Als wenn etwas dagegen geknallt wäre. Doch trotz dieser Tatsache gab es etwas Beruhigendes: Sie konnte kein Blut entdecken und der Schlüssel steckte nicht, also musste Roland ihn mitgenommen haben. Es gab auch keine Spuren auf der matschigen Straße, die auf einen Kampf hindeuteten. Doch es bestand die Möglichkeit, dass der Regen alle Spuren bereits beseitigt hatte.
Rayne lief zum Kofferraum und öffnete ihn. Er war voll beladen mit Benzinkanistern und Kisten. Sie öffnete eine und fand Medikamente, um eine Erkältung zu überstehen. In einer anderen Kiste waren ein paar abgegriffene Schallplatten. Als sie eine weitere öffnete, lächelte sie: Bücher. Es war ihm gelungen, Nahrung und Wasser gegen etwas Unterhaltung einzutauschen.
In welcher Zone stand sie gerade? Sie schloss die Augen und murmelte: »Zone Vier.« Dann warf sie einen Blick auf den Fahrersitz. Das Polster war zerfetzt und dreckig. Das war neu. Im Fach, das sich in der Tür befand, lag ein angebissener Weizenriegel. Wo hatte er den her?
Schnell schüttelte sie diese Frage beiseite. Es spielte keine Rolle. Wichtiger war die Erkenntnis, die sie daraus gewann. Er hatte Tauschgeschäfte in der Stadt durchgeführt und befand sich auf dem Rückweg, als ihm etwas gegen das Heck gedonnert sein musste. Er schmiss den Riegel in die Tür, brachte das Auto zum Stehen – auch wenn sie nicht wusste, warum er anhalten musste – und dann hatte sich vermutlich etwas gegen die Fahrertür geworfen. Als es das Fenster einschlug, flüchtete er durch die Beifahrertür. Währenddessen drang es ins Auto ein und zerkratzte das Polster. Ein Nachtschatten? Am Tag oder während der Dämmerung?
Schniefend sah sie in die Richtung des Waldes, in die er gerannt sein musste. Weg von dem, was sich im Auto befand. Mitten in den Wald von Zone Vier. Weit und breit gab es kein Blut. Hatte das Monster die Verfolgung aufgegeben, nachdem es in das Fahrzeuginnere gelangt war? Warum? Das ergab keinen Sinn und entsprach nicht ihrem Jagdverhalten.