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Erik Harlandt

Willkommen auf Gery

Leseprobe

Kapitel 1

Bäume! Wo kam der verdammte Wald her? Peters griff nach der Maschinenkanone, deren Munition er schwer im Ladebehälter auf seinem Rücken spürte, und beruhigte sich etwas. Sie spie fünfhundert Streupartikel pro Sekunde aus, eine alles vernichtende Wand, die jeden Gegner aufhielt. Mit dem Standbein und der langsameren Schusseinstellung konnte er noch in 1000 Meter Distanz Löcher in Gebäude fräsen, Fahrzeuge zerschneiden und ganze Landerverbände vom Himmel holen. Der harte Stahl des wuchtigen Laufs war der einzige Halt, den er im Moment hatte.
Wo waren sie? Wann? Es gab eine Bruchlandung. Und davor?
Die Hitze machte ihn fertig. Die Klimaanlage seines Anzuges war ausgefallen. Er schwitzte wie verrückt. Die Außentemperatur lag bei 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 100 und er hatte keine Ahnung, wo sie waren. Er sah dichtes Unterholz, wulstige und gefächerte Blätter, herabhängendes Geäst und Flechten oder so was, jedenfalls jede Menge Grünzeug. Niemand hatte ihnen Hintergrundinfos zu dieser Welt gegeben. Es gab nicht mal ein Briefing. Solche überstürzten Geheimkommandos kannte er bereits, aber wie lange sollten sie noch warten, bis der Truppführer loslegte? Solange sie keine Informationen über die Außenwelt bekamen, konnten sie die Anzüge nicht aufmachen. Immerhin funktionierten die Messgeräte noch. Sie konnten keine bakterielle Belastung der Luft feststellen, die somit atembar war. Druck und Gravitation hatten nahezu Erdstandard. Wo waren sie hier bloß? Bislang wurde noch nie eine bewohnbare Welt entdeckt, aber er wusste gar nicht, wie lange er diesmal weg war. Die Zeitanzeige seines Anzuges funktionierte auch nicht richtig. Verdammte Billigausrüstung! Eins hatte sich wohl seit dem letzten Mal nicht geändert: Fortuna war immer noch ein knauseriger Laden.
Man hatte ihn völlig unvorschriftsmäßig aus dem Kryoschlaf gerissen, ohne Aufwach- oder Erholungsphase, ohne medizinische Versorgung. Er wurde ohne weitere Erklärungen wie Frachtgut in einen Lander gesteckt. Benommen, desorientiert und wehrlos hatte er mit den anderen im Sitz gehangen. Seinen Kameraden war es vermutlich genauso ergangen wie ihm. Sie hatten kein Wort gewechselt. Einige konnten sich nicht mal aufrecht halten. Als über Funk Befehle gebellt wurden, setzte sich einer von ihnen auf den Pilotensitz, startete und schüttelte sie alle furchtbar durcheinander, bis sie unsanft aufsetzten, was wohl hauptsächlich der Automatik zu verdanken war, denn ihr Pilot war zu Boden gegangen. Wie sich herausstellte, war er ihr Leutnant.
Sie hatten ihn gemeinsam aus dem Lander geschleppt und sich durchs Dickicht geschlagen, um Abstand zu gewinnen, falls aufgrund des Aufpralls Treibstoff ausgetreten sein sollte. Aber statt zu explodieren, war das verdammte Ding einfach gestartet und verschwunden!
Peters Helmbelüftung dröhnte, um das Visier freizuhalten, das dennoch halb beschlagen war. Es war eine fantastische Welt: Dschungel, Atmosphäre, passende Gravitation! Hatten sie womöglich den ersten erdähnlichen Planeten entdeckt? Waren sie deshalb so überstürzt aufgebrochen? Gab es Konkurrenzdruck? Andere Konzerne oder Nationen, die dieses Paradies in Besitz nehmen wollten?
Die Kolonien, zu denen ihn seine früheren Einsätze geführt hatten, befanden sich allesamt auf unwirtlichen Monden oder kargen Felsbrocken, die entweder gar nicht oder nur langwierig terraformt werden konnten. Eigentlich war er auf dem Weg zu Katalina II gewesen, einer der äußersten Kolonien von Fortuna. Er ging davon aus, dass es eine Strafversetzung war, wegen seines letzten Leutnants. Dessen Führungsschwäche hätte sie fast das Leben gekostet. Sein Eingreifen hatte ihnen zwar die Ärsche gerettet, aber eine Belobigung gab es dafür nicht. Und nun war er hier, warum auch immer. Besser als Katalina II jedenfalls, wenn er nur irgendwann den verdammten Anzug aufmachen konnte! Irgendetwas an seiner Ausrüstung stimmte nicht, sie fühlte sich trotz des Gewichts, das an ihm zerrte, dennoch zu leicht an. Oder täuschte er sich da? Egal. Darum würde er sich später kümmern.
Laut seines Anzuges waren seit dem Start erst 30 Tage vergangen, aber das konnte nicht sein. Allein bis zur nächsten Kolonie dauerte es mit den interstellaren Kreuzern fünf Jahre, bis Katalina II 20. Hoffentlich stimmten wenigstens die Luftanalyseergebnisse.
Der Schweiß lief ihm in Strömen in den Kragen. Er war klatschnass und der steife Anzug scheuerte. Die Helmlüftung ging ständig an und aus, er war kurz vorm Durchdrehen. Unter normalen Umständen hätte er das Mistding deaktiviert, aber in diesem unbekannten und unwegsamen Gelände konnte er es sich nicht leisten, etwas zu übersehen. Es gab keinen festen Boden, nur ein Gewirr aus Luftwurzeln, Gesträuch, Totholz und kleinen Schlammlöchern, in die man besser nicht trat. Insbesondere nicht mit seinem Zusatzgewicht.
Sie standen um den Leutnant herum, der sich hingesetzt hatte, kaum dass sie ihn losließen. Er war bei Bewusstsein, schien aber weggetreten.
»Leutnant?«, sagte Peters.
Keine Reaktion.
»Sind Sie okay?«
War er offensichtlich nicht.
»Wir sind am Arsch«, jammerte der Sanitäter. Er war erstaunlich füllig für so ein Spezialkommando.
»Ruhe!«, sagte Peters und kniete sich neben dem Leutnant hin. Der Munitionstank mit der wuchtigen Maschinenkanone daran wackelte, sodass er sich an einer Luftwurzel festhalten musste. »Leutnant? Können Sie mich hören?« Er fasste den Mann an der Schulter und rüttelte ihn vorsichtig. »Sani!«, sagte er. »Tun Sie was.«
Keine Reaktion. Peters stand auf. In diesem Moment verfluchte er die verdammte Kanone auf seinem Rücken, die er sonst so liebte. »Sani! Sind Sie taub?« Er fixierte den Burschen, auf dessen Brust Modrow stand, Obergefreiter.
Der sah sich schockiert um, um sicherzugehen, dass er gemeint war. »Ich?« Er griff nach der Sanitätstasche. »Ach du Scheiße …«
»Reißen Sie sich zusammen, Mann!«, bellte Peters.
»Ich … Entschuldigen Sie. Ich bin einfacher Schütze. Die Tasche habe ich nur umhängen. Ich weiß auch nicht …«
»Sie sind kein Sanitäter?«
»Nein …«
»Hat hier jemand medizinische Kenntnisse?«, fragte Peters ruhig.
Niemand meldete sich.
»Wir sind ja so was von am Arsch«, jammerte Modrow wieder.
»Schnauze, Obergefreiter!«, sagte Peters scharf und beugte sich wieder zum Leutnant hinunter, wobei er sich auf den Knien abstützen musste. Er verzog das Gesicht. Ein schönes Bild gab er da ab, wie ein alter Mann!
Der Leutnant sah ihn an. Sein Visier war nicht beschlagen, er wirkte ruhig, schien nicht zu schwitzen. Er reagierte nur einfach nicht.
»Könnte das eine Gehirnerschütterung sein? Es hat ihn bei der Landung ziemlich hart erwischt.«
»Das war ja wohl mehr ein Absturz«, maulte Modrow.
»Obergefreiter! Wenn Sie nichts Hilfreiches beizutragen haben, halten Sie gefälligst den Mund!« Peters sah in die Runde. Offenbar hatte keiner eine Meinung zum Leutnant. Er überflog die Dienstgrade. »Na schön. Ich übernehme als Ranghöchster das Kommando«, knurrte er und nahm die Truppe in Augenschein.
Direkt vor ihm stand eine Frau, wie er durch ihr unbeschlagenes Visier erkannte. Ihr Anzug funktionierte. Er war neidisch. Obergefreite Ferrand. Sie hatte nur ein Kompaktgewehr, also vermutlich eine einfache Schützin.
»Was wird das denn jetzt?«, nörgelte Modrow.
»Wir sichten erst mal die Lage«, meinte Peters. Er durfte seiner Genervtheit jetzt nicht nachgeben. Dies war eine außergewöhnliche Situation.
»Das wird doch eh nichts, wir sind hier total am Arsch!«
»Nehmen Sie sich bitte zusammen, Obergefreiter«, versuchte Peters es nun ruhig und fast schon freundlich. Er betrachtete den Nächsten, einen blonden Burschen, dessen etwas zu lange Haare ihm schweißnass am Schädel klebten. Das Visier war teilweise beschlagen. Obergefreiter Brugger. Auch nur ein Gewehr.
Peters drehte sich zu den beiden hinter ihm um: Obergefreiter Marks. Gewehr. Na super. Der Mann neben ihm war immerhin Hauptgefreiter. Peters bemerkte das Pad in seiner Hand. Sie hatten wenigstens einen Ortungstechniker dabei.
»Was machen wir denn jetzt?«, quengelte Modrow schon wieder.
Peters hielt ihm wortlos die Hand entgegen. Solange sie die Helme noch aufhatten, war es sinnlos, lauter zu werden, damit machte er sich bei den anderen nur unbeliebt. Er konnte den Mann später immer noch nach Herzenslust anbrüllen. »Ich bin Unteroffizier Arne Peters. Ich war auf dem Flug nach Katalina II. Ich nehme mal an, wir alle. Oder? Hatte jemand ein anderes Ziel?«
Lega und Ferrand hoben die Hand. Damit war das schon mal vom Tisch.
»Ich wurde aus der Kryokammer gezerrt«, fuhr Peters fort, »anders kann man es nicht nennen. Sollte mich jemand instruiert haben, dann habe ich es nicht mitbekommen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Weiß jemand etwas über … irgendetwas?«
Wieder nur Schweigen und besorgte Blicke.
»Das ist doch gegen alle Vorschriften!«, ereiferte sich Modrow.
»Ich stelle Ihnen gleich den Funk ab!«, knurrte Peters und warf ihm einen wütenden Blick zu. Dann trat er aus der Mitte des Kreises und stellte sich so hin, dass er alle gleichzeitig sehen konnte. »Na gut. Gehen wir erst mal die naheliegenden Punkte durch. Lega? Haben wir Funkkontakt?«
Der Ortungstechniker zuckte zusammen und sah auf sein Pad, als würden dort Antworten auf ihre Fragen stehen. »Nein«, meinte er.
»Was sagt die Ortung?«
»Auch nichts. Nicht mal der Lander ist zu sehen, aber ich glaube, das dichte Blätterdach stört.«
»Sie glauben?« Peters schluckte seinen Kommentar runter. Irgendwas war hier oberfaul. Unqualifizierte Leute, schlechtes Material, lächerliche Truppzusammenstellung … Sah alles nach einem Eselkommando aus, das irgendjemandem sehr weit über ihnen von einem Konkurrenten untergeschoben wurde, um die Aktion zu sabotieren. Das passte allerdings nicht zur Entdeckung einer bewohnbaren Welt. Es sei denn … »Könnten wir auf der Erde sein?«
Ferrand richtete sich etwas auf. »Ausgeschlossen. Der letzte echte Wald verbrannte vor fast drei Jahrhunderten und seither ist es nicht gelungen, mehr als kleinere Haine innerhalb der Kuppeln anzulegen.«
Peters nickte. Das deckte sich mit seinen letzten Informationen. »Machen wir eine Bestandsaufnahme. Stellen Sie sich der Reihe nach vor.« Er sah Brugger an.
»Obergefreiter Tim Brugger, Schütze«, sagte der Blonde unerwartet zackig. Er nahm sogar Haltung an.
»Obergefreite Juli Ferrand, Raketenschützin und Biologin.«
Peters sah die zierliche Frau verwundert an.
»Man hat mir keine Raketen mitgegeben«, sagte sie entschuldigend.
Er hätte zu gern gesehen, wie dieses Leichtgewicht eine 30-Kilo-Lafette durch den Dschungel bugsierte. »Biologin? Das passt doch. Können Sie uns etwas zu all dem hier sagen?«
Sie hob die Schultern. »Ehrlich gesagt nicht. Normalerweise befasse ich mich mit Mikroben und Algen als Basis für Terraforming. So was wie das hier kenne ich nur aus der historischen Biologie. Soweit ich das bis jetzt sagen kann, handelt es sich nicht um irdische Pflanzen.«
»Viel wichtiger wäre mir«, brummte Peters, »ob wir es riskieren können, die Anzüge aufzumachen. Ich habe hier bislang kein Tier und kein Insekt gesehen.«
»Ich auch nicht!«, rief Modrow.
Ferrand sah überrascht aus. »Darauf habe ich noch gar nicht geachtet. Ich war mit dem Analysegerät beschäftigt, das nicht richtig funktioniert.«
»Hätte mich auch gewundert. Und? Was denken Sie?«
Sie hob wieder die Schultern. »Wir sind noch keine halbe Stunde hier. Gut möglich, dass es hier Fauna gibt, die von unserer Landung vertrieben wurde.«
Peters stöhnte. Wie gerne hätte er sich jetzt die Nasenwurzel gerieben. »Ich brauche eine Einschätzung! Können wir es riskieren?«
Sie öffnete ihren Anzug. »Die Luft ist okay. Warm, feucht, obwohl hier kein Sonnenstrahl durchdringt.« Sie hob die Hand und lauschte. »Kein Geräusch zu hören, nicht mal Rascheln der Blätter.«
Peters hielt es nicht mehr aus und machte seinen Anzug ebenfalls auf. Es kam ihm vor, als hätte er ein Dampfventil geöffnet. »Ahhh!«, seufzte er leise.
Alle bis auf den Leutnant und Brugger folgten seinem Beispiel.
»Ich überlasse es jedem selbst, den Anzug geschlossen zu halten«, sagte er mit Blick auf Brugger, der unentschlossen wirkte. Er kniete sich erneut zum Leutnant runter.
Der sah ihn mit leerem Blick an. Auf seiner Brust stand Sneyder.
Peters drückte auf den Knopf und Sneyders Helm klappte zurück. Der Leutnant verzog keine Miene.
Peters zog einen Handschuh aus und schnippte vor dem Gesicht des Offiziers mit den Fingern, aber der blinzelte nicht mal.
»Wir müssen ihn versorgen«, meinte er beim Aufstehen. »Aber beenden wir erst mal unsere kleine Vorstellungsrunde.« Er sah Marks an.
»Obergefreiter Paul Marks, Scharfschütze.« Er wies mit dem Daumen auf das Gewehr, das hinter seinem Rücken hervorlugte. »Ich habe aber nur eine Standardwaffe. Außerdem ist ein Scharfschütze im Wald so hilfreich wie ein Löffel bei einer Schießerei.«
Keiner lachte.
»Hauptgefreiter Nils Lega, Ortungstechniker.« Als Ortungstechniker war er neben der Fernaufklärung mithilfe seiner Anzugtechnik auch für die Drohnensteuerung und den Funk zuständig.
»Haben Sie eine Drohne?«, wollte Peters wissen.
»Nein, aber würde hier im Wald sowieso nichts nutzen.«
Weil Modrow nichts sagte, sah Peters ihn durchdringend an.
Endlich merkte der in jeder Hinsicht deplatziert wirkende Mann, dass er nun dran war. »Obergefreiter Matz Modrow, Schütze«, sagte er geradezu vorwurfsvoll, weil er wirklich nicht hierhergehörte.
Irgendwann würde er nach den Gründen fragen müssen, die jedem Einzelnen von ihnen diesen Trip eingebrockt hatten, aber Peters war noch nicht bereit dafür. »Und wie sieht es mit der Ausstattung aus? Nahrung? Munition?«
»Ich habe nur die Standardration in meiner Beintasche«, sagte Ferrand.
»Ich bin ebenfalls nicht vorschriftsmäßig ausgerüstet, Herr Unteroffizier«, sagte Brugger. »Nur eine Standardration, keine Reservemagazine, kein Medipack, kein Multifunktionswerkzeug, kein …«
»Schon gut, hab’s verstanden«, brummte Peters, löste den Gurt der Maschinenkanone und setzte sie ab. Dann durchsuchte er seine eigenen Taschen. »Auch nur eine Standardration.« Er nahm die Maschinenkanone in Augenschein. »Das Modell war schon alt, bevor ich das letzte Mal in die Kryokammer ging«, meinte er genervt. »Und der Tank ist nicht mal halb gefüllt!« Deshalb war das Ding so leicht, nicht mal 500 Schuss. Als Nächstes durchsuchte er den Leutnant. »Eine Standardration und ein Offizierspad.« Peters hielt es in die Höhe.
»Tolle Ausbeute«, murmelte Modrow kaum hörbar.
»Obergefreite«, wandte Peters sich an die Biologin. »Können Sie herausfinden, ob hier irgendwas essbar ist?«
Sie nickte zögerlich. »Ich werde es versuchen. Aber wie gesagt, meine Geräte funktionieren nicht richtig.«
»Lega, können Sie da helfen?«
Der guckte konsterniert. »Ich bin doch kein Techniker.«
»Doch. Sind Sie. Ortungstechniker.«
»Ja, aber ich benutze die Geräte doch bloß, ich reparier die nicht!«
»Jeder Ortungsfuzzi, den ich bisher kennengelernt habe, kannte seine Geräte und die Technik dahinter in- und auswendig«, zischte Peters. »Wieso Sie nicht? Als Hauptgefreiter sind Sie doch nicht erst seit gestern dabei!«
»Ich bin eigentlich einfacher Schütze und hatte mich für eine Forschungsmission beworben, bei der man Land zugesprochen bekommt, wenn ein bewohnbarer Planet entdeckt wird. Da wurde noch ein Ortungstechniker gebraucht, also habe ich einen Crashkurs verpasst bekommen.«
Peters starrte ihn mit großen Augen an. »Aber das sind doch Himmelfahrtskommandos! Bisher wurde noch nie ein bewohnbarer Planet entdeckt, nur Felsen, die erst noch terraformt werden müssen. Die Erkundungstrupps sind Jahrzehnte unterwegs und kommen in den meisten Fällen nie zurück!«
Lega zuckte mit den Schultern. »Ich hatte keine Wahl. Ich bin eine Kryowaise, da hat man nicht viele Möglichkeiten. Erkundung schien mir besser als Wachdienst auf einem Außenposten.«
»Kryowaise?«
»Meine Mutter wurde während des Kryoschlafs vergewaltigt und starb bei meiner Geburt. Mein Vater wurde als Vergewaltiger exekutiert. Im Waisenhaus muss man für seinen Unterhalt arbeiten, da ist keine Zeit für eine Ausbildung. Ich habe bei den Eignungstests nicht gut genug abgeschnitten, keine Firma wollte mich kaufen. Also blieb nur das Militär.«
Peters starrte ihn entgeistert an. »Seit wann kaufen Firmen … Waisen?«
»Seit Ende des letzten Jahrhunderts etwa. Und nicht nur Waisen«, sagte Ferrand.
Peters sah weg. Die Mannschaft sollte nicht sehen, wie sehr ihn diese Nachricht traf. Die letzten Male, als er wach war, hatte er sich nicht sonderlich für die Kurzzusammenfassungen der verpassten Zeit interessiert. Offenbar hatte sich die Welt nicht zum Besseren verändert.
Er legte sein Gepäck wieder an. »Suchen wir erst mal eine etwas bequemere Gegend. Modrow, Lega: Sie tragen den Leutnant. Sagen Sie Bescheid, wenn Sie nicht mehr können, dann wechseln wir.«
Peters ging zügig voraus, damit er eventuelle Beschwerden Modrows nicht hörte. Mehr konnte er dem Schwergewicht nicht durchgehen lassen, hielt die Umstände aber für denkbar ungeeignet für Disziplinarmaßnahmen.
[...]