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Erik Harlandt

Die Tankgeborenen (Eine Trilogie)

Kapitel 1

Die Impulskanone in seinen Händen wummerte Ladung um Ladung in die aus dem Raumschiff quellenden Aliens. Sie sahen aus wie gepanzerte Riesenspinnen und waren mit ihren übertrieben vielen Beinen rasend schnell. Die Ladeanzeige blinkte bereits, gleich ging ihm die Munition aus und die geifernden Monster kamen immer näher, hatten ihn eingekreist und fielen über ihn her …
»Ach, Scheiße!«, rief Lee lachend. »Ich hätte den Granatwerfer nehmen sollen.«
»Den hätte ich dir auch empfohlen.«
»Wenn ich mir von dir auch noch beim Spielen helfen lasse, hab ich ja überhaupt keinen Spaß mehr.«
»Das ist korrekt. Deine Entscheidung, es selbst zu versuchen, war richtig.«
»Alter Schleimer. Ich geh joggen. Im Wald.«
Flarin versetzte ihn in die gewünschte Laufumgebung. »Ich hätte ein paar neue Frauen für dich«, sagte er.
»Nein, danke.« Lee lief den schmalen Weg hinunter und nahm dabei Tempo auf. Er roch den feuchten Waldboden und hörte Vogelzwitschern.
»Ich hab ein Lernprogramm für dich ausgearbeitet, mit dem du dich für den Außendienst qualifizieren kannst.«
»Vergiss es.«
»Deine Weigerung, etwas an deiner Situation zu ändern, ist beunruhigend. Du solltest Ziele haben. Träume. Hoffnung. Du solltest deinen Score verbessern.«
»Hab ich nicht. Will ich nicht. Lass mich mit dem Quatsch in Ruhe.«
»Warum fürchtest du dich so sehr vor der Realität?«
Lee hielt inne. Er konnte Flarin nicht entgehen. Wenn sein Assistent eine Fährte aufgenommen hatte, blieb er hartnäckig. Er würde über kurz oder lang alles aus ihm rausquengeln, was er für eine fundierte Analyse benötigte, und ihm dann die Wahrheit an den Kopf werfen. Die Wahrheit, von der Lee nichts wissen wollte.
Letztlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Flarin es merkte. Dass er sein Geheimnis so lange vor ihm verbergen konnte, verdankte er einem Zufall: Jain, sein ursprünglicher Assistent, war wegen der Partnerschaft, die Lee mit Jola einging, freigestellt worden und hatte sich einen anderen Klienten besorgt. Nach der Beendigung der Partnerschaft bekam Lee dann Flarin zugewiesen und setzte erfolgreich durch, dass dieser die Daten von Jain nicht übernahm.
Lee hatte ein paar Monate rausschinden können, das war alles. Am besten beendete er es jetzt. »Weil ich nicht an die Realität glaube«, erwiderte er.
Flarin schwieg. Er brauchte keine Bedenkzeit, sondern machte Pausen nur aus didaktischen Gründen. Oder?
»Du hast das Basis-Schulprogramm durchlaufen«, stellte Flarin schließlich fest.
»Natürlich.«
»Aber du zweifelst die vermittelten Informationen an.«
»Teilweise.«
»Aus welchem Grund?«
Gute Frage. Lee war ein Tankgeborener. Er hatte keinen Zugang zu Informationen außerhalb der Alternative. Selbst dass er in einer Simulation lebte, wusste er nur, weil man es ihm gesagt hatte. Sein Assistent. Das Schulungsprogramm. Warum also glaubte er es nicht?
»Was du verspürst, könnte eine kollektive Information deiner Spezies sein, die bei der Erstellung des Trainingsdatensatzes für das Schulungsprogramm unbeabsichtigt mit hineingeraten ist.«
Lee blieb stehen. »Was soll das heißen? Dass ich recht habe und die Wahrheit nur nicht erkenne?«
»Das ist möglich.«
»Dann verrate sie mir.«
»Es ist eine Fehlinformation, die dich irritiert. Du musst sie aus dem Kopf bekommen, um dich der Realität stellen zu können.«
Lee lief wieder los. »Was soll ich denn deiner Meinung nach tun?«
»Beginne zunächst, mit dem Lernprogramm an einer Qualifikation für Außeneinsätze zu arbeiten.«
»Hör auf, mich zu bedrängen. Ich bin doch schon im Betreuungsprogramm.«
»Aber nicht deinetwegen, sondern um Elske zu unterstützen.«
»Ein Schritt nach dem anderen, klar? Keine Hetze.«
»Wie du wünschst.«
Lee war sicher, dass es hauptsächlich darum ging, ihn enger in das Punktesystem einzubinden. Wer sich dem Konsumgedanken entzog, passte nicht ins System und löste in Assistenten offenbar einen Korrekturwunsch aus. Letztlich stand das Glück des Einzelnen im Vordergrund und Lee war glücklich. Solange er keine Konsumentenpunkte benötigte, um spielen zu können, war seine Welt in Ordnung. Er hatte keinerlei Interesse an Konsum. Wen interessierte es, was für ein Outfit man innerhalb einer Simulation trug? Aber diese Ansicht blieb Flarin unzugänglich, dafür war dieses Programm einfach nicht gemacht worden.