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Beatrice Sonntag

Erstkontakt der anderen Art

Perlen vor die Säue - Beatrice Sonntag

»Professor!« Mik wiegte den Kopf zum Gruß.
Lubo und Kampi saßen am Küchentisch und saugten die Nährflüssigkeit durch ihre Nahrungstrichter. Ein lautes Schmatzen war zu vernehmen. »Professor«, antworteten beide.
»Ist noch was von der Plörre übrig?«
Lubo reichte Mik einen Beutel. »Hier, Professor. Ein ganz edler Tropfen. Nährflüssigkeit 7.4.5.«
»Das ist einfach die Beste«, raunte Mik, stürzte das fade Zeug in seinen Nahrungstrichter und rülpste laut.
»Habe ich heute Nachtdienst, Professor?« Lubo schaute sich in dem karg eingerichteten Raum um, als ob er die Antwort an den grellgelben Wänden der planetaren Forschungsstation ablesen könnte.
»Ja, Professor«, sagte Kampi.
Lubo seufzte. »Gab es irgendwas?« Er fragte beiläufig, so wie man sich einen guten Tag wünscht. Es gab fast nie etwas. Und wenn tatsächlich ein Asteroid gesichtet worden wäre, der eine Gefahr für die Erde darstellen könnte, dann hätten die beiden anderen ihn geweckt. Wenn es tatsächlich etwas zu tun gab, wurde die gesamte Besatzung gebraucht.
Die brenzligen Situationen konnten sie bisher an zwei Händen abzählen. Es war genau vierzehnmal passiert, dass sie ihre Forschungsobjekte auf der Erde vor einem herannahenden Asteroiden hatten schützen müssen, und jedes Mal hatte es vortrefflich funktioniert. Sie hatten alles berechnet, ihren Traktorstrahl ausgerichtet und es geschafft, dass die Menschheit nichts von der drohenden Gefahr mitbekommen hatte. Ihre Vorgängercrew hatte es da noch leichter, weil die Menschen damals noch nicht in die Sterne schauen konnten.
Für diese besonderen Gelegenheiten, bei denen es etwas zu feiern gab, hatten Professor Mik, Professor Kampi und Professor Lubo ein Ritual ersonnen, zu dem unter anderem der übermäßige Genuss von krallonischem Sekt gehörte. Dieser wurde in einem Sicherheitsschrank der Klasse 4 aufbewahrt, welcher sich nur mit den Nasenabdrücken von mindestens zwei Crewmitgliedern öffnen ließ.
Lubo ließ sich auf das Sitzmöbel sinken, das ebenso gelb war, wie alle Einrichtungsgegenstände, und blickte sehnsüchtig auf den Sicherheitsschrank.
»Denk nicht darüber nach, Professor«, ermahnte ihn Kampi.
Lubo seufzte noch lauter als zuvor.
»Ist dir ein Schnabelhamster über die Krakeldrüse gelaufen, Professor?«, neckte Mik.
»Es ist nur so langweilig«, beschwerte sich Lubo.
»Er hat Mölmö«, flüsterte Kampi in Richtung Mik, aber laut genug, dass Lubo ihn hören konnte.
Mölmö war das krabische Wort für Langeweile. Wörtlich übersetzt bedeutete es Sich-die-Nase-abschneiden-damit-endlich-etwas-los-ist.
»Mölmö?« Lubo schlug auf die Tischplatte. »Die Frage ist nicht, ob ich Mölmö habe, sondern warum ihr es nicht habt! Seit Wochen ist absolut überhaupt nichts geschehen. Nicht mal auf der Erde.«
Da hatte er recht. Die Entscheidung, die Regeln zu lockern und die Liste der Dinge, die gefeiert werden durften, zu erweitern, hatte der Crew sehr gutgetan. So hatten sie zum Beispiel eine Feier angesetzt, als ein paar Erdlinge an einem Ort namens Arizona am 18. Februar 1930 nach irdischer Zeitrechnung den Planeten Pluto entdeckt hatten. Von der krabischen Forschungsstation wussten sie natürlich nichts und auch nicht von der Mission der drei Professoren. Aber immerhin. Sie hatten den Himmelskörper gefunden und benannt. Pluto. Ein schöner Name.
Als 76 Erdenjahre später Pluto durch einen Beschluss der Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union vom Planeten zum Zwergplaneten degradiert wurde, hatte auf der Forschungsstation eine Art Trauerfeier stattgefunden, bei der Professor Mik und Professor Kampi ihren Kollegen Professor Lubo auf demokratische Weise davon überzeugen mussten, dass ein Abbruch der Mission nur wegen ein paar unbedeutenden Erdenwissenschaftlern und deren Überzeugungen nicht infrage kam.
»Die Umlaufbahn nicht völlig freigeräumt … So ein Unsinn! Der arme Pluto!«