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Sylvia Kaml

Daimonion: Federfarben

Kapitel 2 (Ausschnitt)

Secia saß alleine auf dem geblümten Sofa. Antaras Worte über die Ventose gingen ihr nicht aus dem Sinn und sie versuchte krampfhaft, eine Möglichkeit zu finden, Xayas Leid irgendwie zu mildern. Doch das schien unmöglich, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Mit einem Male flimmerte die Luft vor ihr und Rarr erschien in der Mitte des Raumes. Ihre anfängliche Freude wandelte sich in einen Schrecken. Er sah aus, als käme er aus einem heftigen Gefecht. Sein Gesicht war mit Schrammen und Schnitten übersät und die Kleidung wies klaffende Brandlöcher auf. Größeren Verlust an Energie schien er entweder nicht erlitten zu haben oder hatte sie sich nach einem Sieg zurückgeholt.

»Was ist passiert? Warst du in einem Kampf?«

Rarr nickte. Er ließ sich in seinen roten Sessel fallen und atmete erschöpft durch. Langsam, aber zusehends, heilten seine Verletzungen in der Umgebungsenergie des Neutralen Reiches, die zwar karg, aber noch immer deutlich nahrhafter war als auf der Erde.

Secia setzte sich quer auf seinen Schoß und strich ihm mit den Händen über die Wunden, um bei der Regeneration zu helfen. »Ich hörte, du wolltest auf die Erde, nachdem du bei Kara warst. Bist du Engeln begegnet?«

Er legte seine Hände an ihre Hüfte. »Auch. Ich war auf der Erde. Erst wollten mich Dämonen gefangen nehmen, dann wurden wir von Engeln überfallen.«

»Was?«

Rarr grinste breit. »Das ist eine echt verrückte und lange Geschichte. Ich konnte es selbst anfangs nicht glauben. Sie hatten sich extrem gut getarnt, sogar ihre Witterung war menschlich.«

»Die Engel?«

»Nein, die Dämonen.«

Secia blinzelte irritiert. »Ich verstehe nicht. Jedem vollendeten Dämon steht es frei, auf die Erde zu fliegen.«

»Es sind Abtrünnige. Sie verstecken sich vor dem Rat.«

Ein Blitz durchschoss ihren Körper und sie riss die Augen auf. »Was? Warum?« Mehr brachte sie nicht über die Lippen.

Rarr umgriff ihre Taille und zog sie dichter an seinen heißglühenden Oberkörper. Der Blick seiner feurigen roten Augen wurde ungewöhnlich sanft. »Weil die so gestört sind wie du. Sie beschützen Menschen dort unten.«

Secia stieß ein Keuchen aus. Ihr Herz schlug wild gegen den Brustkorb. Sie hatte so lange geglaubt, sie wäre die einzige existierende Dämonin, die so dachte. Sollte es noch mehr Zweifler geben? Ihresgleichen? Versteckt auf der Erde?

Rarrs Mimik wurde ernst. »Das ist noch nicht alles. Der Dämonenrat weiß davon, aber es wird geheim gehalten, damit es keine Schule macht. Sie werden gesucht und gejagt, selbst von den Engeln. Daher verbergen sie sich gut. Ich bin ihnen nur durch Zufall begegnet. Sie haben mich nicht schnell genug erkannt, wahrscheinlich aufgrund meines geringen Alters.«

Secia blinzelte irritiert. »Wie kann man so etwas geheim halten? Fällt es nicht auf, wenn jemand im Klan fehlt?«

»Kennst du jeden aus deinem Klan oder weißt, wo er sich herumtreibt?«

Secia schüttelte den Kopf. »Nein. Aber ich interessiere mich auch nicht wirklich dafür.«

Rarr schmunzelte. »Die wenigsten Dämonen sind sonderlich sozial, das nutzen die Klanführer sicher aus. Wenn nach wem gefragt wird, heißt es wohl, er hätte einen Auftrag auf der Erde, bis keiner mehr an ihn denkt.«

Secia nickte. Es stimmte. Auch für sie selbst hatte niemand einen Suchtrupp losgeschickt, obwohl das Verschwinden einer Unvollendeten zumindest den Lehrmeistern auffallen musste.

Sie erinnerte sich an Sorecs seltsames Verhalten damals bei ihrer Anhörung. Er warnte sie davor, abtrünnig zu werden. Hatte der Dämonenrat das befürchtet und daher keinen Alarm geschlagen?

Sie sah auf. »Hast du sie bekämpft?« Der Klumpen in ihrem Magen verhärtete sich. Sie dachte schließlich ähnlich wie diese Dämonen und entgegen Rarrs Idealen.