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Sylvia Kaml

Daimonion: Essenz

Kapitel 1

»Steh auf!« Die Stimme des Meisters klang erbost, doch die Enttäuschung, die Secia deutlich aus Goreds Tonfall heraushörte, traf mehr als jeder Hieb zuvor. »Ich verspüre keinerlei Lust, heute Abend deine Überreste von den Steinen kratzen zu müssen.«

Mühsam stemmte sie sich vom Boden hoch, ein Stöhnen unterdrückend. Noch balancierend sah sie aus den Augenwinkeln Goreds Stab auf sich zurasen. Sie versuchte auszuweichen, doch der schmerzhafte Schlag gegen die unteren Rippen ließ sie erneut stürzen.

Der mächtige Dämon stand über ihr und betrachtete sie mit abfällig verzogenem Mund. »Wenn du fällst, dann musst du so schnell wie möglich wieder auf deinen faulen Füßen stehen«, brüllte er. »In einem Kampf gegen die Engel wärst du schon nicht mehr unter uns.«

Secia biss die Zähne zusammen und sprang mit einem beherzten Satz auf die Beine. Sie blies sich die schwarzen Haare aus der Stirn, doch ihr Kopf blieb gesenkt. Die Schmerzen wichen einer unsäglichen Frustration, die ihren Brustkorb einengte und ihr die Luft zum Atmen raubte.

Gored schwang den Stab erneut. Diesmal war sie vorbereitet. Sie wich dem Hieb geschickt aus und konterte mit einem gezielten Schlag. Ihre Handkante traf gegen die Kehle des Meisters.

Das Funkeln in seinen goldgelben Augen erlosch und er rang keuchend nach Luft. Dann nickte er anerkennend. »Sehr gut!« Sein Lächeln ging in ein Grinsen über und die vertikalen Pupillen weiteten sich, dass sie beinahe rund erschienen. Secia erstarrte.

Gored holte aus und sie erkannte entsetzt das gefährliche weißglühende Leuchten auf der Handfläche. Ein Energiestrahl!

Sie warf die Arme vor ihr Gesicht und setzte ihre gesamte Kraft in die Erschaffung eines Schilds. Kurz darauf blendete sie grelles Licht und ein unangenehmes Kribbeln fuhr in mehreren Wellen über ihre Haut, doch der Schutz hielt. Gored ließ ihr keine Atempause und holte erneut aus.