Deep Black Box
»Nein.«
»Wie bitte?«
»NEIN«, sage ich lauter.
Im Raum wird es still.
Zwei Dutzend Augenpaare lösen sich verstohlen von ihren Tellern und wandern zu mir. Sauté vom Kalbsbries, pochierte Austern, Velouté von Gartenkräutern – all das wird gerade zur Nebensache. Der Abend verspricht, eine pikantere Zutat zu bekommen.
Mich.
Ich trage ein hautenges schwarzes Cocktailkleid, wie gemacht für meine Kurven. Und knallroten Lippenstift. Ein primitiver Appell an die männlichen Urtriebe. Funktioniert immer.
Und da sitze ich nun mit der Anziehungskraft einer Sonne am Tisch eines Restaurants mit absurden Preisen und mache mich durch ein einziges Wort unerreichbar für mein Gegenüber. Die Gesichtszüge des Mannes mit dem Hollywood-Lächeln zeigen, wie sehr er mit meiner Reaktion gerechnet hat.
Gar nicht.
Gleiches gilt für den Virtuosen mit der Geige, der gerade noch neben unserem Tisch stand und sich nun mit leisen Schritten und einem unbehaglichen Räuspern aus dem Kerzenlicht zurückzieht.
Ich blicke dem Mann mit dem Hollywood-Lächeln fest in die Augen. Das Kästchen aus Samt mit dem glitzernden Inhalt schiebe ich über den Tisch in seine Richtung, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Toxische Ruhe breitet sich im Raum aus.
»Ähhh, okay. Das… das stand nicht bei mir auf dem Zettel«, sagt der Mann mehr zu sich selbst als an mich gerichtet. Er nimmt einen tiefen Zug aus seinem Weinglas, um die Stecknadelstille zu überbrücken. »Verrätst du mir auch warum?«
Ich streiche eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. »Die Erklärung wird dir nicht gefallen.« Natürlich will er sie trotzdem hören und zum ersten Mal an diesem Abend hört er mir wirklich zu.
Was jetzt kommt, nenne ich den Ikarus-Moment. »Du bist ein egozentrisches Arschloch«, sage ich laut genug, dass es jeder im Raum hören kann. »Ich sage nein, weil mich deine selbstverliebten Monologe langweilen. Ich sage nein, weil du beim Ficken die Tennissocken anbehalten willst und deine Zungenküsse nach Knoblauch schmecken.«
Ich vermenge weitere pikante Details und walze sie zu einem Teig, gespickt mit Peinlichkeiten aus.
»Aber Sarah, jetzt…«
»Ich bin dran mit reden«, schneide ich ihm das Wort ab. »Ich sage nein, weil eine Oldie Sammlung von David Hasselhoff das Erträglichste in deiner Musiksammlung ist. […]