Krampus in Love
„Wir hörten von einem... Krampusnotfall“, sagt der Mann, der an den Schläfen bereits ergraut und wohl Novas Vater sein muss.
Die Vorstellung ist schon vorbei, weshalb ich leider seinen Namen und den seiner Frau nicht mitbekommen habe.
„Ja, das könnte man als Notfall sehen, in der Tat“, sagt mein Vater und reicht dem anderen Mann die Hände.
Ich bin froh, dass die beiden schon einmal miteinander klarkommen, doch ich bleibe trotzdem in meinem Deckenversteck. Ma und Novas Mutter unterhalten sich ebenfalls, was den Fokus von mir ablenkt. Gleichzeitig klebt mein eigener Blick schon wieder an Nova, die in meinen Augen von Sekunde zu Sekunde besser aussieht. Ihre bunten Haare, ihre Augen, ihre pink angemalten Lippen... sie sieht bunt aus und ist garantiert überaus charakterstark. Darauf komme ich, weil sie absolut selbstbewusst im Raum bei ihrer Familie steht und keine Scheu hat, alle neugierig anzuschauen. Ihr Blick bleibt erneut an mir haften und ich verstecke mich wieder, während mein Herz beginnt, bis zum Hals zu klopfen.
Da setzt sich Nova in Bewegung und kommt auf mich zu. Sie streckt ihre Hand aus und entzieht mir die Decke. Ihre Familie und auch sie bleiben völlig gefasst, was mir zeigt, dass es nicht ihre erste Begegnung mit einem Krampus sein kann. Ihre Augen gleiten über mich und ich schließe meine, aus Angst vor ihrer Meinung.
„Du bist das. Dachte ich mir doch, dass an dir etwas Besonderes ist“, sagt sie leise an mich gewandt und besieht sich neugierig meinen Krampuskörper, bis ich mich trotz des Fells so fühle, als wäre ich nackt.
Ich sage nichts, weiche nur ihrem Röntgenblick aus, bis sie die Decke wieder über mir fallenlässt. Meine Nervosität lässt kaum nach, mein Herz schlägt schnell in meiner großen Brust und meine plumpen Krampushände sind ganz schwitzig. Doch es kommt noch schlimmer, denn die Erwachsenen fangen nun an, über meine Lage zu sprechen.
„Ich habe ja schon viele Krampusgeschichten gehört. Aber dass ein Krampus auch außerhalb des fünften Dezembers existieren kann, ist mir neu“, sagt Novas Vater.
„Bei mir und meinem ältesten Sohn war es mit einer Verwandlung im Jahr getan. Damians Fall ist ungewöhnlich.“
Super. Ich bin also ein Sonderfall, ganz klasse. Das ist genau das, was man in der Pubertät und als jüngstes Geschwisterkind hören will.
„Wie können wir helfen?“, fragt Novas Mutter mit einem vorsichtigen Blick zu mir, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob sie sich vor mir fürchtet.
„Das liegt bei Damian. Normalerweise reicht es aus, wenn man Zeit mit der Angebeteten verbringt.“
Er hat nicht wirklich Angebetete gesagt, oder?, denke ich schockiert und peinlich berührt zugleich.