Der Erste von Baduras
Ein einzelner Wanderer ging seines Weges auf dem gerade mal Platz für eine Kutsche bietenden Pfad, der sich durch den Wald schlängelte.
Die meisten Leute vermieden den Durchgang. Von Über-fällen war seit geraumer Zeit die Rede. Nicht, dass er vorher sicher gewesen wäre, doch häuften sich derzeit solcherlei Vorfälle und einige Menschen waren spurlos verschwunden. All diese Gerüchte schienen Endimion allerdings nicht wei-ter zu bekümmern.
Seit zwei Tagen reiste er nun schon durch den Ferolas Wald, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Lediglich ein paar Wölfe, die jedoch auf Distanz blieben, und etwas Wild, wovon so manches abends auf seiner Feu-erstelle landete, hatten seinen Weg gekreuzt. Wenn alles nach Plan verlief, sollte er den Wald vor Einbruch der Dämme-rung hinter sich gelassen haben. Da sein Ziel aber noch weiter entfernt lag, würde er wohl die Nacht in dem kleinen Dorf Trundas verbringen müssen. Sofern man zahlen konn-te, war es durchaus üblich, dort einen Schlafplatz sowie eine Mahlzeit von den Bauern zu bekommen. Nach Tagen unter freiem Himmel schien dies auch nicht der schlechteste Ge-danke. Es war schon eine Weile vergangen, seit er das Dörf-chen zum letzten Mal durchquert hatte. Er erwartete aber nicht, dass sich viel in dem kleinen Ort verändert haben mochte, der am südlichen Rande des Waldes lag. Die Men-schen dort waren einfacher Natur und beäugten alle Frem-den sowohl mit einem misstrauischen als auch mit einem freundlichen Auge. Nur dass es sich mehr um das Geld der Gäste handelte, das gerne gesehen wurde.
Endimion fiel auf, dass es unnatürlich still um ihn herum geworden war. Irgendjemand, oder irgendetwas, schien selbst die kleineren Bewohner des Waldes zu verängstigen. Da er jedoch nicht das Gefühl hatte, beobachtet zu werden, kümmerte ihn dies nur wenig. Ohnehin konnte man ihn nur schwer erspähen. Ein langer grau-grüner Umhang umhüllte ihn und bot ihm sowohl Schutz vor Wind und Wetter als auch vor allzu neugierigen Blicken. Zuerst sehr leise, dann immer lauter, konnte er Stimmen und Gelächter vernehmen. Eine größere Gruppe hatte unweit des Weges ihr Lager aufgeschlagen. Endimion hielt einen Augenblick inne und horchte etwas genauer hin. Er verfügte über ein außerge-wöhnliches Gehör und vermochte so bereits einige Wortfet-zen herauszuhören. Er begann, sich ein Bild der Lage zu machen, auf die er fast lautlos zuschritt. Auch hatte er die andere Gruppe bemerkt, die außerhalb der Sichtweite des Lagers der Menschen auf der Lauer lag. Was er hörte, brach-te ihn zu dem Schluss, es müssten Menschenhändler sein. Endimion hatte wenig für Leute übrig, von denen er erwar-ten musste, sie würden versuchen, ihn auszurauben oder gar zu ermorden. Deshalb wollte er beide, Jäger wie Gejagten, umgehen. Doch dann schnappte er etwas auf, das ihn erneut innehalten ließ. Er schlich sich an zwei der Männer heran, die in der Nähe des Weges Wache halten sollten. Es erschien zwar eher ausgeschlossen, dass jemand in die Arme der lautstark kampierenden Truppe laufen würde. Das kümmer-te Jasuf und Dürkan allerdings nicht weiter. Sie saßen, mehr schlecht als recht versteckt, in einem Gebüsch, das die meis-ten seiner Blätter bereits dem Herbst geopfert hatte. Auf einem Schiff waren sie aus dem fernen Süden gekommen. Gemäß dem Plan ihres Anführers wollten sie den Weg durch den Ferolas Wald nehmen, um möglichst ungesehen ihrem Geschäft nachgehen zu können.