Die Macht der Chulkrot
Aus dem Unterkapitel: GESTRANDET
Vynga schob sich einen Energieriegel in den Mund und begann, langsam darauf zu kauen. So ließ sich nicht nur ihr Hunger besänftigen, sondern auch ihre Nervosität eindämmen.
"Die Geschwindigkeit der PARAMUR beträgt nur noch 17.421 Licht", aktualisierte die Bord-KI ihre minütliche Meldung.
Die Luft in der Zentrale schien zu knistern. Bald würde sich zeigen, in welches System der Sonnentunnel sie führte und ob eine Rückkehr möglich war. Sie sah sich um. Es gab keinen, der dem Ende dieses Tauchgangs mit Ruhe entgegensah. Selbst Jewon wirkte angespannt. Seine Hände lagen zu Fäusten geballt auf den Armlehnen des Kontursitzes, während er den Oberkörper, so weit es die energetischen Gurte zuließen, dem großen Holoschirm entgegenstreckte. 'Es fehlt nur noch, dass er die Zähne fletscht', dachte sie. 'Dann würde er einem Raubtier ähneln, dass sich bereit macht, einen Gegner anzuspringen.'
Weitere fünf Minuten vergingen. Die PARAMUR bewegte sich nur noch mit 11.989 Licht durch den Sonnentunnel. Das waren fast 2.000 mehr als die in den regulären Tunneln erreichbare Höchstgeschwindigkeit.
"Volant!", rief Jewon unvermittelt. Er gab seine Angriffshaltung für den Moment auf. "Könnt Ihr schon abschätzen, wann wir die Membran des Portals durchstoßen werden?"
"Wenn ich unsere Abbremsgeschwindigkeit durch den Einfluss des Tunnels richtig interpretiere, in etwa zehn Minuten", erwiderte der Pilot. "Aber ich weiß nicht, wie sich der Bremsvorgang kurz vor dem Austritt gestaltet. Das Abstoßfeld der PARAMUR hat unterhalb von 30.000 Licht keinen Einfluss. In einem normalen Tunnel hätten wir noch immer die Mindestgeschwindigkeit von 0,001 Licht.
Jewon gab ein bestätigendes Brummen von sich. Dann richtete er seinen Blick auf den Kommandanten. "Ich empfehle Euch, sofort die Alarmstufe 3 auszulösen."
"Da sind wir einer Meinung", bestätigte Borsan und drückte den Alarmknopf auf der Armlehne des Kontursessels.
Die Sirenen erklangen.
"Achtung!", übertönte die Stimme der Bord-KI den Alarm. "Auf allen Stationen! Der Tauchgang wird in wenigen Minuten beendet. Gurtet Euch an. Bringt Eure Bordkombinationen unter Verschluss!" Das wiederholte sie zweimal.
Schon beim ersten Aufruf folgte Vynga der Aufforderung. Zu oft war ihr in der Raumakademie erklärt worden, was für Auswirkungen ein Leck im Raumschiff haben konnte. Es war denkbar, dass man von blitzschneller Dekompression überrascht wurde, wenn ein Loch in der Schiffswandung groß genug war. Oder die ausströmende Luft riss einen ins All. Der Verschlusszustand ermöglichte es dem Träger, acht Stunden im Weltraum zu überleben. Kombiniert mit einem Raumanzug verlängerte sich diese Zeit auf zweiundfünfzig. In Gedanken malte sie sich weiter aus, was alles geschehen konnte, bis das Portal vor ihnen auftauchte.