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Jo Schuttwolf

ION

Log 1

Es ist Vollmond und hell genug zum Schreiben. Meine Augen haben sich daran gewöhnt, sind sogar noch besser geworden. Liegt wohl daran, dass ich viel in Höhlen mit wenig Licht schreibe. Das trainiert die Augen. Eine gute Nacht, um mit dem Schreiben anzufangen, oder besser wiederanzufangen. Meine alten Diaries haben diese verdammten Cyborgs geklaut oder sie sind einfach verbrannt bei dem Angriff neulich. Habe überlegt, ob ich überhaupt noch einmal anfangen soll. Aber ohne Schreiben fehlt was. Wie ein Eimer, wo man schwere Gedanken einfach reinkippen kann. Und für später, für die Nachwelt oder so. Ich möchte meine Erinnerungen nicht wieder verlieren. Dieser Vorfall damals hat fast alles gelöscht bei mir. Das Gift dieser Schlange hat mich völlig lahm gelegt, ich war wie tot und meine Erinnerungen waren weg. Inala und Djalu mussten mir fast alles neu beibringen, mir sogar sagen, wie ich heiße. Hatte ich glatt vergessen. Fuck. Egal. Da hatte ich mit den Diaries angefangen. Vor ein, zwei Jahren. Ich weiß nicht mehr so genau. Ich werde versuchen, einige Sache nachzutragen. Hier und jetzt. Mit dem neuen Logbuch.

Heute ist also „Log 1“ und ich halte Wache, weil ich Eulenaugen habe, wie Inala und Djalu sagen. Im Neben-raum, gut abgeschirmt und unsichtbar von außen, kokelt ein kleines Lagerfeuer mit Regenwürmern in der Pfanne. Looks funny. Manchmal krümmen sie sich, als ob sie noch leben. Ich checke die Umgebung, scanne alles auf Borgs. Ihre Laserguns blinken im Minutentakt. Das würde ich sofort sehen. Unter mir die toten Straßen dieser riesi-gen Stadt im Mondlicht. Nirgendwo sonst Beleuchtung. Ich bin im achten oder neunten Stock der ehemaligen ANZ Bank. Hier ist außer mir kein Mensch, glaube ich. Ich habe freie Sicht nach unten. Die Wand vor mir gibt es nicht mehr. Wurde mehr oder weniger komplett herausge-rissen oder gesprengt. Ein angenehm kühler Wind weht in dieser Höhe. Die Umrisse der Wolkenkratzer vor mir sehen aus wie ramponierte, verwilderte Riesen, denen man die Würde genommen hat. Und irgendwo da unten er-kunden meine beiden Freunde die Umgebung. Noch un-gefähr acht Nächte, dann ist das große Corroboree. Die Sonne geht bald auf. Gleich werden Inala und Djalu den Ruf des Kookaburra imitieren.
Und dann ist es endlich Zeit zum Schlafen gehen. Heute wahrscheinlich in irgendeiner Tiefgarage.