TRIS
Verdorrt und kahl lag die Landschaft unter ihr. Wenn sie in Richtung Westen sah. Im Osten war der Ozean, der sich in den letzten Jahrzehnten das Land mehr und mehr einverleibt hatte.
Die Sonne ging langsam unter und tauchte die Umgebung erst in oranges, dann in rötliches Licht. Ein leichter Wind kam auf. Sehr angenehm, denn tagsüber war die Hitze nicht auszuhalten. Schutzanzüge gab es für sie und die anderen nicht. Sie wurden zwar nicht direkt wie Gefangene behandelt, aber ihre elektronische Fußfessel sprachen eine unmissverständliche Sprache: Jeder Fluchtversuch wäre unmöglich und würde bestraft werden.
Tris streifte noch ein wenig auf dem erhöhten Gelände der alten Air Force Base umher, bevor sie sich gleich wieder in ihre Container-Zelle in diesem riesigen Stollen begeben musste. Dort würde ihr wie jeden Abend eine Kanüle in ihren Venenport gelegt werden, Vitaminzufuhr und Kontrollcheck ihres Gesundheitszustandes in einem.
Denn bald war es soweit. Ihr Brain Interface würde ein Reset bekommen. Der Chip in ihrem Kopf funktionierte nicht mehr richtig. Zumindest nicht mehr so, wie Zircon es vorschrieb. Eine ganz normale Prozedur, die in einem zeitlichen Abstand von fünf Jahren routinemäßig erledigt wurde. Aber in ihrem momentanen Zustand fühlte sich nichts mehr normal an. Zu viel war passiert in letzter Zeit und zu viel ungefiltertes Zeug blitzte plötzlich unter heftigen Kopfschmerzen in ihrem Bewusstsein auf.
Als die letzten Hooverbikes auf der früheren Royal Australian Air Base landeten, die jetzt das Zentrallager von Zircon war, machte sich Tris auf den Weg runter zu Stolleneingang 3a. Dort war ihr Container, den sie sich mit Lira teilte. Lira war zwar auch eine Gefangene, hatte aber keinerlei Ambitionen, die in Richtung Flucht gingen. Sie freute sich auf den Reset. Sie wollte wieder ein vollwertiger Cyborg sein. Anders als Tris. Von ihrem waghalsigen Plan, den sie seit Tagen immer wieder in Gedanken durchging, durfte keiner etwas erfahren.