Rakna
Die steinernen Wände wurden von wenigen Kerzen, welche in den Augenhöhlen aufgespießter Totenköpfe flackerten, erhellt. Es herrschte Totenstille, bis eine tiefe, durchdringende Stimme laut von dem Gestein widerhallte.
„Kein anderes Geschöpf, als ein Dämon, hat es je in diese Hallen geschafft. Zweifellos, Ihr müsst das Blutritual abgehalten haben! Ich hoffe, Ihr habt triftige Gründe, dass Dämonenreich mit Eurer Anwesenheit zu entehren!“
Eine weitere deutlich feinere und ruhigere Stimme war zu hören. Die Worte wurden so leise gesprochen, dass sie kaum zu vernehmen waren: „Ich bin hier, um Euch ein Angebot zu unterbreiten.“
Es ertönte das schrille, grausame Lachen des Dämo-nenkönigs und seine Stimme zitterte vor Hohn, als er ihr antwortete.
„Ihr glaubt, in der Position zu sein, mir etwas anbieten zu können? Ihr seid dümmer, als ich gedacht habe. Aber verratet mir, woher Ihr von dem Eingangsritual wisst. Ich möchte nicht noch mehr ungebetene Gäste hier haben!“ Er blies eine Wolke feuchten Atems aus seinen dürren, fleischlosen Nasenlöchern, während er die Augen zu Schlitzen verengte. Die klauenartigen Hände ruhten auf der Armlehne des mit schwarzem Samt überzogenen Throns.
„Ich habe meine Quellen. Doch seid versichert, es wird niemand folgen. Allerdings bin ich mir sicher, dass Euch dieses Angebot gefallen wird.“ Die fremde Person sprach mit solcher Bestimmtheit, dass das schreckliche Lachen des Königs sogleich erstarb. Sein Interesse schien geweckt worden zu sein. Nach einer kurzen Pause sagte er ernst:
„Was für ein Angebot habt Ihr?“
„Ich bringe sie zu Euch, und zwar lebend. Aber dafür werdet Ihr uns endgültig in Ruhe lassen!“
Erneut lachte der König laut und langgezogen, dabei warf er seinen hässlichen, gehörnten, Kopf in den Nacken.
„Meint Ihr etwa das Menschenkind?“, fragte er gackernd. Als der Fremdling jedoch nicht widersprach, willigte er ohne Einwände ein.
„Also gut, bringt sie mir und ich werde euch beiden die Freiheit schenken. Aber solltet Ihr scheitern, werden alle, die Ihr liebt, ein grausames Schicksal erleiden. Jenen wird der Tod wie ein Geschenk erscheinen.“
Zaghafte Schritte in Richtung Ausgang waren zu vernehmen, als die boshafte Stimme des Dämonenkönigs noch einmal durch den Raum schallte. Mit dem Klang der Stimme stoppte das Geräusch leichter Füße auf hartem Stein.
„Und denkt daran, Ihr werdet beobachtet!“