31ter Oktober
Verdammt ist das kalt, denkst du und gehst den dunklen, gepflasterten Fußweg entlang. Das welke, gefrorene Laub knirscht bei jedem deiner Schritte. Du ziehst deinen Schal enger. Seit einigen Tagen fällt das Thermometer immer wieder unter null Grad. Der Frost hat den Boden hart werden lassen und beschert dir eine Gänsehaut.
Wenn die Temperaturen weiter fallen, schneit es noch an Halloween, denkst du grimmig. Dein Atem steigt in weißen Wolken vor dem Mund auf und du beschleunigst den Gang. Das du gerade an dem örtlichen Friedhof vorbeigehst, macht diesen Spaziergang nicht wirklich einladender. Normalerweise fürchtest du dich nicht vor solchen Orten, aber heute jagt es dir aus irgendeinem Grund einen kalten Schauer den Rücken hinunter. Du lässt den Blick über die vielen viktorianischen Grabsteine schweifen. Sie ragen unregelmäßig aus dem Boden, wie die schiefen Zähne im Maul eines Monstrums. Nebelschwaden hängen in grauen Wolken zwischen den Bäumen und Ruhestätten der Verstorbenen. Das verwitterte Gestein ist von Moos überzogen und lässt diesen Teil des Totenackers altehrwürdig erscheinen. Einen Namen kann man hier schon seit langem nicht mehr lesen.
Diese armen Schweine. So ungeachtet und vergessen möchte ich nicht enden! Bibbernd willst du weitergehen, als das Kribbeln stärker wird und du dir unwillkürlich in den Kragen fasst. Dich überkommt das schaurige Gefühl, beobachtet zu werden. Es ist Zeit, schleunigst deinen Weg fortzusetzen. Doch ein schlurfendes Geräusch lässt dich abrupt innehalten. Erneut suchen deine Augen den Friedhof ab. Außer noch mehr Nebel ist nichts zu erkennen. Gerade als du dich abwenden möchtest, entdeckst du etwas Ungewöhnliches. Du hättest schwören können, dass ein Schatten zwischen den Gräbern hindurchgehuscht ist, direkt in deine Richtung. Das wird dir jetzt zu gespenstisch und du nimmst die Beine in die Hand. Deine Füße fliegen förmlich über den Asphalt, so hastig eilst du die Straße entlang. Erneut ertönt das Schlurfen hinter dir und du bleibst wie angewurzelt stehen. Die kleinen Härchen in deinem Nacken stellen sich auf. Deine Gedanken fangen an zu rasen. Du weißt, du solltest wegrennen, aber dein Körper gehorcht dir nicht länger. Jetzt ist das Geräusch ganz nah bei dir. Sofort ist klar – jemand ist hinter dir! Jemand oder etwas! Leben kehrt in deinen gelähmten Körper zurück und du erwachst aus deiner Starre. Allerdings ist schon so viel Zeit verstrichen. Was möchtest du also tun? Du willst hier weg? Dann laufe um dein Leben und rase auf Seite 9.
Du versuchst, deinen Verfolger zu stellen? Drehe dich auf Seite 11 um.
Du hältst dir vor Schreck die Augen zu? Bleibe auf Seite 13 stehen.