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Dunkelheit umgab ihn. Tiefschwarzes Nichts. Wo war er? Albert wollte sich aufsetzen, aber Gurte fesselten ihn ans Bett. Warum hatte man ihn fixiert? Durfte man das so ohne weiteres?
Er zuckte zusammen. Da war jemand in der Dunkelheit, der ihn beobachtete. Albert wollte den Fremden ansprechen, ihn fragen, wer er war, doch er brachte keinen Laut hervor, so sehr er sich auch bemühte. Das Nichts um ihn herum schien jedes Geräusch zu verschlucken. Er war nicht ängstlich, aber das war nicht normal. Während er versuchte, die Dunkelheit zu durchdringen spürte er, wie sein Herz schneller zu schlagen begann.
Da strich ein Luftzug über seine Arme. Etwas huschte auf ihn zu. Erschrocken wollte er aufspringen, aber die Fesseln machten das unmöglich. Erst ganz dicht über ihm stoppte es, lauerte, gleich würde es ihn packen, seine Klauen in ihn schlagen. Angstvoll wand er sich hin und her, versuchte, die Gurte zu lockern. Doch je mehr er sich bewegte, umso fester zogen sie sich um ihn.
Etwas drang in seinen Arm. Eine Nadel? Ein Messer? Wollte man ihn töten? Panisch schrie er, doch noch immer kam kein Ton aus seiner Kehle. Er fühlte keinen Schmerz. Offenbar wurde dieser durch die Unmengen Adrenalin unterdrückt, das heiß durch seine Adern schoss.
Verzweifelt versuchte er, wenigstens eine Hand zu befreien, um sich irgendwie verteidigen zu können, aber die Gurte saßen zu fest. Er war seinem Gegner hilflos ausgeliefert.
Jetzt spürte er etwas auf seiner Stirn. Er wollte es abschütteln, doch es schien an ihm zu kleben, sich festgesaugt zu haben. Die Berührung war eiskalt und unheimlich, wie der Kuss eines Toten. Es schien sich mit ihm verbinden zu wollen. Im nächsten Moment war es wieder verschwunden.
Oder …
War es jetzt in ihm?
Entsetzen packte ihn.
Weg hier!
Wild warf er sich hin und her. Irgendwie musste er sich befreien. Sein Puls raste. Beißender Schmerz jagte durch seinen Kopf. Sein Schädel vibrierte, als würden sich Tausende kleiner Insekten mit ihren scharfen Zangen einen Weg nach draußen graben. Immer heftiger zerrte er an seinen Fesseln, die jetzt schmerzhaft in seinen Körper schnitten. Das Vibrieren wurde stärker. Die Insekten sammelten sich, als wollten sie seinen Schädelknochen alle gemeinsam an der gleichen Stelle durchbrechen. Dichter und dichter rückten sie zusammen, formierten sich, bildeten jetzt eine neue Identität, die sich ausbreitete und ihn auszufüllen begann, ihn verdrängte, seine Seele zu erdrücken drohte.
Das durfte er nicht zulassen, doch dieses Neue wurde immer stärker und klarer, strahlte grimmige Entschlossenheit aus, ergriff mehr und mehr Besitz von ihm. Noch schien er die Kontrolle zu haben, aber so schnell, wie es wuchs, würde das nicht mehr lange so sein.
Mit aller Kraft zerrte er an seinen Fesseln, wand seinen Körper, dehnte die Gurte, so weit er konnte und endlich rissen sie. Panisch sprang er aus dem Bett und flüchtete in die Dunkelheit. Weg von den Fesseln. Weg von dem unheimlichen Ding. Aber konnte er vor etwas fliehen, das in ihm steckte?
Unvermittelt prallte er gegen eine Wand. Dann musste es auch irgendwo eine Tür geben. Hektisch tastete er sich an der Mauer entlang, spürte eine Kante, fühlte einen Schalter und schlug mit der flachen Hand zu. Gleißendes Licht flammte auf und blendete ihn.
Sein Herz raste. Er atmete heftig und war schweißüberströmt. Zitternd sah er sich um. Er war in seinem Krankenzimmer. Aber wie …? Er blickte auf das Bett. Da waren keine Fesseln.
Nur langsam begriff er. Mit eiskalten Fingern wischte er sich über die Stirn. Er hatte einen Albtraum gehabt. Es gab keine Bedrohung. Da war niemand anderer in seinem Zimmer und schon gar nicht in ihm. Erschöpft sank er zu Boden und spürte wieder das schmerzhafte Pochen in seinem Kopf.
Einen so schlimmen Albtraum hatte er noch nie gehabt. Aber seine Seele war auch noch nie in einen anderen Körper gewandert oder transferiert worden oder wie auch immer er in diese absonderliche Situation hineingeraten war.
Das lag alles nur an diesem vermaledeiten Chip, wie das die Professorin gesagt hatte. Es konnte gar nicht anders sein.
Widerstrebend tastete er nach der Erhebung unter seiner Kopfhaut. Dieses Ding hatte ihm nicht nur seine Identität geraubt, es versetzt ihn nun auch noch sinnlos in Angst und Schrecken. Am liebsten würde er sich dieses Bauteil aus dem Kopf reißen. Er fuhr am Rand der Erhebung entlang, konnte jedoch keinen Spalt fühlen. Die Abdeckung ging nahtlos in den Schädelknochen über.
Entmutigt lehnte er seinen Kopf zurück an die Wand. Das Ding zu entfernen war natürlich auch keine Lösung. Dann würde er nur wieder in totale Vergesslichkeit verfallen und sein jetziges Leben wäre vorbei.