← Zurück zum Buch
Jannis Pantelatos

Verwundet

Kapitel 1

Seelenschützin Murlana Garndaskov sah mit Verwirrung auf die Horden feindlicher Streitkräfte, welche sich durch den dichten Dschungel kämpften. Als sie vor knapp einem halben Jahr den Befehl zum Ausrücken erhalten hatten, war ihr gesamter Trupp Mors Recens begierig darauf gewesen, das Blut der Garulem Schweine zu vergießen. Keiner der Schreinskrieger aus ihrem Trupp hatte sich für den Dienst in einem Dämonenschrein ohne ernsten Grund entschieden. Sie selbst hatte ihren kleinen Bruder Kasperius an das Reich Garulem verloren. Kasperius, ihr jüngster Bruder, ein hübscher und kluger Junge, welcher schon im Mutterleib mit seinen Gedanken immer nach ihr ausgegriffen hatte, war vor zwanzig Jahren auf einer Handelsreise dem Krieg zum Opfer gefallen. Sie fragte sich noch immer, manchmal des Nachts, wenn sie an den sanften Geist ihres Bruders dachte, warum die Truppen der Maschinisten das kleine Handelsschiff überhaupt angegriffen hatten. Sie hatte damals angefangen, ihre Psionik in Richtung Gemeinschaft auszubauen. Ihr Praktikum im Krankenhaus war an dem Tag zu Ende gewesen, als sie den Tod ihres kleinen Bruders gespürt hatte. Er hatte in Todesangst nach ihr ausgegriffen. Sein Geist hatte die Distanz zu ihr mühelos überbrückt. Sodass sie bei ihm war, als er starb. Seit diesem Tag war nichts mehr so wie früher. Sie konnte sich kaum auf die Aspekte der Gemeinschaft und des Friedens besinnen, welche für das psionische Heilen und die gesamte Schule der Gemeinschaft so essenziell notwendig waren. Da war so viel Wut in ihr. So viel Wut und Zorn, dass es ihr Innerstes zu versengen drohte. Sie hatte all diesen Zorn nicht mehr ertragen können.