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Mario R. Dorian

Essenz der Rache

Prolog

Das Feuer knistert und wirft tanzende Schatten in die Dämmerung. Ein letzter Sonnenstrahl kämpft sich durch eine Lücke der Baumkro-ne, blendet mich. Viele Augenpaare ruhen auf mir, während ich mei-ne nächsten Worte sorgfältig abwäge.
Was kann ich ihnen erzählen? Was dürfen sie wissen? Würde es etwas an unserer Mission ändern, wenn sie mehr erfahren würden? Ich schließe die Augen für einen Moment, sammle meine Gedanken und beginne schließlich zu sprechen.
»Wir hätten es sehen können. Wir hätten eingreifen können, noch bevor etwas passiert wäre. Doch wir haben es ignoriert, es abgetan. Italienische Seismologen haben bereits Jahre vor den Ereignissen in Marseille Erschütterungen in ungewöhnlicher Tiefe – mehr als hun-dert Meilen unter der Erde – festgestellt. Das Seltsame daran war, dass diese Erdbeben nicht zufällig auftraten. Sie folgten einem Mus-ter. Die Berechnungen und Veröffentlichungen lagen auf dem Tisch, aber sie fanden nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätten. Im Nachhinein ist man immer schlauer.«
Ich öffne die Augen und sehe die Realität vor mir – jede Einzel-heit der Ereignisse, die sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt ha-ben.
»Rache«, sage ich und lasse meinen Blick über die versammelten Gesichter wandern, »Rache ist etwas Schreckliches. Sie kann ein An-trieb sein, obwohl sie oft mehr zerstört als erschafft. Trotzdem sind wir heute hier, um meinen Teil der Rache zu vollenden. Doch um zu verstehen, warum wir uns in dieser Wildnis befinden, lasst mich er-zählen, wie es überhaupt dazu kommen konnte …«