Twinsanity - Achroous (Akt 2)
Liebe. Ein seltsames Konstrukt aus Gefühlen, Emotionen und Erwartungen. Langsam, nahezu schleichend tritt sie in ein Leben. Erblüht, wächst und wird als das wertvollste Gut aller Zeiten angesehen.
Jeder empfindet sie anders.
Jeder sieht sie anders.
Die einen vergleichen sie mit einem sanften Sommerregen, der die Haut behutsam küsst, sie umschließt und ein angenehmes Prickeln hinterlässt. Andere sehen sie als Ritt auf einem wilden Bullen. Unzähmbar. Halsbrecherisch. Intensiv. Und doch werden sie von dem entstehenden Dopamin und Adrenalin abhängig, wie Junkies von einer beschissenen Spritze.
Einige suchen sogar nach Bindungen, die brüchiger sind, als ein verrosteter Eimer, der Jahrzehnte in der Witterung verharrt hat. Löchrig, verbeult und voller Narben der Vergangenheit den sie versuchen zu heilen. Sie investieren Zeit, opfern sich und ihr eigenes Leben. Kleben, basteln und hoffen. Bestehen darauf, dass hinter jeder Hässlichkeit etwas Wundervolles wartet. Bereit aufzublühen, zu wachsen, zu heilen. Sie geben alles und gleichzeitig nichts, denn ein kaputter Eimer ist nur eins – kaputt.
Und dann gibt es die Menschen, die verstanden haben, was Liebe wirklich bedeutet. Denn um Liebe zu verstehen, muss man sie einmal erlebt haben, um zu begreifen, dass es keine größere Qual als diese gibt.
Liebe ist nichts als eine Illusion. Eine Lüge. Ein tödliches Gift, welches sich in jede einzelne Nervenbahn frisst und sie in vernichtenden Flammen aufgehen lässt. Sie ist wie ein Wurm, der sich in einem Herzen einnistet, es zum Hüpfen und Zucken bringt, und es in Wirklichkeit langsam und qualvoll von innen auffrisst. Und wenn von dem Herzen nichts als blutige Fragmente übrig sind, wandert er weiter, tief in die Abgründe einer Seele. Er hinterlässt Spuren der Schwermut, schändet jeden Millimeter davon, bis er schließlich erneut in Flammen aufgeht und nichts als verbrannte Asche zurücklässt. Und während die Glut langsam unter den Tränen der Verzweiflung erstickt, steigt der vergiftete, kalte Rauch allmählich hinauf in den Verstand und verschleiert ihn bis zur völligen Benommenheit, bis alles in einem bleiernen Nebel verschwimmt.
Liebe erblindet sehende Augen.
Sie bringt nichts hervor als erbarmungslosen Schmerz.
Sie erweckt das Beste in einem Menschen, um es gnadenlos zu zerstören.
Liebe ist nichts weiter, als die unumgängliche Vorstufe von reinem, abgrundtiefem, ehrlichem Hass.