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Raunegger Benjamin

Die Falschanklage

Kapitel 2

Peter hatte seit über einer Stunde allein im Vernehmungsraum gesessen. Der Raum war karg, die Wände grau, das Licht grell und erbarmungslos. Immer wieder wanderte sein Blick zur verspiegelten Scheibe gegenüber. Beobachteten sie ihn? Wer war auf der anderen Seite?
Gerade wollte er rufen, da öffnete sich endlich die Tür. Im Türrahmen erschien die Silhouette von Sullivan – Aktentasche in der Hand, der Blick ernst. Ohne ein Wort trat er ein, stellte die Tasche ab und ließ sich mit einem leisen Seufzen nieder.
„Tut mir leid, dass du so lange warten musstest“, sagte er schließlich. „Der Verkehr raus von Boston… war die Hölle.“
Peter zuckte mit den Schultern. „Schon gut. Ich dachte schon, das wäre Absicht. Vom Detective. Um mich mürbe zu machen.“
Sullivan nickte knapp. „Das machen sie tatsächlich. Sie beobachten dich durch die Spiegel. Und über Kameras. Sie analysieren dein Verhalten. Ob du nervös wirst. Ob du brichst. Aber heute lag’s an mir.“
Er rückte seinen Stuhl zurecht und beugte sich vor. „Wir haben jetzt fünf Minuten. Keine Kameras. Keine Mikrofone. Also sei ehrlich zu mir, Peter. Nur dann kann ich dir helfen.“
Peter atmete flach. Sein Blick haftete auf dem Tisch. „Sie behaupten, ich werde meine Frau ermorden. In einem Monat.“
Sullivans Augenbrauen schossen nach oben. „Was bitte? Du? Wo ihr zwei doch unzertrennlich seid?“
Peter nickte langsam. „Ashly und ich mussten zuerst auch lachen. Aber dann haben sie mir Handschellen angelegt. Und mich hierher gebracht.“
Ein Moment der Stille dehnte sich zwischen ihnen. Dann veränderte sich Sullivans Blick – wurde fokussierter, schärfer.
„Bevor ich die Detectives reinbitte – gibt es irgendetwas, das ich wissen sollte? Irgendetwas, das du mir jetzt sagen willst, bevor es jemand anders tut?“
Peter schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Ahnung, was sie gegen mich in der Hand haben. Ich wüsste nicht mal, womit sie mich belasten wollen.“
Sullivan lehnte sich zurück, sein Blick prüfend. „Dann hör mir jetzt gut zu: Sag die Wahrheit. Keine Ausflüchte, keine Spekulationen. Bleib bei den Fakten. Ich kümmere mich darum, was sie haben – und ob es überhaupt Bestand hat.“
Peter hob den Blick. „Aber… sie können doch gar nichts haben.“
Sullivans Stimme wurde ruhig. Fast schon zu ruhig. „Wenn sie dich verhaftet haben, dann haben sie etwas. Oder sie glauben es zumindest. Aber wie gesagt – darum kümmere ich mich.“
Er stand auf, griff nach der Türklinke.
„Ich hole die beiden jetzt.“