Die Falschanklage
Peter und Sullivan saßen einander gegenüber – auf der einen Seite des Vernehmungstisches, auf der anderen Detective Thompson und Detective Turner. Zwischen ihnen blinkte ein kleines Aufnahmegerät rot im Standby-Modus. Thompson beugte sich vor und drückte die Aufnahmetaste.
„Ich weise Sie darauf hin, dass diese Vernehmung per Video“ – er deutete auf die Kamera in der rechten oberen Raumecke – „und Audio aufgezeichnet wird. Haben Sie das verstanden, Dr. Peter Wheller?“
Peter warf Sullivan einen kurzen Blick zu. Der nickte stumm.
„Ja, ich habe es verstanden“, antwortete Peter.
Thompson sprach nun direkt ins Mikrofon:
„Fürs Protokoll: Die Vernehmung von Dr. Peter Wheller beginnt. Es ist der 28. Januar 2027. Uhrzeit: 14:23 Uhr. Anwesend sind Dr. Peter Wheller und sein Rechtsbeistand…?“ – Er blickte zu Sullivan.
Der griff in die Innentasche seines Jacketts, zog eine Visitenkarte hervor und reichte sie über den Tisch.
„Dr. Sullivan Roberts“, las Thompson vor. „Vernehmungsführer sind Detective Samuel Thompson und Detective Susan Turner.“Einen Moment lang herrschte Schweigen, dann stellte Sullivan die erste Frage:
„Was genau werfen Sie meinem Mandanten vor – und auf welcher Beweisgrundlage?“
Thompson öffnete seine Mappe, zog zwei Ausdrucke hervor und schob sie in Richtung Tischmitte.
„Was sagen Sie dazu, Dr. Wheller – wer ist diese Frau?“
Die Bilder waren unscharf und aus der Distanz aufgenommen. Man sah Peter mit einer blonden Frau: einmal vor dem Restaurant Beaulieu, ein anderes Mal vor einer Tür mit der Nummer 119 – vermutlich ein Hotelzimmer oder eine Wohnung. Das Gesicht der Frau war kaum zu erkennen.
Peter runzelte die Stirn. „Keine Ahnung“, murmelte er.
Sullivan beugte sich näher. „Von wann stammen diese Aufnahmen?“
„Laut Protokoll vom 12. Januar. Das erste Foto wurde um 13:32 Uhr gemacht, das zweite um 14:13 Uhr“, erklärte Thompson und sah Peter direkt an.
„Waren Sie an dem Tag in Boston?“
Peter dachte kurz nach. „Der 12.? Moment… das war ein Dienstag, oder?“
„Ja“, bestätigte Thompson.
„Dann ja. Ich hatte meine monatliche Lesung an der Universität – von 10:20 bis 11:10 Uhr. Danach wollte ich den Zug um 11:50 Uhr nehmen, hab ihn aber verpasst. Der nächste fuhr erst um 14:40 Uhr.“
„Was taten Sie in der Zwischenzeit?“
„Ich war in einem Café nahe der Station. Habe gelesen, etwas gegessen. Allein.“
„Zeugen?“
Peter hob leicht die Hände. „Vielleicht der Kellner. Aber ich war zum ersten Mal dort. Ich bezweifle, dass sich jemand an mich erinnert.“
-Fortsetzung im Buch-