Pathfinder - Rand des Zusammenbruchs
Es ist das Jahr 2337. Die Vereinten Systeme haben das Garde
Imperium und dessen Heimatwelt, Asgard, zu Fall gebracht. Einer der
blutigsten Kriege der Menschheitsgeschichte geht damit zu Ende,
jedoch bleibt das Chaos bestehen. Der ehemalige
Verteidigungsminister und stellvertretende Kanzler, General Adams,
ernennt sich zu einem Alleinherrscher, womit er einen Bürgerkrieg
provoziert. Die Reste der Garde sammeln sich in den Untiefen des
schwarzen Weltalls. Während all dem treiben die Trümmer des einst
größten Schlachtschiffes der Menschen über dem Ring von Asgard.
Die Destiny ist zerstört und die Schwarze Legion wurde bis auf ein
paar Überlebende nahezu vollständig vernichtet. Die Black-Arrow, das
schnellste und berühmteste Raumschiff der Menschheit, ist
verschwunden. Ebenso ihr Commander, Connor Raven. Die
Crewmitglieder, die im Orbit von Asgard während eines
Entermanövers verhaftet werden konnten, sind jetzt auf dem Weg zum
neuen Machtzentrum der Menschheit, dem Eden-System.
Ähnlich geht es den Kopfgeldjägern der Silence. Ohne ihren Anführer,
Dylan Sykes, sind sie der Staatsgewalt vollkommen ausgeliefert.
Die von der Schlacht gezeichnete Eden-Flotte trifft in dem
Sternensystem ein und fliegt auf ihre Heimat zu, in den Orbit des
Gasriesen Horus hinein, wo drei habitable Monde ihre Bahnen ziehen.
Es geht an dem innersten Vulkanmond Osiris und dem dahinter
liegenden Wüstenmond Hyena vorbei. Die Schiffe machen sich für
einen Landeanflug auf das grün-blaue Initium Novum bereit, wobei
sie an einigen Raumstationen vorbeikommen. Eine dieser Stationen ist
ein Hochsicherheitsgefängnis. Eines der Transportschiffe landet dort
in einem der geschützten Hangars und bringt neue Gefangene. Unter
den Frauen ist Kyra Hades. Sie wird abgeführt und wie alle Insassen
registriert. Dazu bekommt sie einen grauen Sträflingsanzug. Begleitet
von zwei Wachen, wird sie durch die Gänge geführt.
Hades: „Das ist ein Irrtum. Ich habe nie ein Verbrechen begangen. Ich
will jemanden anrufen!“
Wache: „Keine Anrufe!“
Die beiden stoßen Kyra in eine Zelle, wobei sie zu Boden fällt. Als sie
sich wieder aufrichtet, muss sie feststellen, dass sie in der Zelle nicht
allein ist. Auf einem der beiden Betten sitzt eine andere Frau. Es ist
Miranda Spicer von der Silence.
Miranda: „Willkommen.“
Hades: „Ich kenne dich irgendwoher. Scheiße! Du gehörst zu diesen
Kopfgeldjägern. Zu diesem Sykes.“
Kyra weicht zurück und klopft an die Zellentür.
Hades: „Hey! Holt mich hier raus! Hilfe!“
Niemand auf dem Gang schenkt ihr Aufmerksamkeit.
Miranda: „Ich tue dir nichts, solange du mir keinen Grund dafür
gibst.“
Hades: „Warum sollte ich dir glauben? Du bist eine Kriminelle.“
Miranda: „Du doch auch. Schon gemerkt, dass du dich hier in einem
Gefängnis befindest?“
Hades: (Seufzt) „Lass mich in Ruhe. Ich will nicht mit dir reden.“
Sie sind sich gegenseitig abgeneigt, aufgrund der unangenehmen
gemeinsamen Aufeinandertreffen in der Vergangenheit. Durch eine
schmale Klappe in der Zellentür werden zwei Essenstabletts
geschoben. Darauf befindet sich vorwiegend Fleisch. Demnach tut
Kyra nichts anderes, als auf das Essen zu starren.
Miranda: „Keinen Hunger?“
Hades: „Ich esse das nicht.“
Miranda: „Wieso? Gut schmecken tut es bestimmt nicht, aber es ist
besser als nichts.“
Hades: „Ich esse kein Fleisch. Generell nichts von Tieren.“
Miranda: „Die Tiere sind extra für dich gestorben.“
Hades: „Sehr schlechtes Argument. Iss du es doch.“
Miranda: „Da sage ich nicht nein.“
In den kommenden Tagen gibt Kyra ihr Essen jedes Mal ab. Ihre
Behaglichkeit, kein Fleisch zu essen, hungert sie jeden Tag weiter aus.
So lange, bis es ihr gesundheitlich immer schlechter geht.
Miranda und Kyra ignorieren sich gegenseitig. Jedoch fühlt sich
Miranda eines Abends dazu genötigt, etwas zu Kyras Hungerstreik zu
sagen.
Miranda: „Hör auf damit! Du tust dir damit selbst keinen Gefallen. Es
geht hier nicht mehr um Stolz, Ideale oder Ethik. Es geht ums
Überleben. Dein Überleben!“
Miranda lässt eine ihrer doppelten Portionen liegen. Kyra antwortet
darauf nicht und schaut nicht einmal zu ihr. Doch nach einigen
Stunden, während denen Miranda nachdenklich aus dem Fenster
blickt, setzt Kyra sich an den kleinen Tisch und isst seit über einem
Jahrzehnt wieder Fleisch. Ihr Gesichtsausdruck scheint leer. Jedoch ist
sie innerlich von sich selbst enttäuscht.
Nach einem Monat Isolationshaft dürfen die beiden zum ersten Mal
ihre Zelle verlassen. Das Gefängnisabteil ist ausschließlich für
weibliche Insassen. Jedoch sind diese ebenso kriminell und aggressiv
wie die männlichen Sträflinge auf der anderen Seite der Station.