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Arvid Stern

Aegis Corporation

Über die Gravitation zweier Herzen

Dr. Vanessa Falk // Trinity Station // Sol-9-Nox L₂* 22. Februar 2039
Ich glaube mittlerweile, das Universum ist ein Gedicht. Keines, das man
liest – eines, das man fühlt.
Seine Zeilen bestehen aus unsichtbaren Kräften, die alles verbinden:
Gravitation, Ordnung im Chaos, eine stille Melodie, die Sterne und Herzen
im gleichen Takt schwingen lässt. Zwischen Gasnebeln und dem scheinbaren
Schweigen schwarzer Löcher entsteht das Unwahrscheinliche: Aus Staub
wird Leben. Aus Leben wird Bewusstsein.
Und irgendwo dazwischen beginnt etwas, das keine Gleichung fassen
kann – Liebe.
Vielleicht ist sie nur eine andere Form der Gravitation. Eine Kraft, die
hält, formt – und manchmal unerbittlich zerstört.
Wie ein Mond, der auf die Roche-Grenze* zutreibt: Die Distanz ist
das Potenzial der Sehnsucht. Mit fortschreitender Annäherung wird die
Kraft immer gewaltiger, bis am Punkt der Berührung die Identität im
anderen aufgeht – oder man zerrissen wird, nur um Teil eines fremden
Orbits zu sein.
Je größer das Gewicht, das zwei Herzen füreinander tragen, desto
unüberwindlicher wird ihre gemeinsame Bahn.
Sie widerspricht der Entropie. Sie schafft Ordnung, wo Chaos herrscht.
Und wenn sie uns trifft, erinnert sie uns daran, dass wir selbst Teil dieser
kosmischen Gleichung sind – fragile Körper, gehalten von unsichtbaren
Kräften.
«Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.
Es ist die Quelle jeder wahren Kunst und Wissenschaft.»
Albert Einstein
Vielleicht hat mich diese Kraft dorthin geführt, wo alles begann – an die
Grenze zwischen Wissen und Glauben, zwischen Licht und Dunkelheit.
Dorthin, wo selbst das Universum kurz innehält, um zuzuhören.
Ende des Gedanken-Protokolls – Dr. Falk — Iteration A-5