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Claudia Eret

Von Herz, Pfote und Mut

Happy – Vertrauen auf leisen Pfoten

Happy kam aus Spanien.

Eine Tierschützerin hatte mich angerufen und mir von einer Hündin namens Ada erzählt. Sie wurde auf einem Bauernhof in einem Zwinger gehalten. Nur alle paar Tage warf ihr der Besitzer etwas Futter hinein und stellte einen Napf mit Wasser dazu. Danach verschwand er wieder – manchmal für mehrere Tage.

Und in Spanien herrschen bekanntlich überwiegend andere Temperaturen als hier in Deutschland.

Die Nachbarn konnten das irgendwann nicht mehr mit ansehen und alarmierten den dortigen Tierschutz.

Spanische Tierschützer sahen sich die Situation vor Ort an und waren entsetzt. Das Tier war völlig heruntergekommen: dreckiges, stumpfes Fell, trübe Augen – nur noch Haut und Knochen. Der Zwinger stand in der prallen Sonne, darin ein Eimer mit abgestandenem Wasser. Der Hund drückte sich ängstlich in eine Ecke.

Heimlich brachten die Tierschützer ihr zunächst Futter und frisches Wasser. Nach ein paar Tagen trafen sie schließlich auch den Besitzer des Geländes. Man versuchte mit ihm zu sprechen und bot ihm sogar Geld für den Hund an.

Doch der Mann wollte davon nichts wissen und ließ sogar durchblicken, dass der Hund „ruhig verrecken“ könne.

Daraufhin setzten sich die spanischen Helfer mit dem deutschen Tierschutz in Verbindung und baten um Unterstützung.

In Deutschland wurde nun eine Pflegefamilie gesucht. Und wie es im Tierschutz manchmal so ist, spricht es sich schnell herum, wenn Claudia gerade keinen Hund hat.

Also rief man mich an und fragte, ob ich für drei Wochen einen Hund aufnehmen könnte – bis eine endgültige Familie gefunden wäre. Ich hatte den Tierschützern nach dem Tod von Lady mitgeteilt, dass ich auf gar keinen Fall mehr einen Hund aufnehmen würde – und schon dreimal keinen aus dem Tierschutz.

Deshalb der Trick mit der Pflegefamilie: „Claudia, wir wissen ja, dass du keinen Hund mehr haben willst. Aber wir sind hier wirklich in Not und großes EHRENWORT nur zur Pflege und ganz bestimmt für drei Wochen. Wir machen einen richtigen Pflegevertrag mit Zeitangabe, wann wir das Tier bei dir wieder abholen!“ Das klang fair und ich wiederholte: „Nur für drei Wochen!“

Als sie bei mir ankam, war sie ein Häufchen Elend: abgemagert bis auf Haut und Knochen, voller Angst und völlig verstört. Sie zitterte, wenn man sie nur ansah. Ein klassischer Tierschutzfall – und doch von der ersten Sekunde an ein Herzensfall.

Ich schaute sie an und sagte leise:

„Ich nenne dich jetzt Happy. Denn dein Leben soll von nun an happy sein.“

Als sie zu mir kam, befand sich auch mein eigenes Leben gerade in einem großen Umbruch. Mit meinen bisherigen Berufen war ich nicht glücklich und suchte nach einem neuen Weg. Ich spürte schon länger, dass sich beruflich etwas verändern musste, wusste aber noch nicht genau, wohin mich dieser Weg führen würde.

Während ich selbst auf der Suche war, kam ein Hund zu mir, der ebenfalls einen neuen Anfang brauchte.

Gerade in dieser Zeit trat Happy in mein Leben.

Wir betraten zusammen meine Wohnung. Als ich die Türe hinter mir verschloss, löste ich erst einmal die Leine und ließ sie gewähren. Sie ging mit kleinen vorsichtigen Schritten durch den Flur und dann ins Wohnzimmer. Mitten im Raum angekommen, stand sie still da und schaute sich vorsichtig um. Alles war neu für sie – die Geräusche, die Gerüche, die Räume. Ihre Nase bebte. Man merkte ihr an, wie unsicher sie war.

Doch es dauerte nur wenige Minuten, und man konnte ihr ansehen, dass ihr dieser Ort gefiel. Ich hatte das Gefühl, als wollte sie sagen: „Hier bekommt mich keiner mehr raus.“

Und kurze Zeit später wusste ich, dass ich mit dieser Einschätzung richtig lag. Die Wohnung fand sie großartig – nur alles andere draußen noch nicht.

Ich beschloss, sie erst einmal behutsam zu versorgen.

Ich duschte sie ganz vorsichtig ab, denn ich konnte ihre Fellfarbe kaum erkennen – so dreckig war sie. Also hob ich sie in die Badewanne, stellte die Duschbrause auf einen ganz feinen Strahl und ließ das warme Wasser langsam über ihren Körper laufen.

Das schien ihr gutzutun und auch zu gefallen.

Und das Abtrocknen hinterher noch viel mehr. Ich nahm ein großes, flauschiges Handtuch und trocknete sie ganz vorsichtig ab.

Danach dachte ich zunächst, ein Spaziergang würde sie weiter beruhigen.

Doch kaum hatte ich die Leine in der Hand und war durch die Haustür gegangen, begann sie zu ziehen, zu springen und versuchte sich mit aller Kraft aus dem Halsband zu winden.

Ich konnte dieses Tier kaum halten, und bei jedem Gassigang drohte ich hinzufallen, so sehr gebärdete sie sich.

Also musste ich mir etwas überlegen. Ich entschied mich für eine Doppelsicherung. Heute gibt es dafür spezielle Geschirre, aber zu Happys Zeit gab es die noch nicht.

Ich legte ihr also ein Geschirr und ein Halsband um und an jedes Teil dann eine Leine. Nun hielt ich in jeder Hand eine Leine und versuchte Happy aus der Wohnung zu bekommen. My home is my castle, dachte Happy offenbar und wehrte sich. Sie bockte so, dass ich mit beiden Händen an den Leinen ziehen musste und sie mit einem Ruck über die Türschwelle zog. Und dann rannte ich, sodass sie keine Chance hatte zu stocken.

Happy hatte solche Angst, dass sie, sobald ich langsamer wurde, wild hin und her schlug, um sich zu befreien. Wenn ich jedoch rannte, musste sie sich meinem Tempo anpassen und konnte sich nicht mehr wehren.

Also rannten wir.

Jeden Tag. Fünf Mal am Tag. Rennen. Soweit meine Beine uns trugen. Immer in Richtung Feld.