Die Zombie-Brigade
Chrulos hasste sein Leben als Dämon.
Schon viel zu lange fristete er sein Dasein auf der Erde, immer in der Angst, von Jägern aufgespürt oder von ranghöheren Dämonen für ihre Zwecke missbraucht zu werden.
Sein Alter kannte er nicht, aber irgendwo in seinem Kopf verbargen sich Bruchstücke von Erinnerungen an Männer in Rüstungen und schmutzige Burgen. Von den Frauen, an die er sich zu erinnern glaubte, wurden einige als sogenannte Hexen bezeichnet. Die Männer, die das taten, kamen aus einer lächerlichen Institution, die sich Kirche nannte und der das dumme Volk bedingungslos gehorchte. Eine gute Zeit mit reicher Beute für echte Dämonen und Wesen der Nacht.
Doch all das war ein Schatten der Vergangenheit. Heute lebte Chrulos nur noch hier, weil er keine Möglichkeit hatte, in die Dimensionen des Schreckens zurückzukehren, wo es ihm besser gehen würde. Und so hielt er sich unauffällig unter den Menschen auf, nahm von ihnen Besitz, saugte ihre Energie aus oder lebte eine Weile ihr Leben, bis ihn die Angst vor Entdeckung zum nächsten Opfer trieb.
Doch immer wieder spürten ihn die größeren Dämonen auf. Sie brauchten ihn, sie gierten nach einer seiner einzigartigen Fähigkeiten, die ihm bisher zwar das Leben gerettet, aber sonst nie einen Vorteil für ihn gebracht hatte: Durch die unergründliche Macht des dunklen Schicksals war Chrulos in der Lage, für eine gewisse Zeit in die Zukunft zu sehen. Nie war dieser Zeitraum festgelegt, nie konnte er etwas ändern oder beeinflussen, und doch war es etwas, wofür er immer wieder von anderen benutzt wurde.
Natürlich bezahlten sie ihn dafür, aber was waren die Brotkrumen ihres Erfolges im Vergleich zu dem, was sie durch seine Fähigkeiten erreichten? Schon lange hatte sich der Dämon geschworen, daran etwas zu ändern, aber bisher hatte sich keine Gelegenheit dazu ergeben.
Doch dann erreichte ihn der Erlass des Statthalters. Natürlich hatte auch er schon von Isaac Kane, der Organisation der Jäger und ihren Kämpfern gehört, allerdings nie persönlich mit ihnen zu tun gehabt. Doch nun bot sich ihm endlich die Gelegenheit, auf die er so lange gewartet hatte.
Chrulos verbarg sich und seine wahre Gestalt vor aller Augen und sandte seine Kräfte aus. Es musste eine Möglichkeit geben, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln eine Falle zu errichten und das zu erreichen, woran die anderen gescheitert waren. Was einfach klang, war es nicht. Seine wahre Gestalt würde überall Aufmerksamkeit erregen, also musste er sie so gut wie möglich verbergen, aber immer in seiner Nähe halten. Um den Körper eines Menschen in Besitz zu nehmen, durfte er nicht sehr weit entfernt sein, und der Wechsel musste schnell geschehen. All dies war schon schwer genug für ihn, und dann kamen noch seine Angst und seine elende Feigheit hinzu.
Neben dem Blick in die Zukunft konnte er die Menschen zu willenlosen Werkzeugen machen, die alles taten, was er von ihnen verlangte. Diese Gabe musste er sich zunutze machen.
Der Dämon mit den Hexenkräften schickte seinen Geist auf die Reise. Er durchquerte dunkle Einsamkeit und leuchtende Sphären, bis sich ihm das Bild bot, das er gesucht hatte: Der Dämonenjäger auf dem Rückweg von einem Einsatz, noch angeschlagen, aber bereit für den nächsten Kampf gegen das Böse.
Und fast zeitgleich ergab sich die andere Möglichkeit, die er benötigte: Etwas, das sich dem Jäger und seinem Partner näherte und ihren Weg an einem abgelegenen Ort kreuzen würde. Der Plan des Dämons nahm Gestalt an. Wenn er hier mit der Macht, die ihm zur Verfügung stand, eingriff, konnte er Isaac Kane besiegen, dessen Partner töten und alle Beweise für seine Taten vor der Organisation der Jäger verbergen. Obwohl irgendwo in seinem Kopf immer noch eine leise Stimme war, die ihn fragte, ob er das wirklich tun wolle, begann Chrulos, seinen Plan in die Tat umzusetzen.
Es war an der Zeit für ihn, seinen rechtmäßigen Platz in den Reihen der Hölle einzunehmen.