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Ulrich Gilga

Der gefallene Exorzist

Kapitel 1

Oktober 1972, irgendwo auf einer Landstraße in den Vereinigten Staaten.
Ian West rieb sich die brennenden Augen, nachdem er wieder aus dem Autofenster auf die vorbeiziehende Landschaft geblickt hatte. Nichts zu sehen, was in irgendeiner Weise interessant erschien. Farm um Farm und Feld um Feld zogen an den schmutzigen Scheiben von Pater Leonard Bradys ramponiertem Buick vorbei. Seufzend ließ sich West zurück in die altersschwachen Polster sinken, und wieder drückte eine der ausgeleierten Federn der Rücksitzbank einem Stromschlag gleich auf einen neuralgischen Punkt in seinem Rücken.
Gern hätte er sich auf die andere Seite des Wagens gesetzt, aber dort stand der große Lederkoffer des Paters, in dem er alle Utensilien für den bevorstehenden Exorzismus aufbewahrte. Inzwischen bereute West, dass er sich freiwillig in den hinteren Teil des Wagens gequetscht hatte. Er wollte eine Weile für sich sein und hatte deshalb der jungen Frau den Vortritt auf dem Beifahrersitz gelassen, die er zwischendurch immer wieder betrachtete. Mit ihrer engen schwarzen Lederhose, dem körperbetonten Shirt und der abgewetzten Lederjacke, unter der in einem umgebauten Schulterholster zwei mit Silberkugeln geladene Walther PPK steckten, sah sie eher wie eine Kriminelle aus als wie eine ehemalige Polizistin, die jetzt auf Dämonenjagd ging. Sie hatte sich sehr verändert, seit er sie vor mehr als zwanzig Jahren zum ersten Mal getroffen hatte. Damals war sie gerade einmal zwölf Jahre alt gewesen. Und da hatte sie schon gewusst, was ihr Vater neben seiner Arbeit als Buchhalter abends und nachts machte, und Ian war sich sicher gewesen, dass sie eines Tages in dessen Fußstapfen treten würde. Und jetzt saßen sie zusammen in diesem Wagen, der aussah, als würde er es nicht einmal aus der Innenstadt von Chicago schaffen, und hatten nur noch wenige Meilen vor sich, um in einem kleinen Kaff namens Virgil womöglich einen Dämon aus einem jungen Mädchen auszutreiben.