Der Tod des Jägers - Teil 1 von 2
Ein dumpfes Grollen hallte durch die Station und ließ Jamie Carvill hochfahren.
Einen Moment lang musste er sich orientieren, dann fiel ihm ein, dass er immer noch in der U-Bahn auf den Zug wartete. Offenbar war er doch kurz eingeschlafen. Laut der Uhr an der Decke waren etwa zehn Minuten vergangen und er war immer noch allein. Er wischte sich die Augen und stand auf. Das Geräusch, das ihn anscheinend geweckt hatte, hatte er schon fast wieder vergessen. Wahrscheinlich wieder ein Zug in einem der anderen Tunnel. Wie sehr hätte er jetzt eine Zigarette gebraucht. Noch einmal blickte er auf den Automaten, aber nichts hatte sich verändert. Der Stein steckte nach wie vor im Münzschlitz, und obwohl er sogar einmal versuchte, ihn herauszuziehen, gelang es ihm nicht. Aber in ein paar Minuten würde der Zug sowieso kommen. Auf dem Bahnsteig durfte man noch rauchen, in den Zügen schon lange nicht mehr. Die kurze Zeit würde er noch überbrücken können.
In diesem Moment ertönte wieder das Grollen, das ihn aus dem Halbschlaf gerissen hatte, doch diesmal gab es einen Unterschied. Es war deutlich lauter und schien näher zu kommen. Carvills Magen krampfte sich unweigerlich zusammen. Auch wenn er keine Angst vor Räubern hatte, gab es etwas, das er auf den Tod nicht ausstehen konnte, und das waren Hunde. Nicht alle, aber die, die von ihren Besitzern nicht richtig erzogen worden waren. Die kläfften oder knurrten, wenn man an ihnen vorbeiging. Sollte eines dieser Viecher hier bei ihm in der U-Bahn sein?
Carvill wechselte die Aktentasche in die linke Hand und nahm den Regenschirm in die Rechte. Dabei hielt er ihn so, dass er den gebogenen Griff wie einen Knüppel benutzen konnte. Wenn die Töle kam, würde sie ihr blaues Wunder erleben. Langsam und so leise wie möglich ging er zurück zum Gang, der vom Bahnsteig zu den Rolltreppen führte. Er wollte nachsehen, ob sich der Hund vielleicht dort herumtrieb. Unbewusst hielt er den Atem an, bevor er um die Ecke blickte. Nichts war zu sehen. Nur der menschenleere Gang, an dessen Ende sich die beiden Rolltreppen befanden, von denen eine in die nächste Ebene führte. Carvill atmete tief durch und wandte sich wieder dem Bahnsteig zu, denn sein Zug musste bald einfahren.
Das tiefe Grollen, das er hörte und das sich zu einem wütenden Knurren steigerte, war noch nicht einmal das Schlimmste, nachdem er sich umgedreht hatte. Was ihn viel mehr in Panik versetzte, waren die gelben Augen, die ihn aus dem Tunnel anstarrten, und die hellen Hauer, die sich darunter befanden, während der Rest von dem, was auch immer es war, mit der Dunkelheit des Tunnels verschmolz. Dann sprang das, was im Tunnel lauerte, nach vorne und landete mit einem Satz auf dem Bahnsteig. Die Umrisse der wolfsähnlichen Kreatur mit dem schwarzen Fell brannten sich im Bruchteil einer Sekunde in Carvills Verstand, und er verfolgte völlig fassungslos jeden Schritt, mit dem das Wesen sich ihm näherte. Irgendwo im hinteren Teil seines Kopfes sendete sein Gehirn zwei Signale gleichzeitig. Das Erste öffnete seine Blase, und er spürte, wie warme Flüssigkeit sein Bein hinunterlief. Das zweite Signal war das entscheidende.
Bevor das Monster ihn erreichte, wirbelte Jamie Carvill herum und rannte panisch schreiend in Richtung Rolltreppe, während hinter ihm das Geräusch, das die schwarzen Krallen der Kreatur auf den Fliesen erzeugten, immer näher kam, zunehmend übertönt vom Geräusch des einfahrenden Zuges, der Carvill hätte nach Hause bringen sollen ...