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Ulrich Gilga

Abstieg in die Dunkelheit - Teil 2 von 2

Kapitel 9

Seine Leibwächter hatten die Botschaft verstanden und sich zurückgezogen.
Natürlich wusste Gagdrar, dass dies nur ein Moment der Ruhe sein konnte. Derjenige, der hinter Kane steckte, hatte vor langer Zeit seine Position innegehabt. Und nicht nur seine Position, sondern eine Macht, die um ein Vielfaches größer war. Der Statthalter war nicht dumm und ihm war klar, dass es Probleme mit der Loyalität seiner Untergebenen geben konnte. Aber der Großherzog war tot. Zuerst hatten Gagdrar und die anderen fünf sich gegen ihn verschworen. Sechs mussten es sein, um einen aus ihrer Mitte zu entmachten und zu töten, und deshalb war es wichtig gewesen, dass er sich bereit erklärt hatte, den Plan zu unterstützen. Seine Belohnung war die Übernahme der Position des Großherzogs gewesen. Doch sie hatten ihn nicht endgültig überrumpeln und vernichten können, und er war auf die Erde geflohen, wo er im Schutz der Menschen und wie einer von ihnen gelebt hatte. Seiner Kräfte weitgehend beraubt, aber immer noch mächtig genug, das Werk des Bösen zu vollbringen.
Unzählige Frauen waren ihm im Laufe der Jahrhunderte zum Opfer gefallen, bis die Jäger die Schlinge immer enger zogen. Je länger der Großherzog auf Erden wandelte, desto mehr schwand seine Macht. Nach den Überlieferungen, die Gagdrar gehört hatte, war er mehrmals fast getötet worden und hatte sich jedes Mal erst im letzten Moment retten können. Doch dann sei er einem Dämon begegnet, der ihm einen Weg gezeigt habe, wie er den Rest seiner Macht bewahren könne. Und die beiden Vasallen des Bösen hatten einen Plan ausgeheckt, der ihre Gegner schwächen und ihnen gleichzeitig zeigen sollte, wie angreifbar sie als Menschen waren.
Der Großherzog war nach Birmingham gereist, um die Frau eines der aktivsten Jäger - George Carter - aufzusuchen. Später kursierten in den verborgenen Winkeln des Orkus zahllose Geschichten darüber, wie der Dämon sich der Frau bemächtigt hatte, wie er in sie eingedrungen war und ihr seinen Samen in den Schoß gepresst hatte. Doch zu der Zeit, als es geschah, wusste niemand in den Kreisen der Hölle davon. Spitzel und niedere Dämonen, die von der Weitergabe von Informationen lebten, brachten die Geschichte dieser Nacht Monate später unter das dämonische Volk. Aber da war es schon zu spät. Der Großherzog war verschwunden, angeblich in eine Falle seiner Häscher geraten. Und das, was aus der Verbindung der Menschenfrau mit dem Dämon entstanden war, der Cambion, war bereits auf der Welt.
Gagdrar hatte sofort dämonische Killer ausgeschickt, um die ganze Familie auszulöschen, denn er wusste, dass dieses Kind eine unkalkulierbare Gefahr darstellte. Doch seine Vasallen hatten nur die Frau gefunden und getötet. Der Vater war mit dem Sohn verschwunden, und obwohl es später gelungen war, auch ihn umzubringen, hatte er selbst unter schwerster Folter nie verraten, wo er das Kind versteckt hatte.
Gagdrar erhob sich von seinem Thron. Noch immer spürte er die Aura von Isaac Kane und die Macht, die tief in ihm schlummerte. Er hätte ihn töten sollen, als er die Gelegenheit dazu hatte, aber die Möglichkeit, die Kräfte des Großherzogs in sich aufzunehmen, war zu verlockend gewesen. Und dafür musste Kane hier im Orkus sein. Ein letzter Versuch würde nicht schaden, und wenn er scheiterte, konnte er den Menschen immer noch auslöschen. Leider hatte er sein Druckmittel nicht mehr, aber es würde auch ohne Walsh und diese Frau gehen. Den Plan, den er sich ausgedacht hatte, um die Menschen sofort nach ihrer Ankunft einzusperren, hatte Kane zunichtegemacht, als er die Fesseln durchtrennt hatte.
Aber es gab noch andere Möglichkeiten, dem Jäger Bedrohungen entgegenzuschleudern, um ihn zu schwächen und ihm am Ende, wenn er um seinen Tod bettelte, diesen Wunsch zu erfüllen.