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FRAU A.

DAS LEBENSHAUS - Band 3

Kapitel 16 - Die Grenze

Im Flur traf er auf Lene.
„Sie ist wieder da?“

„Ja, und sie hat geparkt und ist ausgestiegen.
Ich sage den anderen draußen Bescheid.
Sie sollen hierbleiben.
Ich nehme Harald mit und die Kopie vom Antrag der Anordnung, die gebe ich ihr mit und ich werde mit ihr sprechen.
Rufst du bitte die Polizei an und bittest sie herzukommen.“

Winfried ging während des Gesprächs weiter in Richtung Balkon.
Nicht rennend. Nicht hektisch. Nur entschlossen.
Als er dort ankam, ein Blick zu Harald.
„Komm“ und Harald stand sofort auf.
„Ihr anderen bleibt alle hier. Ihr wisst was ihr zu tun habt.
Ich nehme Harald mit. Sie ist da und sie bekommt jetzt ihre Grenze gezeigt. Hier ist Schluss für sie.“

Franzi stellte ihr Getränk ab und ging zu Tom und Lina.
„Atmet“, sagte sie.
Tom atmete. Und seine Hände zitterten.
Franzi bemerkte die Verkrampfung an Lina, deshalb die Ansprache an beide.
Kira kam dazu.
Und Lene aus dem Büro zurück.
Sie hatte den Anruf an die Polizei dort erledigt.
Rita, Bernd und die anderen sahen lautlos zu.
Juna klammerte sich an Tom und Lina fest.

Das gesamte Lebenshaus hielt den Atem an.
Was geschah da draußen jetzt?
Aber sie blieben dort, wo sie waren.
Sie vertrauten auf Winfried und Harald und wenn die beiden Hilfe bräuchten, würden sie helfen.

Der Wagen hielt.
Die Tür öffnete sich.
Langsam.
Wie eine Drohung, die sich Zeit ließ.
Sie stieg aus.
Die Frau.
Blonde Haare.
Schmale Gestalt.
Ein Blick, der schneidend war wie kalter Wind.
Sie sah nicht das Haus. Nicht die Umgebung.
Sie suchte Tom.
„Stopp“, sagte Winfried ruhig.
Sie blieb stehen. Nicht aus Respekt.
Aus Überraschung.
„Wer sind Sie?“ fragte sie scharf.
„Wer sind Sie und was wollen Sie hier?“,
antwortete Winfried, ohne auf ihre Frage einzugehen.
„Ich will mit meinem Mann Tom sprechen.“
„Er ist nicht mehr Ihr Mann. Und sie wissen das sehr genau.“
„Er gehört zu mir.“
„Nein“, sagte Winfried. „Er gehört zu sich.“

Ein Zucken ging über ihr Gesicht.
Wut. Verwirrung. Unglaube.
„Er hat mich verlassen“, fauchte sie.
„Er ist gegangen“,
korrigierte Winfried.
„Das ist etwas anderes.“

Die Frau versuchte, an Winfried vorbeizugehen.
Er hob nur die Hand. Nicht drohend. Nur klar.
„Halt. Hier ist eine Grenze“, sagte er.
„Ich will mit ihm reden!“
„Nicht so.“
„Er muss mir zuhören!“
„Nein“, sagte Winfried. „Er muss gar nichts.“
Sie funkelte ihn an. „Sie kennen mich nicht.“
„Ich kenne Menschen wie Sie“, sagte Winfried ruhig.
„Und ich kenne Menschen wie ihn. Und sie gehen jetzt und fahren wieder.“

Sie atmete scharf ein. „Ich komme wieder.“
„Das ist Ihre Entscheidung, aber zuvor möchte ich sie über etwas informieren, was sie vielleicht noch nicht wissen. Und die Grenze verschiebt sich etwas dadurch, für sie“, sagte Winfried.

Sie sah Winfried an,
dann Harald,
der schon sehr imposant wirkte durch seine Größe.
Ein Blick voller Ablehnung traf ihn.
So, wie: Was hat der mir schon zu sagen?
Winfried hielt den Blick. Nicht lange. Aber lange genug.