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Christina Marie Huhn

Kántarellas Lichtgestalten

Ausschnitt aus Kapitel »Erwachen«

Leichtfüßig lief ich zum mir bekannten Platz, wo ich den Darbietungen von Aën-Sangaa bisher beigewohnt hatte. Ich kam ein wenig zu spät, das Programm hatte bereits begonnen. Soeben ertönte ein Lied zu Ehren Víndannas, der Gerechten. Weiche Melodien fluteten über die Zuhörenden.
Leise schlich ich zu einem Platz im hinteren Bereich, um niemanden zu stören. Ich saß allein. Médancon oder Álkaran sah ich nicht, auch nicht Fénandessa.
Es war ein lauer Abend. Ich lauschte der Musik und erfreute mich an der milden Luft. Eine wundervoll friedliche Stimmung lag über Éngin-Doloh. Das Abendlicht fiel weich auf die Stadt. Mein Geist fühlte sich frei. Ich genoss den Moment, ohne an das Gestern oder Morgen zu denken.
Die Veranstaltung war beinahe am Ende angelangt, als das mir fast schon vertraute, tiefe Grollen auftauchte. Sekunden später schwankte der Boden, dieses Mal vehementer als die Male davor. Ich wollte den Platz verlassen, erhob mich – und fiel prompt auf die Knie. Ähnlich ging es den Menschen um mich herum. Sie wirkten eher verwirrt, als dass sie verängstigt waren. Die Bäume wankten leicht, ebenso die Häuser mit ihren Säulen, die das Areal umgaben.
Ebenso abrupt, wie es begonnen hatte, endete das Beben. Stille lag für einige zäh erscheinende Sekunden über uns wie eine Käseglocke. Es kam mir surreal vor, mein gesamtes Leben vor diesem Augenblick erschien mir urplötzlich wie ein unwirklicher Traum.