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Christina Marie Huhn

Anderwelt Ardor

Ausschnitt aus Kapitel »Scheiße und Braten«

Wir betraten die Stadt. War es auf der Brücke schon eng gewesen, so überrollte uns nun pures Chaos. Wahre Menschentrauben wälzten sich durch die engen Gassen. Die Städter wirkten auf mich durch die Bank weg furchtbar ungewaschen und die Flut der Körpergerüche erreichte ein neues Crescendo. Beim Gedanken, dass viele von ihnen garantiert Flöhe oder Läuse hatten, nahm das wilde Bedürfnis, mich am ganzen Körper zu kratzen, fast überhand.
Stinkende Rinnsale rieselten rechts und links der staubigen Straßen in Richtung der Stadtmauer. Vermutlich ergossen sie sich irgendwo in den Fluss. In einigen Ecken roch es durchdringend nach Urin und Kot. Ich mochte mir gar nicht ausmalen, was hier bei Regen passierte.
Zwischen Dreck und Unrat rannten spielende Kinder herum. Andere Kinder bettelten. Da ich kein Geld hatte, konnte ich nur bedauernd meine bloßen Hände zeigen. Sie taten mir leid, weil sie so arm und hungrig aussahen.
Jewlier musste ein Herz aus Stein oder sehr wenig Geld haben. Auch er gab ihnen nichts, doch bugsierte er mich zielsicher durch das Gewühl. Auf einem größeren Platz, wo sich die Menschenmasse ein bisschen verteilte, hielt er an. »Willkommen in der Grenzstadt Haïthron! Ich frage dich lieber nicht, ob es dir gefällt.«
Ich musste lachen. »Es ist scheußlich«, gab ich zu. »Viel zu voll, und ...«, ich beugte mich zu ihm hinüber und raunte verhalten, da ich nicht wollte, dass ein Fremder es hörte, »... die sind alle so dreckig.«