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Wilfried Hildebrandt

Reisehusten

1958 - Abgeholt

Endlich waren wir am Ziel, dem Bahnhof von Wernigerode. Dort sollten wir von dem Vermieter der Ferienwohnung, wie man heute sagen würde, abgeholt werden. Der Herr mit dem seltsamen Namen Pilz glänzte allerdings durch Abwesenheit. Meine Mutter hatte mir bereits zu Hause stundenlang eingebläut, dass man über Namen nicht lacht, und ich hatte mir fest vorgenommen, dies zu beherzigen. Eigentlich fand ich den Namen auch gar nicht so lustig.
Als wir eine Weile unschlüssig wartend auf dem Bahnhofsvorplatz herumgestanden hatten, kam plötzlich eine Frau auf uns zu. Sie fragte in einer für mich seltsamen Aussprache: „Worten Sie auf Herrn Bilz?“ Als meine Mutter dies bejahte, fuhr die fremde Dame fort: „Denn gomm Se mol mit mir mit, Se wohnen nämlich bei mir, denn die Bilzens vermieden gor nich mehr seit dies Johr.“
Meine Mutter stellte uns vor und fragte dann die neue Vermieterin nach deren Namen.
„Och so, jo, ich bin de Fra Brihschwein“.
„Frau Brühschwein?“ fragte meine Mutter sicherheitshalber nach.
„Soch ich doch!“, war die Antwort.
Da konnte ich mich nicht mehr beherrschen und prustete los. Meine Mutter warf mir einen strafenden Blick zu, aber meine Oma schaute mich verständnisvoll an, wobei ein kleines Lächeln um ihren Mund spielte.