← Zurück zum Buch
Wilfried Hildebrandt

Wer nicht fährt, der fliegt

Inselhopping

Der Pilot ließ die Motoren an und das gesamte Flugzeug begann sich so sehr zu schütteln, dass wir dachten, es würde gleich auseinanderfallen. Der Flugbegleiter erläuterte uns kurz die Sicherheitsvorschriften, dann ging es auch schon mit lauten Motoren in die Luft. Was folgte, war ein kurzer schöner Flug in geringer Höhe. Kaum hatten wir Curaçao hinter uns, da tauchte Bonaire vor uns auf.
Die Landung war sanft und wir erreichten schnell das Gebäude des winzigen Flughafens. Auf dem Flug hatten wir schon wieder Einreiseformulare ausfüllen müssen. Nun bekamen wir jeder einen Stempel in unseren Pass. Darin war ein Flamingo abgebildet und zu lesen war „Flamingo International Airport Bonaire“.
Wir verließen das Gebäude, denn das Gepäck sollte sich auf einem Band außerhalb befinden. Leider warteten wir aber vergebens auf unsere Koffer und es blieb uns nichts anderes übrig, als wieder hineinzugehen, um den Verlust anzuzeigen.
Wir mussten unsere Luggage Tags zeigen, von denen ich bis dahin gar nicht gewusst hatte, wofür sie eigentlich gut waren. Dann mussten wir in einem Katalog Koffer heraussuchen, die den unsrigen glichen. Als dies getan war, bekamen wir ein Protokoll und die Zusicherung, dass unser Gepäck bald eintreffen würde. Wir sollten morgen beim Flughafen anrufen und nachfragen.
Nach all dem fiel uns ein, dass wir mit unserer Reise auch einen Taxi-Transfer zum Resort gebucht hatten. Dafür hatte uns das Reisebüro doch extra 20 Dollar geschickt. Wir schauten uns um und sahen einen einsamen Taxifahrer, der geduldig wartete. Wir fragten ihn, ob er uns fahren sollte, und als er dies bejahte, stiegen wir ein. Er fragte, warum wir kein Gepäck hätten, und wir berichteten von unserem Pech. Er beruhigte uns, indem er sagte, dass so etwas hier ständig passiere, das Gepäck aber meist nach kurzer Zeit wieder auftauche.
Uns war schleierhaft, wie auf so einem kurzen Flug mit so wenigen Passagieren Gepäck verloren gehen kann. Aber das war wohl der kari­bischen Gelassenheit geschuldet.