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Wilfried Hildebrandt

Wer nicht fährt, der fliegt

Falsche Post

Apropos Post: Damals schrieben wir ja noch Ansichtskarten an die lie­ben Daheimgebliebenen. Ich hatte in Grand Case für sündhaft viel Geld eine drei Tage alte Süddeutsche Zeitung gekauft, um überhaupt mal wie­der etwas von der Welt außerhalb von Saint Martin zu erfahren. Bei der Gelegenheit kauften wir gleich ein paar Ansichtskarten bei dem Zeitungs­händler. Briefmarken hatte er leider nicht und deshalb fragte ich ihn: „Il y a un poste à Grand Case?“
Er bejahte dies und erklärte mir den Weg zum Postamt. Ich verstand nicht mal die Hälfte, aber mir war nur wichtig zu wissen, dass es hier überhaupt eine Post gab. Die würden wir in diesem kleinen Ort schon finden.
Wir fuhren eine Weile in der Stadt herum, bis ich plötzlich auf die Bremse trat, denn ich hatte etwas von Poste gelesen. Wir stiegen aus und betraten das Gebäude. Innen saßen mehrere Männer und Frauen in Uniformen an Schaltern. Ich dachte: „Aha, so sehen die Postbeamten in Saint Martin also aus.“ Zu einer der Damen sagte ich: „Bonjour Madame, trois timbres pour l'Allemagne s'il vous plaît.“
Während ich sprach, sah ich plötzlich, dass die vermeintliche Postmitarbeiterin eine Pistole am Gürtel trug. Meine aufkommenden Zweifel wurden dadurch verstärkt, dass die Beamtin mich böse ansah und energisch sagte: „Désolé, vous n'êtes pas au bureau de poste mais au poste de police!“
Kleinlaut entschuldigte ich mich und wir verließen das Büro, über des­sen Eingangstür tatsächlich „Poste de Police“ stand. Meine Frau kicherte, denn sie hatte gleich richtig gelesen, mich aber nicht bremsen können. So ließ sie mich einfach auflaufen und wir hatten etwas zum Lachen.