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Rivkah Charnelat

The World behind Wonderland

Kapitel 2 - Richard

Pünktlich klingelte es. Er hatte nichts anderes erwartet und betätigte den Türdrücker. Als er Schritte im Treppenhaus hörte, öffnete er die Tür. Sie kam gerade die Treppenstufen hoch. Die braunen, langen Haare waren offen. Dazu trug sie eine schlichte Bluse, eine Jeans und Sneaker. Er trat zur Seite und gewährte ihr, einzutreten.
»Komm mit«, forderte er und ging ins Wohnzimmer.
Wortlos folgte sie ihm.
»Setz dich.«
Schüchtern ließ sie sich auf das braune Sofa nieder. Die Überforderung war ihr anzusehen, ebenso, dass sie am liebsten geflüchtet wäre. Doch dafür war es zu spät.
Richard setzte sich und betrachtete sie einen Moment. Die Stille irritierte sie und er war geneigt, sie noch eine Weile zu ziehen. Aber er wollte sie nicht kopflos, nur ihre Nervosität steigern. Ihm machte dieses Spiel großen Spaß, doch er schätzte sie so ein, dass sie so etwas noch nicht erlebt hatte, und er wollte sie nicht direkt überfordern. Wobei es ihn reizte, jedoch alles zu seiner Zeit.
»Hast du deine Aufgabe erledigt, die ich dir aufgegeben habe?«, fragte er kühl.
»Ja.«
Er wartete einen Moment. »Soll ich dir das nun aus der Nase ziehen? Gewöhne dir an, mit mir zu kommunizieren. Ansonsten kannst du direkt wieder gehen. Auf Ratespielchen stehe ich nicht.«
Einen Moment blickte sie irritiert drein, dann fasste sie sich.
»Entschuldigung. Ich habe gestern die Beziehung beendet.«
»Ach. Warum?«
»Er wird nichts ändern. Jeder und alles ist wichtiger als ich.«
»Eine neue Erkenntnis?«
»Nein, eine Bestätigung meiner Vermutung.«
Wortlos stand er auf, schüttete in der Küche zwei Gläser Wasser ein und gab ihr eines, als er wieder ins Wohnzimmer kam.
»Beschäftige deine Hände lieber damit, statt dir noch die Finger zu brechen.«
»Danke«, murmelte sie peinlich berührt.
»Nachdem das nun geklärt ist«, leitete er ein und setzte sich ihr gegenüber, »können wir uns über das Wesentliche unterhalten.«
»Was ist denn für dich wesentlich?«
»Der Grund, warum du bei mir bist.«
Umgehend lief sie knallrot an und versuchte, sich hinter ihrem Glas zu verstecken. Es war amüsant, dieses Schauspiel zu beobachten.
Das Mädchen macht mir immer mehr Spaß. Ich bin gespannt, wo das Ganze hinführen wird.
»Den weißt du doch«, sagte sie, um sich herauszuwinden.
»Ach? Neuerdings bin ich wohl Hellseher, ohne etwas davon zu wissen.«
Ein Blick zwischen Verzweiflung und Wut kam ihm aus den grün-blauen Augen der Frau entgegen, die auf seinem Sofa saß. Einen Moment ließ er sie schmoren.
Dann half er ihr: »Es hat doch einen Grund, warum du dich auf dieser Seite angemeldet hast.«
»Ja, der ist recht offensichtlich.«
»Das mag sein. Trotzdem möchte ich, dass du es aussprichst und dich nicht hinter einer Datingseite für BDSM versteckst.«
Tief atmetet sie durch. Dann sagte sie leise: »Ich suche einen Dom.«
»Wenn du das Ganze nun noch lauter sagst, sodass ich dich verstehe, sind wir einen Schritt weiter.«
Somit wiederholte sie den Satz.
»War doch gar nicht so schwer, oder?«
Erneut traf ihn ein Blick, der Blitze verteilte. Es amüsierte ihn immer mehr.
Dich zu zähmen, könnte lustig werden. Du machst mir jetzt schon Freude.
»Du hattest auf deinem Profil geschrieben, dass du jemanden suchst, der dir Führung gibt und weiß, was er will. Was meinst du damit?«
Sie hatte sich etwas beruhigt. Doch es fiel ihr schwer, ihre Gedanken zu sortieren. Hatte sie diese Probleme grundsätzlich?
»Die meisten Doms, die sich als solche bezeichnen, geben nach, sobald sie auf Widerstand stoßen. Dabei kann ich kein Vertrauen entwickeln und das ist für mich auch keine Dominanz.«
»Das stimmt.« Er betrachtete sie einen Moment. »Du bist im Alltag sehr dominant, du weißt, was du willst und wie du es durchsetzt.«
»Ja.«
»Viele Frauen wollen dann in ihrem Subsein abschalten könne und sich fallen lassen können. Das geht nicht mit Pseudo-Dominanz.«