Die Besserwisser auf der Flucht
Bei der Arbeitsvermittlungsagentur musste er lange warten, bis ihn ein Mitarbeiter aufrief. Während einer freundlichen Begrüßung stellte sich der Beamte als Herr Winkelmann vor. Dann wurden Alberts persönliche Daten erfasst. Als dies erledigt war, offerierte der Beamte ihm die zur Verfügung stehenden Angebote. Als Erstes sollte Albert einen Deutschkurs machen, der durch einen Integrationskurs ergänzt werden musste. An dieser Stelle unterbrach Albert den Redefluss seines Gegenübers.
„Deutsch ist meine Muttersprache. Ich bin in Isoland aufgewachsen, wo die Amtssprache Deutsch ist, wie Sie wissen, also muss ich keinen Deutschkurs machen.“
Herr Winkelmann schüttelte missbilligend den Kopf. Er kannte derlei Argumente von Ausländern, die meinten, schon alles zu können, um hinterher Schiffbruch auf dem ubequitanischen Arbeitsmarkt zu erleiden. Trotz seines Ärgers über Alberts Verhalten blieb er ruhig.
„Herr Salomon, haben Sie ein Zeugnis einer ubequitanischen Schule, in dem die Beherrschung der deutschen Sprache dokumentiert ist?“
Albert schüttelte den Kopf und wollte etwas sagen, aber da sprach Herr Winkelmann schon weiter.
„Wenn ich Ihren Lebenslauf richtig verstehe, haben Sie russische Wurzeln. Da ist es doch ganz verständlich, wenn Sie Defizite bei der Beherrschung der deutschen Sprache haben. Das muss Ihnen gar nicht unangenehm sein.“
Albert war jetzt außer sich.
„Ich bin in Isoland zur Schule gegangen, wo die Landessprache Deutsch war. Mein Abiturzeugnis kann ich Ihnen gerne zeigen. Ich hatte in allen Fächern, also auch in Deutsch ein „Sehr gut“.
Der Mitarbeiter der Arbeitsvermittlungsagentur gab jedoch nicht nach. Noch lächelte er mild, während er Albert antwortete.
„Herr Salomon, ich weise noch einmal darauf hin, dass Sie in Russland geboren sind, mithin russischer Muttersprachler sind. Außerdem ist es für uns unwichtig, ob Sie in irgendeinem anderen Land eine gute Zensur in Deutsch erhalten haben. Bei uns zählen nur die anerkannten Zertifikate. Sie müssten mindestens ein Sprachniveau der Stufe B1 oder B2 haben, um auf dem ubequitanischen Arbeitsmarkt bestehen zu können. Haben Sie ein entsprechendes Zertifikat?“
Albert versuchte es ein letztes Mal, sein Gegenüber zu überzeugen.
„Aber Herr Winkelmann, Sie hören doch, dass ich gut deutsch spreche. Auch verstehe ich jedes Wort, das Sie sagen. Wozu also ein Deutschkurs?“
Das interessierte den korrekten Mitarbeiter der Arbeitsvermittlungsagentur jedoch herzlich wenig. Er hatte seine Vorschriften und sah keinen Ermessensspielraum in diesem Fall. Eigentlich sah er in Ausübung seines Amtes nie einen Ermessensspielraum, denn er war schließlich ein guter ubequitanischer Beamter, der sich ganz fest an seine Vorschriften hielt. Es sollte niemand über ihn sagen können, dass er die Gesetze und Verordnungen nach eigenem Gutdünken auslege.
Nachdem Herr Winkelmann eine Weile auf der Computertastatur getippt hatte, druckte er ein Formular aus, das er Albert über den Schreibtisch reichte.
„Damit haben Sie die Berechtigung, einen von der Arbeitsvermittlungsagentur bezahlten Deutschkurs mit anschließendem Integrationskurs an einer zugelassenen Schule zu absolvieren. Eine Liste dieser Schulen finden Sie auf Blatt 2.“