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Wilfried Hildebrandt

Die Besserwisser auf der Flucht

Auf in die Zukunft

Es kam, wie es kommen musste. Der Zug war gerade eine halbe Stunde unterwegs, da kam der Schaffner und bat, die Fahrkarten vorzuzeigen. Reinhardt erwiderte etwas in einer Fantasiesprache, aber der Schaffner ließ sich davon nicht beirren. Er hatte in den vielen Jahren seiner Tätigkeit bei der Bahn schon häufig derartige Szenen erlebt. Er blieb beharrlich, wiederholte seine Aufforderung auf Englisch und hatte schließlich Erfolg. Simone griff in ihre Tasche und zu Reinhardts Beruhigung holte sie nicht die Pistole, sondern das Portemonnaie heraus. Somit blieb alles friedlich und Simone sprach in gebrochenem Deutsch: „Nak Munken, bittä“, während sie zwei Finger hochhielt. Damit konnte der Schaffner etwas anfangen. Er berechnete den Preis für die Tickets und zusätzlich die Nachlösegebühr. Simone zahlte und bekam die Fahrscheine.
Als sie alleine waren, seufzte Reinhardt: „Und in München werde ich endlich mein erstes Buch schreiben, veröffentlichen und damit groß herauskommen.“ Simone sah ihn zärtlich an und erwiderte: „Gewiss, Schatz, das wirst du.“
Während der Fahrt reiften in Reinhardt jedoch noch ganz andere Pläne. Aus dem Geschichtsunterricht wusste er noch, dass vor langer Zeit in München schon einmal eine große Bewegung ihren Anfang genommen hatte. Auch damals war ein verkannter Künstler die Hauptperson gewesen und Reinhardt nahm sich vor, zu versuchen, mithilfe der "Helden für Europa" eine ebensolche Karriere zu machen. Zwar wusste er, dass der größte Führer aller Zeiten ein ebenso unrühmliches Ende wie Bonnie und Clyde gefunden hatte, aber er, Reinhardt Düstermann, war ganz sicher, er könne es besser.
Er würde nicht einfach nur ein Buch schreiben, er hatte vor, Geschichte zu schreiben.