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Heribert Lange

Pakistan

Donnerstag, 19. August 1993 - Bürgerkrieg

In der Nacht ist die Temperatur wie bisher auf 21 °C gefallen und der Tag scheint heute kälter zu werden, denn es ziehen Wolken von Westen herauf. Wir frühstücken und werden kurz nach 9:00 Uhr im roten Werkstattwagen von einem Begleiter und einem der Fahrer aus dem Workshop abgeholt.
Die Post von Gilgit, nahe der Moschee, ist unser erstes Ziel. Ich brauche Briefmarken für meine Postkarten. Da ich keine übertriebene Lust verspüre, wieder vier Marken pro Karte zu verkleben, stürze ich mich in Kosten (23 x 7 Pfennige = 1,61 DM) und kaufe Marken à 10 Rupien. Die Briefmarken kauft man hier außerhalb der Post durch eine 10 x 10 cm große Luke, die sich in einem mit mehreren Gittern verbarrikadierten Fenster befindet. Mein 500-Rupien-Schein wird lang und eingehend geprüft und gottlob für echt befunden.
Auf unserem weiteren Weg zu der Buddha-Figur begegnen wir einem Polizeitrupp, der einen Mann abführt, der, wie wir später erfahren, einen anderen jungen Mann mit einem Messer erstochen hat.
Wir sind am Ziel. Unser Begleiter wird uns als Führer begleiten, während wir den Fahrer mit dem Wagen zurückschicken. Auf dem Weg zum Workshop soll er noch einen Kasten "Cold Drinks" besorgen und ihn ins Haus bringen. Wir machen uns auf den Weg. Zwei Jungs, der eine etwa sechs Jahre alt, ist barfuß und hat einen verletzten Fuß, der andere ist etwa neun Jahre alt, aus dem nahegelegenen Dorf wollen uns den Weg zum Buddha zeigen und werden so zum Führer für unseren Führer.
...
Plötzlich hören wir Schüsse von Gilgit heraufdringen, gefolgt wenige Minuten später von MG-Salven. Wir beobachten von hier oben, wie alle Straßen gesperrt werden, nur noch Polizei und Militär fahren umher, der Individualverkehr ist verschwunden und auch die Menschen sind nicht mehr auf den Straßen zu sehen. Heraufkommende Dorfbewohner informieren uns darüber, was vorgefallen ist: Die Verwandten des ermordeten Mannes hatten Rache genommen und in den Basaren sechs bis neun Menschen erschossen. Daraus ist nun ein Bürgerkrieg zwischen den Schiiten und Sunniten geworden. Unser Führer will nicht mehr weitergehen, da nun der Kanal kein Wasser mehr führt und somit auch die Vegetation nicht mehr vorhanden ist. Er will warten, aber auf was? Ein Wunder? Unser Wasservorrat ist zu Ende.