← Zurück zum Buch
Ruben Schwarz

Der Fuchs von Astnide

„Das war ein flinker Tod, Siegmund!“, rief der Burgherr ihm hinterher. „Wäre der Rotfuchs ein Däne, lägst du jetzt mit gespaltenem Haupt im Dreck! Wo war dein Schild? Morgen will ich ein besseres Werk an dir sehen!“

Der Burgherr rief Finn und einen anderen jungen Mann ins Rund des Platzes. Der andere war Siegmund. Er war etwas älter als Finn, aber einen halben Kopf kleiner, untersetzt und flink. Er schlief mit fünf anderen zusammen in der selben Kammer wie Finn. In Broich kannte man ihn als meisterlichen Possenreißer, jedoch war er mit dem Schwert in der Hand nicht zu unterschätzen. Finn rückte seinen Helm zurecht, der niemals richtig saß und an mehreren Stellen seinen Kopf drückte, und trat Siegmund gegenüber, das Schwert in der Hand. Dieser hob den runden Schild vor die Brust, welcher, wie der von Finn, aus hartem, mit Leder überzogenem Eichenholz bestand. In der Mitte trugen die Schilde einen eisernen Schutzbuckel, der den Griff verdeckte.
Über den Rand hinweg zwinkerte Siegmund Finn zu, während er einmal leicht mit der flachen Seite seines Schwerts gegen seinen eigenen Schild schlug. Auf ein Zeichen des Burgherrn begannen die beiden Kämpfer sich gegenseitig langsam zu umkreisen, die Schilde in der linken, die Schwerter in der rechten Hand. Finn machte den Anfang, trat einen schnellen Schritt vor und ließ seine Klinge gegen den Metallbuckel von Siegmunds Schild krachen. Der erwiderte den Streich mit einem Schlag, der jedoch Finns Helm knapp verfehlte, weil der sich schnell nach links drehte, so dass er seitlich zum Gegner stand. Er beugte sich leicht nach vorn, kehrte die Klinge und traf Siegmund mit einem schwungvollen Schlag aus der Hinterhand an der Hüfte, noch bevor dieser Finns mangelhafte Deckung ausnutzen konnte. Siegmund verzog das Gesicht und wich ein paar Schritte zurück. Bei ihren Übungen benutzten die Schildknechte Schwerter, deren Kanten nicht geschärft waren, dennoch waren Hiebe mit dem harten Eisen trotz der Panzerung schmerzhaft.
Siegmund senkte den Kopf und rannte auf Finn zu. Das Schwert hoch über dem Kopf gab er vor, einen Streich von oben herab auszuführen, aber im letzten Moment ließ er die Klinge blitzschnell sinken und hieb von der Seite in Richtung von Finns rechter Schulter. Der drehte sich im selben Moment nach rechts und parierte den Streich mit dem Schild. Eisen und Holz erzeugten ein dumpfes Krachen. Schon hatte Finn sich wieder nach links gedreht und drosch seine Waffe seitlich gegen Siegmunds Helm, der ihm vom Kopf flog und im Staub landete. Die Haare des Schildknechts hingen im wirr und verschwitzt ins Gesicht, und er stand für einen Moment wie benommen da.
Adalbert, der sich bisher unweit der Kämpfer passiv verhalten hatte, trat vor und hob den Arm, womit er den Streit beendete. Siegmund hob den Arm und wischte sich mit dem Rücken der Hand, in der er das Schwert hielt, über die Stirn. Hätte sein Helm keine Wangenklappen besessen, der Hieb hätte üble Folgen haben können.
„Wie hast du das wissen können?“, fragte er ohne Groll in der Stimme. „Wie konntest du den Streich parieren?“ Finn hob die Schultern.
„Ich hatte Glück“, log er. Sie begaben sich zu den Felsbrocken, wo die anderen Gefährten herumlungerten und machten anderen Kämpfern Platz. Siegmund ließ die abgestumpfte Spitze seiner Klinge über den steinigen Boden schleifen.