Frühstück mit Elvis
Regentropfen perlten von den Straßenlaternen, ein paar Leuchtreklamen schimmerten verschwommen und spendeten nur ein trübes Licht. Es war eine feuchtkalte Herbstnacht. In den meisten Häusern alles still und dunkel. Kneipen und Restaurants hatten bereits geschlossen. Sie lief schneller, stolperte mehrmals auf dem rutschigen Kopfsteinpflaster, wich einer Katze aus, die an ihr vorbeihuschte. Es war zu spät geworden. Viel zu spät. Habibi! Komm, bleib doch noch. Und da gab es so viel, über das sie sprechen wollte. So viel, das ihr auf der Seele brannte und lange Zeit ungesagt geblieben war. Es ging um Freiheit, um ihre persönliche und die ihres Landes. Um das, was sie sich bewahren wollte und was sie in dieser Zeit in der Fremde gelernt hatte. Dass sie nun in einem Land lebten, in dem man die Wahrheit sagen konnte und musste. So unangenehm die Folgen auch waren. Sie waren längst nicht in allem einer Meinung. Und dennoch konnte sie mit niemandem so gut reden.
Nur noch ein paar hundert Meter. Sie eilte weiter, überquerte den Platz. Vorbei an dem großen Denkmal, das zu dieser Stunde ganz eigenartig und bedrohlich wirkte, bog links in die Gasse ab und lief weiter. Sie rannte nun. Auf den Treppenstufen, die zur Kirche führten, kramte sie hastig nach dem Schlüssel, setzte ihre Tasche ab, beugte sich hinunter, um besser sehen zu können. Plötzlich vernahm sie eine vertraute Stimme. Sie drehte sich erstaunt um und erschrak.