← Zurück zum Buch
S.Sagenroth

Frühstück mit Elvis

Prolog

Regen­trop­fen perl­ten von den Stra­ßen­later­nen, ein paar Leucht­rekla­men schim­merten ver­schwom­men und spen­deten nur ein trübes Licht. Es war eine feucht­kalte Herbst­nacht. In den meis­ten Häu­sern alles still und dunkel. Knei­pen und Restau­rants hatten be­reits ge­schlos­sen. Sie lief schnel­ler, stol­perte mehr­mals auf dem rutschi­gen Kopf­stein­pflas­ter, wich einer Katze aus, die an ihr vorbei­husch­te. Es war zu spät ge­worden. Viel zu spät. Ha­bi­bi! Komm, bleib doch noch. Und da gab es so viel, über das sie spre­chen wollte. So viel, das ihr auf der Seele brann­te und lange Zeit un­gesagt ge­blie­ben war. Es ging um Frei­heit, um ihre persön­liche und die ihres Landes. Um das, was sie sich be­wahren wollte und was sie in dieser Zeit in der Fremde ge­lernt hatte. Dass sie nun in einem Land lebten, in dem man die Wahr­heit sagen konnte und musste. So un­an­genehm die Folgen auch waren. Sie waren längst nicht in allem einer Mei­nung. Und den­noch konnte sie mit nie­mandem so gut reden.
Nur noch ein paar hun­dert Meter. Sie eilte weiter, über­querte den Platz. Vorbei an dem großen Denk­mal, das zu dieser Stunde ganz eigen­artig und be­droh­lich wirkte, bog links in die Gasse ab und lief weiter. Sie rannte nun. Auf den Trep­pen­stufen, die zur Kirche führ­ten, kramte sie hastig nach dem Schlüs­sel, setzte ihre Tasche ab, beugte sich hi­nunter, um besser sehen zu können. Plötz­lich ver­nahm sie eine ver­traute Stimme. Sie drehte sich er­staunt um und er­schrak.