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NicoleSemilch

Clara - Time to get married

Kapitel 1 - 3 / Kapitel 6/7/14

Kapitel 1

Clara Channing

Drei Monate später:

"Haben wir auch an alles gedacht?", sprach Clara zu sich selbst, als sie auf dem Parkplatz an diesem sonnigen, leicht windigen Morgen, an ihrem Honda mit ihrem Oberkörper an der Motorhaube angelehnt, vor dem Geschäftsbüro von "Braven & Channing" stand. Sie hatte ihr Samsung - Handy auf der Motorhaube ihres schwarzen Hondas abgelegt und daneben ihr großes Notizbuch aufgeschlagen. Mit der linken Hand hielt sie die linke Heftseite fest, damit der leichte Wind nicht alles verblätterte. Die Sonne wärmte die Motorhaube und Claras Arbeitstag schien ein guter Tag zu werden. In der anderen Hand hielt sie ihren Stift und zeichnete alles mit einem schwarzen Haken ab, was sie bereits erledigt hatte.

Ihr langes, schwarzes, dichtes, dickes, glattes Haar reichte bis zur Rückenhälfte und war heute zu einem strengen Pferdeschwanz zusammen gebunden. Sie trug einen Stiftrock in der Farbe Beige und darüber eine weiße Bluse. An den Füßen trug sie beige Pumps mit einem Absatz von zehn Zentimetern in Größe achtunddreißig.

Clara Channing war achtundzwanzig Jahre alt und arbeitete seit zwei Jahren erfolgreich in einer Agentur für Event - und Weddingplaner. Ihr zur Seite standen ihre Chefin und ihr Chef, und mittlerweile beste Freunde, Alexander und Veronica Braven. Die beiden waren bereits fünf Jahre verheiratet.

***

Clara arbeitete damals in einem Brautladen "The right Dress", in dem Veronica ihr Hochzeitskleid fand und gekauft hatte. Clara hatte sie damals bestens beraten und war darin mit voller Leidenschaft aufgegangen, zeigte Ausdauer und Wertschätzung, sowie ausgezeichnete Beratung. Vor allem zeigte sie Veronica ihr großes Interesse daran, damit die zukünftige Misses Braven ein Kleid fand, in dem sie sich einen ganzen Tag lang wohl und glücklich fühlte...wie eine richtige Braut, die ihren schönsten und wichtigsten Tag in ihrem Leben feiern sollte.

Das gefiel Veronica an ihr, ihre ehrliche, offene Meinung kund zu tun und ihre Kundinnen zur Zufriedenheit zu beraten ohne das Ziel und die Wünsche der Braut aus den Augen zu verlieren. Somit bat sie Clara höflich, wenn die große Feier vorbei sei, mit in ihrer Agentur zu arbeiten. Sie lud Clara damals auch an diesem besonderen Tag ein, um sich ein Bild davon zu machen, was in Zukunft auf sie zukommen mochte.

Somit hatte Clara vorerst zwei Jobs: Vormittags arbeitete sie im Brautladen und Nachmittags war sie in der Agentur. Und wenn keine Hochzeiten am Wochenende statt fanden, hatte sie Samstags und Sonntags frei.

Das Handy vibrierte und Clara nahm es zwischen ihre Finger. Sie entsperrte das Display und legte das Handy an ihr rechtes Ohr. "Guten Morgen Miss Owen! Haben sie sich entschieden aus welchen Blumen ihr Brautstrauß bestehen soll?" Clara notierte sich ein paar Stichpunkte in ihr Heft. "Sollen das auch dieselben Blumen für die Tischdeko und Blumenkübel sein oder wünschen sie eine andere Wahl dafür?" Clara wollte ihre Kundinnen und Kunden stets zufrieden stellen und ihnen einen perfekten Tag präsentieren mit einer passenden, gewählten Location und mit frischen, gut riechenden Blumen...meistens waren es immer die Lieblingsblumen der Bräute, die für einen Strauß, für ein Gesteck für die Tische oder für ein Geflecht ausgewählt wurden oder Blüten ihrer Lieblingsblumen, die die kleinen Blumenmädchen vor sich her streuten.

"Die Einladungen waren für sie in Ordnung?...Haben sie es mit ihrem zukünftigen Ehemann abgesegnet? Wenn ja, kann ich sie nachher bei ihnen abholen und zum Drucken freigeben...Wir könnten sie auch per Email verschicken. Das wäre ein schnellerer Weg an die eingeladenen Gäste, da ihr euch kurzfristig für eine Heirat entschlossen habt. Dann sind sie viel schneller vor Ort. Wir stellen dann nur noch den Lesebericht der Email ein, damit wir auf Nummer sicher gehen können, dass sie auch wahr genommen wurden. Dadurch wäre eine kleine Rückmeldung der Gästeschneller garantiert. Wir haben nicht mehr viel Zeit bis zur Hochzeit....Ich treffe mich gleich mit dem Catering vor Ort bei der Location...Ja, ich melde mich bei ihnen, wenn ich dort wieder losfahre...Wir sehen uns dann heute Nachmittag gegen vier Uhr in der Kirche...." Clara nickte kurz auf eine Antwort in der Leitung. Sie klemmte sich das Handy zwischen Schultern und Ohr und notierte kurz ein paar Infos, die sie von dem zukünftigen Ehepaar soeben noch erhielt.
Sie hätte das Handy auch auf Laut stellen und auf die Motorhaube legen oder auf ihr Notizbuch ablegen können. Aber sie handhabte es gerne so. "Dann hätten wir alles soweit für heute besprochen, Miss Owen. Ich schaue gleich bei ihrer Location vorbei und schaue nach dem Rechten, wie weit die Vorbereitungen für Samstag voran geschritten sind. Danach komme ich zu ihnen...Lassen sie sich überraschen..." Clara segnete abermals etwas ab.

"Sind sie schon beide aufgeregt, Milla?", fragte Clara noch schnell nach. Sie konnte die vibrierende Stimme von Miss Owen am anderen Ende der Leitung hören. Manche sind die Ruhe selbst vor dem großen Ereignis. Andere wiederum sind aufgeregt und können sich auf nichts mehr konzentrieren und sind dann froh und erleichtert, wenn der große Tag endlich vorüber ist. Milla war wohl eine von denen, während ihr Bald - Ehemann die Ruhe selbst zu sein schien. Aber das kann sich noch ein paar Stunden vor dem Ja -Wort ändern.

Clara legte auf, nachdem sie sich von Milla verabschiedet hatte. Dann legte sie ihr Handy beiseite, überflog nochmal ihre Stichpunkte ihres Planes für den heutigen Tag und räumte alles zusammen und von der Motorhaube herunter. Sie öffnete die Beifahrertür und legte alles ordentlich auf den Beifahrersitz zu ihrer schwarzen Handtasche. Dann warf sie die Tür zu und lief um den Kofferraum herum. Auf der Fahrerseite stieg sie ein und tauschte ihre Schuhe gegen bequeme Ballerinas in Beige ein. Die Zehn - Zentimeter - Pumps aber stellte sie ordentlich vor den Beifahrersitz und startete den Motor. Sie schnallte sich an, verband ihren Honda - CD Player mit ihrem Handy mit Bluetooth und wählte ihre Playlist für die Fahrt aus, angefangen mit dem Song von Major Lazar & DJ Snake "Lean on". Sie drehte laut auf, setzte ihre Sonnenbrille auf und warf einen Blick in den Rückspiegel. "Na dann woll'n wir mal!", sagte sie zu ihrem Spiegelbild und fuhr aus der Parklücke des Gewerbegebietes zur Straße hin. Sie blieb an der Ausfahrt stehen, setzte den Blinker nach rechts an und wartete geduldig, bis die fünf Pkws von links vorbei gefahren waren. Als die Sicht frei war, fuhr sie auf die Straße rechts herum, passte sich der vorgegeben Geschwindigkeit an und sang und wippte auf ihrem Fahrersitz im Takt mit. Sie liebte Musik und tanzte auch leidenschaftlich gern dazu, aber nur, wenn ihr niemand dabei zusah.

Von unterwegs zur Location rief sie den Blumenladen über ihren Bordcomputer an, der sich auf dem gleichen Gewerbegebiet befand wie die Agentur. Für die Männer gab es ebenfalls ein Geschäft auf dem Gewerbegebiet, wo sie ihre Anzüge und passende Schuhe anprobieren, bestellen und kaufen konnten. Die Besitzerin des Blumenladens und die Bravens arbeiteten ebenfalls schon seit fünf Jahren zusammen. Sträuße, Gestecke und Blumenkörbe wurden dort bestellt und gemeinsam mit dem zukünftigen Brautpaar entworfen. Von der Agentur gegenüber gab es eine kleine Nähstube, die Veränderungen jeglicher Art anbot: Hosenbeine kürzen oder umnähen, Kleider, Röcke enger nähen oder erweitern, Gardinen und Vorhänge abändern und und und...und nicht zu vergessen: Anzüge und Hochzeitskleider passend verändern oder noch ein paar Kleinigkeiten annähen, wie Spitze, Tüll, Perlen oder kleine Röschen.

Alle Geschäfte darauf waren in einem großen Halbkreis angeordnet. Bepflanzte Blumenkübel und Beete zierten den Parkplatz. Mehrere große Birken und eine Weide, unter denen Bänke zum Verweilen im Schatten einluden, spendeten dem Parkplatz und den Geschäften auf dem Gebiet eine Menge Schatten.

Für Clara war dies der schönste Ort und der schönste Job...ihr Traumjob, seit sie als Kind davon geträumt hatte. Alles drehte sich um das eine große Ereignis: die Traumhochzeit
Clara war glücklich, wenn sie einem frisch getrautem Ehepaar den Weg mit einer großartigen, unvergesslichen Party ins neue Leben ebnete und während der Vorbereitungen oder während der Feierlichkeiten neue Kunden an Land zog. Wie oft waren ihr die Tränen des Glücks und der Freude über ihre Wangen gerollt, wenn die Brautpaare ihre Reden, Versprechen und Gelübde vor dem Altar in den Kirchen oder in den Standesämtern bis zum großen Auftritt probten und die Organisation der Agentur ein voller Erfolg war.

Während ihre Kunden und Kundinnen arbeiteten, kümmerte sie sich mit Veronica und Alexander um die Gestaltung, Dekoration, Hochzeitstorte, Musik. Das Fotografieren übernahm Alexander und Veronica kümmerte sich um die Videos von der Feierlichkeit und Termin, ein Moderator, wenn angefordert, der alle durch den Abend führt mit einem kleinen Programm, Koordination, Kalkulation, einen geeigneten Catering - Service, einen Trauredner, das Makeup und die hochgesteckte, verzierte, gelockte Frisur der Braut und der Anzug des Bräutigams, für das Drucken der Einladungen.

Und das Allerwichtigste war für die Braut das überwältigende, umwerfende weiße Kleid, für den Bräutigam der Anzug und für das Brautpaar und deren Gäste eine Unterkunft im Hotel, Gasthaus, Pension und die passende Location für einen stressfreien, unvergesslichen, traumhaften Tag.

Und was manchmal für Männer ganz dringend nötig war: ein Tanzkurs für den Eröffnungstanz, damit der Bräutigam sich nicht vor seiner Braut, vor ihren und seinen Eltern und vor den Gästen blamierte.

Das Alles wurde jedoch mit dem Brautpaar vor dem wichtigen, großen Tag in einem längeren Zeitraum besprochen und abgesegnet. Nur der Tanzkurs für den Mann, der war heimlich, um die Braut damit zu überraschen. Jeder weitere Wunsch wurde notiert und festgehalten. Letztendlich gab es für alles ein Budget, das eingehalten und ausgegeben wurde.

Auf der Landstraße war es recht ruhig, kein großer Verkehr. Clara fuhr mit ihrem schwarzen Honda hinter zwei PKWs und behielt die vorgeschriebene Geschwindigkeit bei. Ihr Blick fiel ab und zu in den Rückspiegel oder in den Seitenspiegel der Fahrerseite, ob sich Motorräder, Busse oder LKWs näherten. Sie erschreckte sich nämlich jedes Mal, wenn eines dieser lauten, großen und schnellen Fahrzeuge sich hinter sie setzte und sich zum Überholen bereitmachte.

Sie fuhr nicht gern im Windschatten, denn dann wurde sie etwas in ihrem Honda hin und her geschüttelt und sie drosselte deswegen immer wieder die Geschwindigkeit. Sie hasste es, solche langen, unbekannten Strecken allein fahren zu müssen. Manchmal wünschte sie sich, dass jemand neben ihr auf der Beifahrerseite saß und mit ihr gemeinsam diese Touren bewältigte. Stella könnte ja vielleicht mit ihr fahren. Stella war die Visagistin und Friseuse der Agentur, die ihren Salon in der Agentur hatte. Beide Parteien waren mit einer Glastür getrennt. Trat man in die Agentur ein, bog man rechts ab und stand zehn Schritte weiter vor der Glastür des Friseur- und Beautysalons.

Bei ihrem nächsten Blick in ihren Rückspiegel näherte sich von ganz hinten ein schwarzes Cabriolet. Es kam schnell und zügig heran. Clara wurde unruhig auf ihrem Sitz. Wieder so ein Raser, der denkt, ihm gehöre die Straße. Und das Fahrzeug des Herannahenden schwenkte knapp hinter Clara aus und überholte sie ohne den Blinker anzusetzen. Der Fahrer fuhr kurz auf gleicher Höhe mit Claras Honda und würdigte ihr eines Blickes aus dem Beifahrerfenster und lächelte sie an. Dann gab er Gas und zog an ihr gänzlich vorbei.

Er machte sich wohl einen Spaß daraus und drückte beim Überholen auf seine Hupe. Clara zuckte bei der Lautstärke innerlich zusammen. "Ui!", kam es aus ihrer Kehle erschrocken heraus. Der Raser hörte erst damit wieder auf, als er an der Spitze fuhr. Danach gab er nochmal ordentlich Gas und verschwand aus den Blicken der anderen Fahrer, auch aus Clara ihrem.
"So ein Idiot!", fluchte sie laut und hielt sich wieder mit beiden Händen am Lenkrad fest. Sie hatte vor Schreck eine Hand zurückgezogen, als der Raser die Huperei begonnen hatte. "Dem wünsche ich in der nächsten Kurve einen Crash, dass ihm dieses erbärmliche Grinsen vergeht! Angeber!", brüllte sie über ihr Lenkrad Richtung Frontscheibe. "Nur weil er ein Cabriolet fährt, heißt das noch lange nicht, dass ihm die Straße gehört!", murmelte Clara nun vor sich leise fluchend hin. Sie drehte das Radio etwas lauter und sang den nächsten Song ihrer Playliste von den Bee Gees laut mit: "This is the night fever, night fever...", und fuhr weiter die Straße entlang.

*******
Kapitel 2

Das Hotel Summerbeach

Auf dem Parkplatz des Strandhotels "Summerbeach" herrschte bereits reges Treiben. Clara parkte ihren Honda gleich neben dem Catering - Service, der heute auch vor Ort war, um mit ihr und dem Koch der Hotelküche das Menü und die Speisenfolge zu besprechen, das Essen, das Braut und Bräutigam für ihre Gäste ausgewählt hatten.

Eine Mitarbeiterin vom Blumenladen war ebenfalls anwesend, damit Clara mit ihr über die Anzahl der Blumenkübel, die zu bepflanzen waren, reden konnte. Auch für die Tischdeko musste gesorgt werden. Selbst das Hotel half mit Tischen, Stühlen und Bänken aus, die sonst für solche Anlässe gelagert wurden. Alle waren voll bei der Arbeit für dieses große Ereignis am kommenden Wochenende.

Clara öffnete ihre Autotür, streckte ihren rechten Arm nach der Beifahrerseite aus und griff nach ihren beigen Absatzschuhen. Sie wechselte die Ballerinas gegen sie aus und stellte die flachen Schuhe ordentlich vor den Fahrersitz, um sie später wieder anzuziehen, wenn sie nach getaner Arbeit nach Hause fuhr.

Clara klemmte sich ihren Schreibkram unter ihren linken Arm, stieg aus und hatte gerade ihren Schließmechanismus für ihr Auto per Fernbedienung betätigt, als sie hinter sich auf dem Parkplatz einen Motor laut aufheulen hörte. Sie sah über ihre linke Schulter. Der Wind wehte ihr ein paar Haare ihres Pferdeschwanzes in die Stirn. Mit ihrer rechten Hand warf sie sie wieder über die Schulter nach hinten.

Es näherte sich ein schwarzes Cabriolet in einem Affenzahn, dessen Scheinwerfer leuchteten. Er setzte den Blinker für das Links - Abbiegen und zog das Auto scharf mit quietschenden Reifen herum und fuhr nach hinten auf das Gelände des Hotels, wo sich die Privatparkplätz und für die der Angestellten befanden.
Clara sah ihm nach. War das nicht das Fahrzeug, das sie vorhin überholt hatte mit diesem widerlich, grinsendem Idioten? Nein, sicher nicht! Es gab noch mehrere Modelle von dem Fahrzeug, auch in dieser Farbe. Und das Nummernschild hatte sie sich auch nicht angesehen oder gemerkt. Das wäre ja wohl ein Unding, wenn das der Fahrer von vorhin wäre. Clara verschwendete keinen Gedanken mehr darüber. Sie war zum Arbeiten hier, denn bis Samstag dauerte es nicht mehr allzu lang. Also mussten sich alle sputen.

Clara setzte ihre Sonnenbrille auf und mit der linken Hand hielt sie ihr Handy fest. Als sie die Lobby betrat, sah sie sich darin um. Mehrere Palmen in großen Terrakotta - Töpfen standen an großen Säulen, die bis an die Decke gebaut waren, erregten ihre Aufmerksamkeit. Wände, Säulen, die Decke der Lobby und der Fußboden waren in der Farbe des Sandes gehalten. Die Empfangstheke war in einem hellen Braunton anzusehen. Es war eine halbrunde Empfangstheke.
Ein älterer, etwas rundlicher Mann in einem schwarzen Anzug und einem ergrautem Haarkranz um seinem Kopf, sowie ein Schnauzbart, der sein Gesicht zierte, kam auf sie zu. Als er vor ihr zu stehen kam, fragte er sie: "Guten Morgen! Sind sie Miss Channing von der Agentur Braven & Channing?"
Clara beäugte ihn neugierig, bis sie antwortete. "Ja die bin ich! Sind sie...Sind sie Mister Mario Banks?..."
Er nickte mit einem freudigem, herzhaftem Lachen.
"Guten morgen! Ich hoffe, ich komme nicht zu spät, Mister Banks!", fragte sie ihn etwas aufgeregt, denn sie hatte eigentlich seine Frau erwartet. Sie gedachte Clara herum zu führen und alles zu zeigen. Doch in letzter Minute war sie von dem Termin abgesprungen. Clara gab ihm ihre rechte Hand zur Begrüßung und er drückte sanft zu und lächelte sie beherzt an.

"Ja, der bin ich! Willkommen im Hotel Summerbeach. Wir haben heute morgen miteinander telefoniert, Miss Channing! Tut mir leid, dass meine Frau mir kurzfristig die Aufgabe auferlegt hat, sie mit allem vertraut zu machen. Sie hat etwas Wichtiges vergessen einzukaufen. Sie weiß, dass sie heute kommen! Nach unserem Telefonat hab ich sie gleich verständigt. Doch ihr fielen tausend Sachen ein, die sie noch schnell erledigen muss. Und sie ist auf und davon. Sie bat mich sie herum zu führen. Na kommen sie! Legen wir gleich los.", entschuldigte er seine Frau und fragte Miss Channing amüsiert: "Sind sie schon etwas aufgeregt? Hier wird es am Wochenende rund und laut zu gehen."

Clara steckte ihr überraschtes Gesicht weg und legte eine freundliche Miene auf. "Wir können nur hoffen, dass das Wetter mitspielt, Mister Banks!..."
"Kommen sie Miss Channing!", und sie folgte ihm. Es war ein Katzensprung vom Hotelhaupteingang bis zum Empfang, an den er Clara nun führte.

"Machen sie sich keine Sorgen Miss Channing! Es wird ein strahlender Sonnenschein und außerdem soll es warm werden!" Dann ließ er sich von dem Burschen am Empfang die Post aushändigen. "Bitte schön Miss Channing! Hier entlang!" Mister Banks geleitete Clara noch bis zum Salon, durch den sie auf die Terrasse und zum Strand gelangte, wo bereits alle emsig für die Hochzeit arbeiteten.

"Wie ich sehe, sind sie mit den Vorbereitungen gut vorangekommen, Mister Banks!"

"Ihre Anordnungen, die sie meiner Frau gemailt haben, waren klar und deutlich, Miss Channing!", belächelte er charmant die Situation.

"Es ist schön hier zu sein. Es ist ein wundervoller Ort, um zu heiraten.", und sie ließ ihre Augen durch die Lobby schweifen. "Ihre Lobby gefällt mir. Der Farbton Terrakotta ist gut gewählt für ein Hotel am Strand Mister Banks!", bevor sie den Salon betrat.

"Ich freue mich sehr, ihnen meinen Strand und das Hotel für die Hochzeit zur Verfügung zu stellen, Miss Channing! Es ist mir eine große Ehre, von ihnen ausgewählt worden zu sein! Sie haben ein gutes Auge für so etwas!", schwärmte der Hoteldirektor.

"Sie schmeicheln mir Mister Banks! Aber ich danke ihnen für dieses Kompliment!", bedankte sich Clara bei ihm mit einem trauten Lächeln im Gesicht.

Mister Banks schaute auf sie herab und lächelte sie charmant an. "Sagen sie mir, was sie für die Hochzeit benötigen und ich werde sehen, was ich für sie und die Hochzeitsgesellschaft noch tun kann.", bot er ihr seine Hilfe an.

"Oh! Da wäre eine ganze Menge, die ich von ihnen benötigen könnte! Ich brauche Zimmer. Hier ist die Liste der Übernachtungen ." Clara öffnete ihren Ordner und zog ein bedrucktes Blatt heraus und gab es Mister Banks. Er griff danach und überflog es kurz. "Damit werde ich gleich die Zimmer herrichten lassen. Vielen Dank Miss Channing!", zwirbelte er nebenbei an seinem Schnauzer.
"Ihren Koch würde ich mir auch gern ausleihen dürfen. Mein Catering - Service kocht in ihrer Hotelküche die Menüs und könnte die Hilfe und Kochkünste ihres Meisterkoches gebrauchen. Ihre Frau gab uns per Mail dafür ihre Bestätigung!", und sie händigte ihm noch das Schreiben seiner Frau aus. Er sah ebenfalls nur ganz kurz auf das Stück Papier. "Mister Banks! Wir werden noch Belehrungen und Regeln durchgehen müssen. Am besten ist es, wenn wir alle versammeln, damit einer nicht am Ende sagen kann, er wüsste von nichts oder hätte noch nie von irgendetwas gehört! Haben sie vielleicht einen großen Konferenzraum für uns zur Verfügung, Mister Banks?", begann Clara höflich mit dem Hoteldirektor zu verhandeln.

"Ja sicher haben wir den! Mein Sohn Parker müsste hier bald aufschlagen, der ihnen den Konferenzraum zeigen kann. Er kümmert sich um das Geschäftliche hier im Hotel. Schließlich übernimmt er das alles hier einmal. Sie können Ihn auch bei jeder Gelegenheit um Hilfe bitten!", konnte er hocherfreut berichten.

"Danke sehr!", und Clara folgte ihm stutzig durch den Salon. Sein Sohn? Der Mann hatte noch einen Sohn? Oh Gott! Der Mann hat noch Kinder! Na das kann ja heiter werden!, dachte sich Clara ganz leise in ihren Gedanken.

Der Salon war weiß angestrichen. Hier waren ebenfalls wie in der Lobby mehrere Säulen vom Boden bis zur Decke. Bodentiefe Sprossenfenster mit weißem Rahmen luden die Gäste ein, die Aussicht zum Strand und Meer zu genießen. Weiße Möbel befanden sich darin, runde Tische mit weißen Tischdecken, weiße Stühle und ein weißes Büfett mit weißen Tischdecken ausgelegt, standen für die Hochzeit bereit. Lange, weiße Schals, mit einem leichten Touch Sandfarbe, hingen an goldenen Gardinenstangen von der Decke bis zum Boden herab.

Mister Banks führte sie zum Ausgang der zur Terrasse führte, nachdem Clara sich im Salon umgesehen hatte, versprach er ihr, später nochmal nach ihr zu sehen. "Ich lasse sie jetzt allein mit ihrer Arbeit, Miss Channing! Falls sie etwas benötigen, schicken sie bitte nach mir.", und er ließ sie allein zurück, nachdem sie sich noch bei ihm bedankt hatte.

Nun stellte sie sich die Frage, wie weit man mit den Vorbereitungen am Strand war. Wir werden sehen.

*****

Kapitel 3

"Si" Lo do! - Ja! Ich will!"

Clara sah dem Hoteldirektor noch nach, wie er durch den Salon zurück in die Lobby ging. Sie lächelte vor sich hin und starrte durch die verschlossene Sprossen bestehende Glastür hinaus auf die Terrasse. Danach öffnete sie diese und trat hinaus. Mit weißen Marmorfliesen war der Boden bedeckt. Weiße offene Sonnenschirme standen neben runden weißen Tischen und Stühlen. Sie fühlte sich wie in der Werbung für Raffaelo. Mister Banks mochte sicher die Farbe "Weiß", denn auch das Geländer um die Terrasse herum war in dieser Farbe angestrichen. Daran hingen bereits die weißen Bordüren aus Leinen für die Hochzeit und jeweils in der Mitte war eine rote Rose befestigt. Mein Gott! Mister Banks hatte keine Kosten gescheut für so eine luxuriöse Terrasse.

Clara schaute auf den Boden und zog sich lieber ihre Absatzschuhe aus. Sie fand es schade, mit ihren Schuhen auf dem Marmor herumzulaufen. Es könnten Kratzer durch ihre Absätze in den Marmor geschnitten werden. Also marschierte sie barfuß darüber hinweg geradewegs zur Treppe. Sie konnte die gespeicherte Wärme der Sonne auf dem Marmor unter ihren Füßen spüren. Sie verließ die Terrasse über die Treffenstufen zum Strand hinunter, wo sich die große Tribüne befand, auf der das Brautpaar am Wochenende, also in zwei Tagen, sich das Ja - Wort geben wird.

Links und rechts, von den Treppenstufen zur Terrasse, waren weiße Stühle, in jeder Reihe waren fünf und nach hinten weg in einer Achterreihe aufgestellt. Weiße breite Bänder zierten die Lehnen mit einer kleinen roten Rose und einem grünen Zweig daran. Insgesamt achtzig Stühle müssten nun stehen. Auf der Tribüne standen zwei große weiße Bögen, wie ein unbedachtes Haus. Doch oben drauf war ein großes weißes Schutzdach aus weißen Leinen gespannt worden. Die Pfeiler der Bögen waren ebenfalls mit weißen, dickem Leinen versetzt, umschlungen worden. Weiße Rosen mit einem grünem Zweig waren daran befestigt. Auch der Pult für den Redner, der das Paar trauen würde, war geschmückt mit Bändern und Rosen, in den Farben rot - weiß gehalten.

Links und rechts neben dem Pult standen zwei große, antike, weiße Blumenvasen, in denen weiße und rote Rosen blühten und eins, zwei weiße und rote Bänder hinein geflochten.

Der Weg von der Treppe der Terrasse bis zur Tribüne, war aus Holz, aus Douglasie, ungefähr einen Meter breit ausgelegt. Darauf wurde gerade ein weißer Teppich ausgerollt. Links und rechts vom Weg war ein Geländer aufgebaut worden, das soeben mit weißem, dicken Schleifenband verschönert wurde.

Clara hatte das alles von der Terrasse aus in Augenschein genommen und ging nun barfuß die Treppenstufen hinunter, um sich alles von Nahem anzusehen. Es war wunderschön anzusehen. Selbst Clara klopfte das Herz bis zum Hals, als sie ihre Blicke über die Vorbereitungen am Strand schweifen ließ. Sie war gespannt auf die Reaktion von Milla und Barkley, wenn sie das hier alles am Samstag zum ersten Mal sehen. Ja! Sie vertrauten Clara und der Agentur voll und ganz. Aber wie gesagt, es wurde alles abgesprochen. Clara trat vorsichtig mit dem rechten Fuß auf den ausgerollten weißen Teppich und dann mit dem Linken. Die linke Hand legte sie auf das Geländer, sie schloss ihre Augen und begann die Musik der Hochzeitszeremonie leise vor sich hin zu summen. Schritt für Schritt lief sie langsam im Takt, wie es die Braut immer zu tun pflegte, auf den Pult zu. Wieder sah sie sich in ihrem Kindheitstraum in einem weißen Kleid die unendlichen Stufen hinauf zur Kirche laufen. Leise versuchte Clara die Schritte der Braut im Kopf mitzuzählen, die sie von den Treppenstufen bis hin zur Tribüne zu überwinden hatte. Während sie die Schritte nach vorn wagte, konnte sie die kühle Brise des leichten Windes vom Meer her spüren, der ihr Gesicht streifte. Sie konnte das salzige Meer riechen und die Wellen heranrollen hören und wie sie an den kleinen Felsen in der Nähe des Strandes zerschellten. Es waren eine Menge Schritte bis zum Ja - Wort. Eine Menge Weg, um immer noch kalte Füße zu bekommen und beizeiten die Reißleine zu ziehen und abzuhauen. Aber das war bisher noch nicht vorgekommen. Solange Clara in diesem Geschäft war, noch nicht.

In ihren Gedanken hörte sie schon das "Ooooh!" und das "Aaaah!" und das Raunen der Hochzeitsgäste und den Beifall, den sie alle klatschen würden, wenn die Braut diesen langen Weg in Begleitung ihres Vaters zu ihrem zukünftigen Ehemann, der am Altar auf sie wartet, bestreitet und ihren Brautstrauß fest in ihrer linken Hand umklammert hält und die lange Schleppe hinter ihr her rauschte. Genau wie solche Sätze:
"Oh! Was für ein schönes Kleid!..."
"Die Frisur sitzt wie angegossen!..."
"Sie sieht fabelhaft und wunderschön aus...makellos!..."
"Sie sieht aus wie eine Prinzessin...wie eine richtige Märchenbraut!..."
"Einfach nur traumhaft!", konnte sie schon in ihrem Kopf hören.

Clara merkte, dass sie der Tribüne immer näher kam. Da sie in Richtung Strand aufgebaut war, konnte sie die etwas kühler werdende Luft auf ihrer Haut spüren. Sie blinzelte ein klein wenig durch ihre Augen und kniff sie wieder zu. Ein Florist, der auf der Tribüne die letzten Vorbereitungen traf, rief ihr zu: "Noch fünf Schritte, Miss! Dann kommen die Stufen zur Tribüne."

"Ich danke ihnen!", rief sie freundlich mit geschlossenen Augen zurück. Somit wusste sie in etwa, wann sie anhalten musste, weil sie ja ihre Augen geschlossen hielt, um sich in die Lage der Braut versetzen zu können, wenn sie diesen Weg zum Altar bestreitet.
Sie hörte noch, wie der Florist jemanden grüßte und sich dann wieder seiner Arbeit widmete: "Guten Morgen Mister!" Jemand hatte offenbar die Tribüne betreten. Sie zählte bis fünf, drehte sich mit der linken Seite zur Tribüne, als würde sie jemandem gegenüber stehen und begann leise zu flüsterten : "Wollen sie, Barkley Chambers, die ihnen angetraute Milla Owen zu ihrer rechtmäßigen.....", und dann ging sie den anderen Text durch. "Wollen sie Milla Owen...Barkley Chambers zu ihrem rechtmäßigen Ehemann nehmen? Ihn lieben und ehren...So antworten sie mit:

JA! ICH WILL!",

beendete sie ihre kleine Rede im Flüstermodus mit immer noch geschlossenen Augen. Und plötzlich bemerkte sie einen kleinen Windhauch mit einem Schuss Hugo Boss - Geruch. Es verwirrte sie etwas. Doch sie dachte, der Florist, der zu ihr gesprochen hatte, wäre an ihr vorbei und verließ die Tribüne. Plötzlich antwortete ihr jemand gegenüber, ganz nah, mit rauer, tiefer, fester Stimme auf italienisch an ihrem rechten Ohr:

"Si, lo so!...Ja! Ich will!"

Clara hielt die Luft an. Es war eine ihr fremde, unbekannte Männerstimme, die neben ihr diesen Satz flüsterte und dazu noch in einer anderen Sprache. Sie konnte seinen Atem nahe an ihrer Haut spüren...zu nahe möchte ich meinen. Verführerisch und erotisch zugleich stieg ihr sein Parfüm in ihre empfindliche Nase und sie schlug augenblicklich ihre Augen auf und sah sich gegenüber den Übeltäter stehen...Er war groß, circa einen Meter und Fünfundachtzig. Er hatte kurzes braunes, leicht gewelltes Haar. Er trug ein weißes Hemd, dessen Ärmel bis zu den Ellenbogen hoch gekrempelt waren. Er trug eine schwarze Anzughose mit einem schwarzen Gürtel gehalten. Er war ganz leise neben ihr aufgetaucht und schaute auf sie herab, auf ihre einen Meter und dreiundsiebzig...mit seinen Händen in seinen Anzughosentaschen vergraben und musterte sie interessiert.

Sie wirkte viel kleiner ohne ihre Absatzschuhe, die auf der ersten Treppenstufe bei der Terrasse standen. Auch Clara musterte ihn. Sein Oberkörper war muskulös und seine Augen waren...grau? Oder waren sie grün - grau? Clara war sich da nicht so sicher. Sie musterte ihn weiter mit ihren neugierigen Blicken. Was heißt hier musterte? Sie starrte ihn regelrecht an. Wer war er? Ist er ein Gast dieses Hotels? Er hatte dichte, lange, schwarze Wimpern und sein Gesicht zierte ein gut geschnittener, gepflegter Vollbart. Seine Lippen waren...leicht geschwungen. Sie hatte genug auf ihn gestarrt, schüttelte leicht ihren Kopf und fragte ihn verwirrt: "Ähm...Wie bitte?" Sie war über sich leicht verärgert, da sie ihn angestarrt hatte und legte ihren Kopf leicht geneigt nach links.

Doch der Mann verhielt sich still und seine Augen ruhten auf ihrem Gesicht. Ihm verschlug es wohl gerade die Sprache. Denn ihre grünen Augen funkelten wie grüne Smaragde. Er zog die rechte Hand aus seiner rechten Hosentasche, an dessen Armgelenk eine goldene Uhr saß und sah sie amüsiert an...und...Lächelte er sie etwa gerade an?

"Wer sind sie und was suchen sie hier?", fragte sie ihn, aber er lächelte nur in einem charmant fort und nickte mit seinem Kopf kurz zum Gruß. "Dasselbe könnte ich sie auch fragen, Miss!", und noch ehe sie antworten konnte, drehte er sich zum Gehen um.

Auf der rechten Seite neben den Stuhlreihen ging er langsam zum Hotel und setzte beiläufig seine Sonnenbrille auf. Sie starrte ihm noch einen Moment hinterher und schalt sich innerlich. Sie merkte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg, sogar ihr Puls schnellte etwas nach oben, während ihr Herz ein paar Freudensprünge zu vollbringen gedachte und ihre Schmetterlinge im Bauch verlangten dringend nach Ausgang. Sie bekam noch mit, dass er sein Handy aus der linken Hosentasche zückte und eine Nummer wählte, bevor er es sich ans Ohr legte. Er hatte bestimmt eine Freundin, die er gerade anrief, um sie womöglich zu fragen, wo sie gerade steckte oder was sie ohne ihn gerade tat. Seine rechte Hand steckte er zurück in die Hosentasche. Doch bevor er dies tat, fuhr er sich durch seinen Haarschopf, den er nun etwas durcheinander wühlte. Sein Haar war ja doch etwas länger, als Clara gedacht hatte. Er drehte sich noch einmal kurz zu ihr um und dann entschwand er ihren weit aufgerissenen neugierigen Augen.

Wer ist er?

Wörter: 1574

*****
Kapitel 6

"Und wer sind Sie?

Der nächste Tag:

Clara lief in der Hotelküche jede Kochstation ab, die sich um das Menü für die Hochzeit kümmerte. Nebenbei erstellte sie in ihrem Notizbuch die kleinen Menütabletts mit den kleinen Häppchen drauf, die während der Hochzeit von den Kellnern zwischendurch serviert werden sollten, wenn sie durch die Gäste gingen.
Sie zeichnete ein paar Skizzen in ihr Notizbuch, wie das Büfett gestellt werden sollte und auf welchem Platz des Büfetts welches Gericht zu stehen vermochte, wo das Besteck zu liegen hatte - schon auf den runden Tischen, an denen die Gäste ihre Plätze einnehmen würden oder mit auf dem Büfetttisch. Clara dachte und plante alles durch, bis in das letzte kleinste Detail. Sie hielt nach ihrem Rundgang in der Küche eine kleine Dankes - Ansprache an die Mitarbeiter und lobte sie für ihre gute, ausgezeichnete Arbeit. Alle klatschten ihr Beifall zu. Dann verließ sie die Küche.

Als nächstes betrat sie den Salon, in dem sich das Ereignis für einen ganzen Tag abspielen sollte. Eine Mitarbeiterin aus dem Hotel kam auf sie zu und übergab ihr die Platzkärtchen für die eingeladenen Gäste. "Die wurden heute morgen hier für sie abgegeben, Miss Channing!"
"Ich danke ihnen!" Clara griff nach dem Umschlag und las auf der Deckseite die Nachricht in schwarzen Buchstaben geschrieben. "Das sind unsere Platzkarten für unsere Gäste, Miss Channing! Ich hab sie heute morgen zur Agentur gebracht, bevor sie ihre Schicht antraten. Liebe Grüße...Milla!", las Clara den Text darauf, schmunzelte und öffnete ihn. Die Tischsitzkärtchen für die Gäste lagen also darin. Die Tische waren rund, an denen jeweils sechs Gäste Platz hatten. Sie inspizierte die Gestecke in der Mitte der fünfzehn Tische. Die Tischdeko bestand aus einem zwanzig Zentimeter hohem Cognac - Schwenker aus Glas, dessen Boden mit weißen Kieselsteinen ausgelegt war. In der Mitte stand eine weiße Kerze mit goldenen Punkten ringsherum verziert. Um die Kerze herum lag eine kleine Rosenkette mit weißen Rosen und weißem Schleifenband.

Mit Absprache des zukünftigen Ehepaares verteilte sie nun die Sitzplätze anhand der ihr zur Verfügung gestellten Platzkarten, die sie nun in ihren Händen hielt. "Na dann mal los!", sagte sie sich. Selbst diese Aktion hielt sie anhand ihrer Skizzen in ihrem Notizbuch fest.
Sie war mit dem ersten Tisch fertig, als sie wieder diese männliche, raue Stimme in ihren Ohren zu hören bekam. "Onkel Fallon?...", las er laut über ihrer rechten Schulter den nächsten Namen eines Gastes in ihren Händen vor, dessen Platzkärtchen sie gerade auf dem Tisch an den dazu gehörigen Stuhl abzustellen gedachte. Clara schloss schnell ihr Notizbuch und klemmte es sich an ihre Brust und wiederholte das, was die Stimme von sich gab. "Ja!...Onkel Fallon!..." Sie drehte sich zu der Stimme um und stellte die Frage. "Was spricht dagegen?...Ich höre!...Was ist mit ihm?"

"Ähm!...Nun ja! Sollte er nicht woanders sitzen?", fragte die Stimme sie. Parker Banks!!!... Natürlich!...Wer denn sonst? Musste er wieder seinen Senf dazu geben? Konnte er sie nicht einfach in aller Ruhe ihre Arbeit erledigen lassen? Musste er sich wieder einklinken? Hatte er nicht irgendetwas anderes zu tun, als ihre Zeit zu verschwenden? Sollte er doch zu dieser Rothaarigen gehen, die für ihn gestern, wenn es nach ihr ginge, auf dem Stuhl die Beine breit gemacht hätte und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Clara war erschüttert über ihren Gedankengang, der wohl von etwas Eifersucht geprägt zu sein schien. Er war ihr egal. Das hat sie ihm doch gestern ausdrücklich gesagt. Also weswegen sorgte sie sich eigentlich?

Sie riss sich zusammen und reagierte freundlich auf seine für sie überflüssige Frage. "Er ist verheiratet...mit seiner Frau...und das, was weiß ich wie lange schon. Also wird er brav neben seiner Frau sitzen und die Hochzeit genießen...und das genau neben seiner Ehefrau!", betonte Clara außerordentlich deutlich. "Keine Ahnung, was sie gegen ihn haben!"
"Sie kennen ihn wohl nicht?", fragte er sie herauslockend. Was wollte er ihr denn damit sagen?
"Ich weiß nur, dass er ein geladener Gast der Hochzeit ist. Also wird er seinen Platz neben seiner Ehefrau einnehmen! So, wie es das Brautpaar für ihn vorsieht, Mister Banks!", beendete sie die Diskussion um Mister Fallon.

"Neben seiner Ehefrau?", stutzte Parker.
"Jawohl! Neben seiner Ehefrau! Wieso eigentlich nicht? Was gefällt ihnen denn nicht an dieser Sitzordnung, Mister Banks?", entgegnete Clara genervt von seiner Anwesenheit.
Er beugte sich bis zu ihrem rechten Ohr herab und begann ihr etwas hinein zu flüstern. "Er hat eine Geliebte!" Clara zog entsetzt ihren Kopf weg. Parker stand ihr sehr nah. Es reichte ihr schon seinen Atem auf ihrer Haut zu spüren, der ihr hochkarätige Gänsehaut verursachte.
"Ist das so?", fragte sie ihn bestürzt.
Er grinste smart und antwortete mit einem festen: "Ja!"
"Das haben sie sich jetzt nur ausgedacht, dass ich die Beiden getrennt setze oder? Oder wollen sie mich in ein skandalöses Gespräch darüber verwickeln? Ich finde es nicht geschickt von ihnen, zumal ich die Fallons nicht persönlich kenne oder liege ich da falsch?"

Parker druckste etwas herum, ehe er ihr antwortete. "Sie liegen falsch, Miss Channing! Setzen sie die Beiden auseinander, sonst wird es Reibereien geben und die Hochzeit wird vorzeitig beendet sein. Und der schönste Tag des Brautpaares wird ruiniert! Finden sie nicht, dass sie etwas Schuld dazu beigetragen haben werden?"
"Ich habe meine Anordnung, Mister Banks! Wie kommen sie dazu, mir ins Handwerk zu pfuschen und nicht nur in meines, sondern auch in das des zukünftigen Brautpaares?" Clara stellte an Tisch "Drei" die Kärtchen im Kreis nach an die dazu gehörigen Plätze auf. Dann hielt sie in ihrer Arbeit inne und starrte Parker Banks an. "Glauben sie allen Ernstes, dass Misses Fallon die Hochzeit boykottiert und mit ihrem Geliebten hier auftauchen wird, nur um ihrem Ehemann zu beweisen, dass die langjährige Ehe zwischen ihnen von nun an beendet sein wird?...Finite?...Geschichte?", stocherte sie Parker grimmig von der Seite an.

"Pssst!...Pssst!...Reden sie etwas leiser darüber! Man kann uns hören!", stoppte Parker Clara in ihrer Philosophie.
Clara sah sich im Salon um und stellte fest, dass sie mit Parker allein hier drin war. "Was regen sie sich so auf? Ist doch keiner weiter da, der unser Gespräch hört!...Sie haben damit angefangen, schon vergessen?...Sagen sie mal, woher wissen sie eigentlich davon?...Weiß die Braut darüber bescheid, was ihre Tante Fallon so treibt?", fragte sie ihn schroff und wünschte sich insgeheim, dass er endlich aus dem Salon verschwinden würde.

"Ich höre so Einiges, Miss Channing! Entweder kommt sie mit ihrem Neuen oder bleibt ganz weg. Aber das glaube ich wohl eher nicht! Sie wird sich den Spaß und die Party auf keinen Fall entgehen lassen. Sie ist ein berüchtigtes Partygirl!", redete Parker drauf los und lief Clara die ganze Zeit hinterher. "Und was Onkel Fallon betrifft: Ihn habe ich selbst mit seiner neuen Geliebten erwischt...hier im Hotel...vor ein paar Monaten...in meinem Badezimmer...unter der Dusche...mit dieser Frau...nackt!", betonte er grinsend die kleinen Details
Clara stoppte ihn, denn sie hatte genug von Onkel und Tante Fallon gehört. "Okay! Das reicht!...Ersparen sie sich die Details!"

Er lief ihr nach und bombardierte sie weiter mit Einzelheiten über jeden Gast, bis sie auszuflippen drohte. "Okay! Schluss damit!", fuhr sie ihm über seinen Mund. "Woher kennen sie all diese Leute? Über jeden von ihnen haben sie etwas zu erzählen oder zu tratschen!
Sind sie vielleicht ein Reporter oder einer von den Paparazzi?", stellte sie ihm wütend diese Frage.

"Na gut! Wenn sie es unbedingt wissen wollen...Die Braut...Miss Milla Owen...ist meine Cousine, Miss Channing!", antwortete er ihr trocken, leicht amüsiert, mit seinen Händen in den Hosentaschen verstaut. "Ihre Mutter ist die Schwester meines alten Herren."
Clara drehte sich mit ihrem Gesicht weg von ihm. "Oooooh! Das erklärt natürlich so einiges!", raunte sie vor sich hin. Deshalb wusste er auch über alles und jeden Bescheid...vor allem über die Fallons

Plötzlich hörte Clara hinter ihrem Rücken Absätze, die ordentlich laut auf dem Parkett aufkamen und eilig darüber hinweg fegten. Eine etwas ältere Frau kam neben den Beiden zum Stehen und erhob ihre drohende Stimme. "Hier steckst du also? Da kann ich ja lange suchen! Was machst du hier, Darling? Ich suche dich schon überall! Und dann finde ich dich hier im Salon. Ich habe ein Hühnchen mit dir zu rupfen!", redete sie auf Parker ein, der sie nur ignorierte und an ihr vorbei sah. Sein Blick war auf den weißen Strand hinter diesen großen bodentiefen Sprossenfenstern gerichtet. Letztendlich fuhr er der älteren Frau über ihren Mund, als er genug gehört hatte. Der Frau schien es egal zu sein, dass Clara in der Nähe stand und jedes Wort ihrer Beschimpfungen vernahm.

"Mutter!...Wozu denn? Ich arbeite!", lenkte er nun doch die Aufmerksamkeit mit seine Händen in den Hosentaschen versenkt, auf diese Frau, die er - Mutter - nannte.

"Arbeiten? Nennst du das hier arbeiten?", fluchte sie. "Indem du hier sinnlos herum stehst?", zeigte sie mit ihrer linken Hand einen Kreis in die Luft. "Das ist nicht dein Ernst, Parker?" Sie klopfte ihm dabei heftig die Morgenzeitung auf seine Brust.

Die Frau war dürr. Ihre Knochen konnte man erkennen. Das Kleid, in Schwarz gehalten, schnürte sie ab wie Schneewittchen, kurz vor deren Ohnmacht. Ihre Oberweite war ziemlich an den Oberkörper gepresst und drohte über den oberen Rand des Kleides hinaus zu hüpfen. Ihre schwarz - leicht angegrauten Haare im Popschnitt lagen streng nach hinten gekämmt und mit viel Pomade zugeklebt an ihrer Kopfhaut. Die Schuhe trugen einen Absatz, der höher war, als die von Claras Pumps, die sie heute trug. Sie selbst hatte eine Länge von zehn Zentimetern an ihren Füßen. Doch die ältere Frau hatte mehr davon zu bieten. Ihr Gesicht war mit einer Menge Makeup zugeschmiert. Sie wollte wohl ihre Falten verbergen, die bereits ihr Gesicht zierten. Dachte sie etwa sich um so jünger zu präsentieren, was ohnehin nicht mehr möglich und aufzuhalten war?

Misses Banks schlug ihm die Morgenpost entgegen und fluchte, während die Zeitung an Parkers Oberkörper abprallte und zu Boden fiel. "Eines deiner Flittchen hat sich wieder mal gerühmt und euer Techtelmechtel öffentlich gemacht. Es steht alles hier drin.", und sie klopfte ihm mit der Zeitung auf seinen Oberkörper. "Wieder zehrt unser Ruf daran!", beklagte sie sich bei ihrem Sohn.

Wieder?, stellte sich Clara die Frage. Etwa die Rothaarige von gestern Abend?, ging es ihr im Kopf herum. Clara, die die ganze Zeit neben den Beiden stand, streckte mit einem leichten Lächeln Parkers Mutter ihre rechte Hand entgegen, um die angespannte Situation im Salon zu lockern. "Guten Morgen!", begrüßte Clara sie freundlich. Jedoch wurde ihr höflicher Gruß missbilligend von Parkers Mutter abgewehrt. Ihre Augen, deren Lider sich vor lauter Wimperntusche kaum offen halten konnten, musterten Clara von oben nach unten und wieder zurück.

Dann kam er...

Von ihr...

Diese verhasste, so eingebildet, arrogant und gleichgültige Frage zum Besten gegeben.

"Und. Wer. Sind. Sie?", fragte Parkers Mutter sie schnippisch und herablassend.

Wörter: 1791

*****
Kapitel 7

Beleidigungen und andere Verwechslungen

"Mutter? Darf ich vorstellen? Das ist Miss Channing...!
...Miss Channing?...Meine Mutter!", stellte Parker die beiden Frauen gegenseitig vor.

"Miss...Channing!", wiederholte Parkers Mutter den Namen mit angehobenen Augenbrauen gelangweilt und verdächtig desinteressiert.

"Clara!...Ich heiße Clara!...Wir haben per Email miteinander kommuniziert.", gab Clara ihr zu verstehen.
Parkers Mutter dachte nicht im Traum daran, ihr die Hand zum Gruß zu reichen. Von welchen Emails sprach diese Person da gerade? Ach ja! Sie erinnerte sich vage daran. Anstatt ein vernünftiges, geschäftliches Gespräch mit Clara zu führen, fielen ganz andere Worte und Manieren von ihr ab und richtete sie garstig an ihren Sohn Parker. "Was sucht sie hier? Wer ist diese Person?"

"Sie ist Miss Channing...Mutter!", wiederholte Parker seine Worte.

"Lüg mich nicht an Parker! Sie ist eine deiner Betthuren! Gib es doch zu!", knirschte sie ihren Sohn an.

Parker sah Clara an, die etwas zusammen fuhr und einen erschrockenen Blick in ihrem Gesicht vorfand, als seine Mutter diesen Ton ansetzte und sie eine von seinen...betitelte. Clara konnte dieses bösartige Wort gar nicht aussprechen. "Entschuldigen sie mich kurz! Ich habe glaube ein Wörtchen mit meiner Mutter zu sprechen!", wollte Parker das Zusammentreffen entspannen und griff seine Mutter an ihrem linken Oberarm und zog sie ein ganzes Stück weg von Clara, damit sie von der Boshaftigkeit seiner Mutter nichts mehr mit bekam und davon verschont blieb. Doch das Unheil wurde bereits angerichtet.

"Was sollte das gerade Mutter?", fragte Parker seine Mutter aufgebracht.

"Wie konntest du es wagen?", zischte sie energisch.

"Ich weiß nicht, was du meinst, Mutter!", konterte er zurück.

"Ist das nicht so eine von deinen wilden Bettgeschichten, die du jeden Abend mit nach Hause bringst? Sieh zu, dass sie von hier wieder verschwindet! Wir brauchen nicht noch mehr Gerede über dich und unser Hotel, das immer wieder negative Schlagzeilen in der Presse macht, weil sie dich irgendwo mit einer nackten Frau geblitzt haben. Das hört mir auf, Parker Banks! Das Schlimmste daran ist auch noch, dass deine weiblichen Eroberungen nach jeder Nacht sich mit dir rühmen und damit an die Öffentlichkeit gehen und jeden von der Presse über jedes perverse, sexuelle Detail klatschen und tratschen, was du mit ihnen in deinem Bett oder in der Wanne oder unter der Dusche angestellt hast."

"Dann verklag sie doch alle! Somit bekommst du dein Geld, das den großen Schaden unseres Rufes ausgleicht, Mutter! Also schieb hier keine Panik!", erklärte Parker seiner Mutter stinksauer. Es war ihm so schon peinlich genug, dass sie über solche Dinge sprach...in Anwesenheit von IHR...Miss Channing. Er hatte Clara beobachtet, wie deren Augen größer wurden bei jedem noch so ausführlichem Detail von Mutter Banks, die sicher nicht zu überhören waren. Der Schall in diesem Salon gab sein Übriges dazu. Claras geweiteten Augen schwangen gereizt und empört von ihm zu seiner Mutter und wieder zu ihm zurück. Was ging gerade in ihrem hübschen kleinen Köpfchen vor sich? Die Ereignisse überschlugen sich wohl gerade?
Peinlicher für Parker ging's gar nicht mehr.

"Mutter!!!... Würdest du...?", versuchte er seine Mutter wütend zu stoppen.

"...Was?...", keifte sie ihn an. "Verträgst du etwa die Kritik nicht, mein Sohn? Beende die sportliche Matratzengymnastik mit dieser...dieser kleinen Hure hier, bevor sie irgendwelche Bälger von dir aussetzt. Auf die Großmutter - Spielchen habe ich keinerlei Bedürfnis!", giftete sie im Salon auf Parker ein. "Schick sie endlich zum Teufel und aus unserem Hotel hinaus! Und ich rate ihr keinen weiteren Fuß mehr hier hinein zu setzen! Also wirf sie hinaus! Wenn du es nicht tust, werde ich das erledigen!", und sie kam mit einem tödlichen Blick auf Clara zu.

"Das wirst du nicht tun, Mutter! Das lässt du schön bleiben!...Sie bleibt hier!" Parker wurde jetzt ebenfalls seiner Mutter gegenüber laut. "Sie ist keine von meinen Betthäschen, um es mal etwas charmanter auszudrücken, Mutter!"

Wenn der garstige Blick seiner Mutter ihm jetzt töten könnte, läge er jetzt reglos auf dem Parkettboden.

"Was erdreistest du dich, gegen mich das laute Wort zu erheben, Junge?", fauchte sie ihren Sohn nun an. "Deinen Widerspruch kannst du dir sparen! Ich habe mir deine Schmach lange genug angesehen! Was muss ich denn noch alles erdulden, bis du zur Vernunft kommst und dir die Hörner abgestoßen hast, Parker?...Andere in deinem Alter sind verheiratet und haben Familie!...Gott vergebe mir, dass ich einen Sohn geboren habe, anstatt einer Tochter!"

"Glaubst du etwa, dass eine Tochter besser und ruhiger gewesen wäre als ich?", entgegnete Parker grimmig.

"Mir wäre mehr Ärger erspart geblieben! Du würdest das eh nicht verstehen!", spottete sie.

"Wieso sollte ich das nicht verstehen Mutter? Lass mich raten! Weil ich keine Frau bin wie du? Eine Tochter hätte genauso viel Ärger mit sich gebracht...wie ich auch! Wir sind von deinem Blut! Das sagt doch schon Vieles oder nicht? Von irgendwem müssen wir doch diesen Trieb zur Matratzengymnastik haben! Ich weiß über deine Affären bescheid Mutter! Also tu nicht so scheinheilig!...", enthüllte Parker sein lang gehütetes Geheimnis, was seine eigene Mutter betraf. Seit wann wusste er eigentlich davon?

"Woher...?", war sie verblüfft. Sie entzog dich ihm ein paar Schritte. Sie war entlarvt. "Spionierst du mir etwa nach?"

"Nein! Das ist nicht notwendig Mutter!...Es ist unwichtig, woher! Es reicht, dass ich es weiß!", knurrte Parker vorwurfsvoll.

Seine Mutter wurde zornig und richtete ihre Worte an Parker, ehe sie sich startklar machte, um Clara ein paar Takte zu erzählen. "Sie fliegt hier raus und zwar sofort...auf der Stelle! Und wage es dir ja nicht, noch irgend so eine Bordsteinschwalbe anzubringen...!"

"...Was dann Mutter?", knurrte Parker seine Mutter wutentbrannt an.

"Wirf SIE hier raus, Parker!", entgegnete sie spitz und fletschte schon ihre Zähne.

"Das werde ich nicht tun!", sperrte sich Parker dagegen.

"Nun gut! Dann wird sich dein Vater um diese Angelegenheit kümmern!", drohte sie ihm an.

"Nur zu! Ruf ihn her! Dann kannst du ihm ja endlich dein Geheimnis Preis geben!...Ach! Noch etwas!...Er hat Miss Channing herzlich eingeladen!", gab Parker seiner Mutter zu verstehen.

"Er!...Hat!...Was?", fragte seine Mutter perplex und sah Clara abermals respektlos und tödlich an.

Parker stellte sich schützend vor Clara und sagte schließlich zu seiner Mutter:
"Sie wird hier bleiben! Und das ist mein - fast - letztes Wort, Mutter!...Das ist Miss Clara Channing! Sie kommt von - Braven & Channing - die Event - und Weddingplaner - Agentur. Sie hat mit dir Emails ausgetauscht wegen der Hochzeit von Milla! Hast du Miss Channing nicht zugehört?...Hör zu Mutter! Sie wurde von meiner Cousine engagiert, um ihre Hochzeit für Samstag zu organisieren. Miss Channing hat bisher großartige Arbeit geleistet und alles bis ins kleinste Detail geplant. Damit meine Cousine eine wundervolle, unvergessliche Hochzeit hat...und DU...DU beschimpfst Miss Channing als meine Bettgeschichte oder Bordsteinschwalbe? Wäre es nicht tragbar und verzeihlich, sich bei ihr zu entschuldigen?...Das ist wohl das Mindeste oder nicht?", forderte er seine Mutter wütend auf.

Parkers Mutter stand mit geweiteten Augen vor Clara und wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie konnte sich nun wage an einen Email -Austausch erinnern. Woher wusste sie, dass diese Frau diejenige ist, für die sie sich ausgab und die arrangiert wurde? Sie dachte bis jetzt, dass diese junge Frau eine von den vielen Groupies sei, die ihr Sohn hin und wieder mit nach Hause brachte, mit ihnen Sex hatte und sie dann fortschickte.

Doch die Stimme ihres Sohnes drang an ihr linkes Ohr. "Du solltest dir lieber Gedanken um deine Schwägerin und um ihren Noch - Ehemann machen! Anstatt andere Menschen zu beschimpfen und zu betiteln...und zu beleidigen, wie es dir gerade passt!...Von deiner Schwägerin, Mutter!...Denn von da wird die Gefahr kommen, dass Millas Hochzeit platzen wird! Vielleicht täusche ich mich ja! Vielleicht wirst du ja auch die Hochzeit sprengen!", knurrte Parker vor seiner Mutter.

"Wieso sollte ich das tun? Für was sollte ich mich entschuldigen?", führte sich Parkers Mutter entrüstet ihm gegenüber auf.

"Ich muss mich wohl etwas deutlicher wiederholen!...Du hast sie beleidigt und beschimpft und barbarisch betitelt, Mutter! Also tu es, ansonsten wird Miss Channing die gesamte Organisation der Hochzeit an den Nagel hängen. Dann wirst du diejenige sein, die meiner Cousine erklären muss, weshalb Miss Clara Channing ihre Hochzeitsvorbereitungen über den Haufen geworfen hat. Und glaub mir, ich möchte dann nicht in deiner Haut stecken. Denn das wird nicht glimpflich für dich ausgehen, Mutter! Vielleicht wirst du ja auch ausgeladen!? Du wirst sämtliche Kosten an Millas Vater zurückerstatten müssen und das wird nicht wenig sein. Also?...Du hast die Wahl!"

Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn war wohl nicht das Beste! Kaum zu glauben, was hier gerade ans Tageslicht kam und was die eigene Mutter von ihrem Sohn dachte und was hier sich für Abgründe auftaten.

Clara hatte sich inzwischen von den Beiden Kampfhähnen entfernt und beendete ihre Platzkärtchen - Verteilung. Doch sie hatte jedes Wort gehört, was zwischen Mutter und Sohn gefallen war. Sie kannte nun den Standpunkt von Parkers Mutter, was sie von Frauen hielt, die sich an der Seite ihres Sohnes aufhielten. Und die sind wohl alle wahrlich nicht gut dabei weggekommen?

Keine Frau war gut genug für ihren Sohn. Alle waren für sie leichtfüßige Mädchen, die sich für ein Abenteuer für eine einzige Nacht ihm hingaben, um am nächsten Morgen damit an die Presse zu gehen, aus Rache, weil der Sohn des Hauses ihnen nach einer austobenden Nacht den Laufpass gab. Damit wurde der Ruf dieses Hotels noch mehr angeprangert.

Doch Clara wusste nun, wie sie mit Parker umgehen musste...soweit wie nur möglich fort von ihm.

Wörter: 1569

*****
Kapitel 14

Der 1 Millionen Dollar - Deal

"Ich verbiete es dir, dass diese...diese Person sich um deine Hochzeit mit Bridget kümmert! Ich habe jemand anderen dafür engagiert...aber nicht SIE! Sie hat in meinem Haus nichts zu suchen! Haben wir uns da verstanden Parker Banks?", tobte seine Mutter bis zur äußersten Grenze in ihren Privatgemächern. Ihr Gesicht war von Wutwassertropfen übersät und ihr Gang durch diese Räume erfolgte gestresst, wütend und energisch auf und ab und hin und her.

"Dein Haus?...Dein Haus?...", wiederholte Parker außer sich. "...Du wärst nicht hier in diesem Hotel, wenn ER dich und mich nicht gefunden und bei sich aufgenommen hätte!...Du warst einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Du bist ihm zu Dank verpflichtet Mutter! Er hat dir und mir Obdach gewährt, wäre dieser blöde Luxusliner an diesem Abend in diesem Sturm hier nicht gegen die Felsen am Strand geschlagen. Dann wären wir hier nicht Not gestrandet. Er hat dir Arbeit gegeben. Und er war so dumm sich in dich zu verlieben und dich zu heiraten."

"Rede nicht so über deinen Vater Parker!", herrschte sie ihn.

"Er...ist...nicht...mein...Vater! Du hast Recht! Aber er ist das, was wohl dem am Nächsten kommt oder? Er ist leider noch nicht aufgewacht, um zu sehen, was er geheiratet hat! Du nutzt diese Situation schamlos aus!...Du vergreifst dich an seinem Geld und wirfst es haushoch zum Fenster hinaus. Wofür brauchst du das Geld der O' Haras? Treibst du dich immer noch Abend für Abend im Casino in der Stadt herum? Machst du dort etwa Schulden?...", war er aufbrausend geladen.

"Was ich mit seinem Geld tue und was nicht, geht dich nichts an!", krakelte sie erbost.

"Von welcher Summe reden wir hier eigentlich Mutter?", pochte er wütend auf den Tisch mit seiner rechten Pranke.

"Kümmere dich um deine eigenen Sachen!..." Madeleine geiferte in den privaten Räumen der Banks laut und hysterisch herum.

"Wieviel?", wiederholte Parker seine Frage im strengen, erregten, lauten Ton.

Madeleine druckste anfangs und rang nach Worten und Ausflüchten, die sie jedoch herunter schluckte.

"WIEVIEL?", kam es jetzt härter über seine Lippen.

Madeleine zuckte zusammen und erschrak über die Lautstärke ihres Sohnes. Schließlich antwortete sie ihm: "Eine Millionen Dollar!"

Parker fiel alles aus dem Gesicht. "Eine Million...Eine Millionen Dollar? Sagtest du gerade...Eine Millionen? Sag mal spinnst du jetzt total? Kannst du nicht normal arbeiten gehen, wie andere normale Menschen auch? Damit du es nach Belieben um dich werfen kannst?..."

Madeleine winkte lässig ab. "Was sind denn schon eine Million?...Nichts!...Also führe dich nicht so auf Junge!"

"Hat die eilige Hochzeit vielleicht etwas damit zu tun, dass du meine Anteile an diesem Hotel haben willst? Glaubst du etwa, ich werde durch die Heirat und durch einen Ehevertrag mit dieser Bridget teilen? Hast du ihr das etwa versprochen? Meinen Anteil als Gewinn?..."

"...Wieso sollte ich denn...?"

"...Damit du sie um deinen Finger wickeln kannst und mit ihr einen weiteren Deal aushandelst, um meine Anteile durch sie mir abspenstig zu machen?...NIE WIRD DAS PASSIEREN!...Hörst du?...NIE! Ich werde diese Frau nicht heiraten!", brüllte er seine Mutter heftig an.

"Und ob du das tun wirst Parker! Und du wirst noch etwas tun! Du wirst einen Ehevertrag mit Bridget aufsetzen!", belächelte sie ihre Drohung.

"Ich werde mit Sicherheit keinen Ehevertrag aufsetzen und ich werde diese Bridget verdammt nochmal nicht heiraten Mutter!", ließ er es sie noch einmal genau wissen.

"Ich frage mich, was du mit deinen Anteilen anstellen willst! Wieso hat er sie dir damals gegeben und nicht mir? Ich bin seine Frau und da steht mir doch die andere Hälfte zu oder etwa nicht?", protestierte Madeleine.

"...Er wird schon wissen, wieso nicht du!" Parker war wütend und in ihm tobte der Krieg, der gegen seine Mutter galt.

Nachdem ihr Sohn Clara auf der Hochzeit hinterher gelaufen war, fasste Madeleine den Entschluss, die Hochzeit ihres Sohnes mit der reichen Bridget O'Hara so schnell wie möglich in die Wege zu leiten und ausrichten zu lassen.

"Wie kannst du nur so skrupellos sein, Mutter? Hast du denn kein Mitgefühl?", schrie Parker sie genervt an. "Was ist mit meinen Gefühlen? Macht es dir Spaß darauf herum zureiten? Muss es immer nur nach dir gehen und um das, was du willst?..." Parker war geladen. Seine Wut stieg rabiat an.

"...Deine Hochzeit wird stattfinden, Parker Banks!...", beteuerte sie ihre Aussage.

"...Das werden wir ja noch sehen Mutter...!", antwortete Parker schroff und trotzig seiner Mutter gegenüber.

"Und ob du das wirst mein Junge! Das garantiere ich dir! Und eines sage ich dir: Es wird nicht die Dirne von dieser Agentur Braven - Dingsbums sein...! Glaub mir! Ich werde Druck machen, damit du Bridget ehelichst! Darauf kannst du Gift nehmen, Parker Banks!", versicherte sie ihrem Sohn.

"...Braven & Channing...!", berichtigte Parker seine Mutter genervt und angewidert, die sich offensichtlich nicht von ihrem Weg abweisen ließ.

"Wie bitte was?", halte sie nach.

"Ich sagte...Braven & Channing!", wiederholte er seine Worte. Er war maßlos angewidert von seiner Mutter und wollte nur noch weg von ihr und ihrer idiotischen Idee und vor allem weg von dieser O' Hara und dieser hirnspinstigen Idee.

"Das werden wir ja noch sehen, wer hier wen heiraten wird Mutter! Ich auf jeden Fall nicht!...Das verspreche dir!...Schick die O'Hara wieder nach Hause, wo sie hingehört! Es wird sich schon jemand anderes finden, der sie heiraten wird!...Manchmal frage ich mich wirklich, was in deinem verschuldeten Kopf vor sich geht, Mutter!", drohte er ihr mit seinem rechten Zeigefinger. "Du bist doch krank da oben!", fluchte er zähneknirschend seine Mutter an. Und als ob das noch nicht genug wäre...

...Kam sie, die O'Hara, auch schon auf ihn und seine Mutter zu...klapperdürr, teure enganliegende Designer - Klamotten, die ihre Knochen hervorsehen ließen, Schuhe mit Absätzen, die diese junge Frau gleich viel größer erscheinen ließen. Ein Wunder, dass sie darin laufen und einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Ihr Haarschnitt glich einer blonden Popfrisur, die mit einer Menge Haarspray angelegt wurde und sich sehr hart anfühlte, wenn man sie berührte.

"Hey Parker!", begrüßte sie ihn überheblich hauchend mit einem Wangenkuss und legte eine Hand auf seinen Hintern und streichelte ihn sanft. Parker ignorierte diese Geste mit einem strengen Blick und schob sie von sich. Dann legte sie ihre Arme um die geldgierige Madeleine Banks mit einem zynischen, herausgedrückten, gespielten Lachen, und gab ihr links und rechts einen Begrüßungskuss auf ihre Wangen. Dann klammerte sie sich an Parkers rechten Arm fest und blinzelte ihn verliebt an. "Ich hoffe, ich störe euch nicht!", begann Bridget schmeichelnd auf Madeleine und Parker mit einem breiten Lächeln einzureden.

"Bridget, Liebes! Du kommst genau richtig! Wir sprachen gerade über Mister Saigon, den Brautausstatter. Er kommt morgen früh ins Hotel und bringt seinen Ehemann Francin mit. Was sagst du dazu, Liebes?"

"Das hört sich traumhaft an Misses Madeleine! Ich freue mich schon auf die Anpassung des Kleides!"

"Francin und Saigon werden erstmal deine Maße nehmen und bringen Stoffe mit, von denen du dir dann etwas Passendes aussuchen kannst...Stoffe, von denen man nur träumen kann.", und Madeleine vereinnahmte gänzlich ihre zukünftige Schwiegertochter.

Parker schaute abwechselnd auf seine Mutter und auf die Frau, die er heiraten sollte, doch er schüttelte nur mit dem Kopf, schob die nervige, klettende Bridget von sich und ließ die Beiden grimmig und überfordert stehen.

"Wo gehst du hin Parker Emilio Eduardo Banks?", rief seine Mutter streng hinterher und unterbrach das Gespräch zwischen Bridget und ihr.

Parker blieb stehen und steckte seine rechte Hand in seine Hosentasche und drehte sich zu seiner Mutter um.

"Weißt du, wenn die Hochzeit dir so wichtig ist, Mutter, dann heirate Bridget doch selbst..."

Madeleine tobte vor ihrem Sohn und vor Bridget. "Wie kannst du es wagen...?"

"Wie kannst DU es wagen, Mutter, mir so gegenüber berechnend zu sein? Dir geht es doch nur einzig und allein ums Geschäft!", erinnerte Parker seine Mutter noch einmal an ihre Aussage.
Dann sah er Bridget verhasst an und sagte genervt zu ihr: "Wollen sie sich wirklich auf dieses irrsinnige Wahnsinnsspiel einlassen, dass sie um eine Millionen Dollar erleichtern wird?", und er ließ die Beiden Frauen stehen.

Bridget sah ihre zukünftige Schwiegermutter an und fragte sie neugierig: "Er ist heute so verstimmt und schlecht gelaunt. Was hat er denn?"

Madeleine sah immer noch auf die Tür, die soeben mit einem heftigen Schlag zugeworfen wurde und antwortete nebenbei. "Keinen Grund zur Sorge, Mädchen! Er kriegt sich wieder ein. Das ist nur die Aufregung wegen der Hochzeit meine liebe O'Hara!...Nur die Aufregung!...Er braucht nur noch etwas Zeit, um zur Vernunft zu kommen!" Den letzten Satz knurrte sie leise vor sich hin, sodass Bridget ihn nicht hörte.

Wörter: 1370