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Birgit Wichmann

Geheimnisse und Magie der Druiden: Die Frühlingsbotschaft

NUR EIN MÄDCHEN

Ida sitzt in der Ecke und beobachtet aus den Augenwinkeln heraus, wie sich ihr Vater, ihr Bruder Fynn und der Druide Cerdan leise in der anderen Ecke ihr gegenüber unterhalten. Zu gern würde sie wissen, was dort besprochen wird, aber ihre Mutter hat sie im Blick. Da gibt es kein Entrinnen. Da plötzlich kommt Bewegung in die kleine Gruppe. Ihr Vater erhebt sich, der Druide auch und Fynn steht mit gesenktem Kopf daneben. Der Druide Cerdan und ihr Vater reichen sich die Hände, bevor Fynn gemeinsam mit dem Druiden die Hütte verlässt. Die Tür klappt. Dann ist Stille. Verwundert schaut sich Ida um. Will ihr denn niemand erklären, wohin Fynn gegangen ist? Sie räuspert sich. Keine Reaktion. Ihr Vater sitzt am aus Eichenholz gezimmerten Tisch und hat die Hände unter den Kopf gestützt. Er starrt ins Leere und wartet auf das Essen. Idas Mutter rührt im Kessel herum, ohne auch nur einen Ton von sich zugegeben. Da öffnet sich die Tür und der Schmied Pirmin kommt herein. Er schlägt Idas Vater mit seiner derben Faust auf die Schulter, bevor er sagt: “Ist euer Fynn zu dem Druiden gegangen? Ich sah die beiden vorhin das Dorf verlassen.” Idas Vater nickt. “Was soll ich denn machen, Pirmin? Zum Kämpfen taugt er nicht. Er verliert sogar gegen Ida und die ist zwei Jahre jünger als er. Handwerklich begabt ist er auch nicht. Vielleicht liegt ihm ja das Geistige, obwohl ich sagen muss, wenn ich Ida und Fynn vergleiche, ist Ida auch schlauer als ihr Bruder. Doch sie ist ein Mädchen. Die Götter sind nicht gerecht.” Schmied Pirmin reibt sich mit der Hand am Kinn. “Vielleicht hättest du unsere Götter anrufen sollen und ein Opfer darbringen?” Idas Vater lacht höhnisch auf: “Und um was hätte ich bitten sollen, Pirmin? Um mehr Kraft für meinen Sohn oder lieber um mehr Verstand? Manchmal meinen es unsere Götter wirklich nicht gut mit mir. Ich habe eine Tochter, die besser kämpfen kann wie alle Jungen im Dorf und dazu noch schneller lernt wie alle anderen, aber einen Jungen, der zu nichts taugt. Was Ida zu viel hat, hat Fynn zu wenig. Aber vielleicht hast du recht und ich hätte den Druiden bitten sollen, unsere Götter anzurufen. Ein Wildschwein als Opfer hätte ja vielleicht gereicht. Doch nun ist es zu spät. Fynn wird von unserem Druiden Cerdan lernen und hoffentlich einmal ein guter Druide werden. Dafür hat er jetzt zwanzig Jahre Zeit und das ist eine lange Zeit.”