Das Erbe der Brooklyns
Jack stand in seinem Büro in der Toskana am Fenster, das Handy in der Hand und telefonierte. Er trug einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte. Seine linke Hand war in der Hosentasche vergraben und sein Gesicht war angespannt.
"Um wieviel Uhr ist morgen das Treffen in Kalifornien?...", fragte er und holte seine Hand aus der Tasche, um auf die Uhr zu sehen. "Okay, ich steige gleich in die Limousine und lasse mich von Román zum Flughafen bringen." Einige Minuten verstrichen, dann sagte er: "Gut! Wir sehen uns in ein paar Stunden.", und er legte auf.
Seine Frau brachte ihm die gepackten Koffer und stellte sie im Foyer an der Garderobe ab. Er legte seine Arme um sie und drückte sie an sich. Sie schmiegte sich an seinen Oberkörper und fragte: "Musst du los?"
Er lockerte die Umarmung zwischen ihnen und begann sie zärtlich zu küssen. Er hielt inne und sah sie an. "Ich lasse dich ungern hier allein zurück, aber in vier Tagen bin ich wieder hier und dann gehen wir zu Román ins Restaurant und feiern unseren ersten Hochzeitstag, versprochen. Ich möchte nicht länger als nötig in den Staaten verweilen."
"Werden deine Schwester und ihr Mann dich begleiten?" Sie lehnte sich an ihn und schlang ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn an sich heran. Sie war zwei Köpfe kleiner als ihr Ehemann und benötigte beinahe schon eine Fußbank, um an seine Lippen heran zu reichen. "Ja, werden sie.", antwortete er. Jack beugte sich zu ihr herab und hob sie hoch, während er sie zärtlich und verlangend ein letztes Mal küsste. "Ivon wird dort auf uns warten."
Román störte nur ungern diese liebevolle, romantische Idylle und klopfte an die offene Glaseingangstür an. "Mr. Coleman, wir müssten dann los. Der Flieger wartet nicht."
Jack ließ von den Lippen seiner Frau ab und sah zu Román herüber, der sein Gesicht von den beiden abgewandt hatte und ein italienisches Liedchen vor sich her pfiff.
"Ich bin sofort da...Und du mein Liebling gib acht auf dich. Ich bin bald zurück und dann feiern wir.", flüsterte Jack und zog sie noch einmal an sich, um ihre Wärme und ihren Geruch aus Jasmin in sich aufzunehmen. Dann ließ er sie los und folgte Román zum Auto.
Er stieg hinten ein und sah noch einmal durch die offene Autotür zu seiner Frau, die ihm zuwinkte und einen Mundkuss zuwarf, ehe er die Autotür schloss. Er fuhr das Fenster herunter und formte die Worte: "Ich liebe dich Jenna!", dann fuhr die Limousine los.
In seinem Privatflugzeug wurde ihm Kaffee serviert, als sein Handy klingelte. "Das Treffen wurde vorverlegt?", sprach er wütend in sein Handy hinein. "Das werde ich nicht pünktlich schaffen. Wir sind gerade über dem Meer.", ließ er sauer aufstoßend verlauten.
Er fuhr sich aufgeregt durch seine Haare, beendete das Gespräch und warf sein Handy zu Boden.
Angespannt ging er nervös in dem Flugzeug auf und ab. Dann ging er zur Pilotkabine. "Wie hoch sind wir?", fragte er den Piloten.
Noch bevor er Jack eine Antwort geben konnte, schrie eine Stewardess: "Feuer am linken Flügel."
Jacks Schwester kam aufgeregt zu ihrem Bruder und zog ihn aus der Kabine und sagte beunruhigend: "Der andere Flügel brennt auch."
Jack sah aus den runden Fenstern und schluckte schwer. "Verdammt!" Sein Schwager kam aus der hinteren Kabine und brachte die Schirme. "Sie sind nicht intakt." Die drei sahen sich verunsichert an. In den Augen seiner Schwester konnte er ihre Angst sehen. "Wir werden abstürzen...nicht wahr?", sagte sie sehr beunruhigt.
Die Stewardess kam verängstigt an ihnen vorbei, setzte sich auf einen der Plätze und schnallte sich an. Sie legte den Kopf in die Knie und betete. "Wir sollten dasselbe tun...beten.", sagte Jack. Doch er ging noch einmal zu dem Piloten, während seine Schwester und ihr Mann ebenfalls Platz nahmen.
"Wie sieht es aus? Haben wir eine Chance?", fragte er den Piloten, der gerade ein Mayday an den Tower in Kalifornien schickte. Er sah Jack an und zeigte auf die Felsen, die vor ihnen aufgetaucht waren. "Ich kann die Kiste nicht hochziehen. Irgendetwas blockiert Mr. Coleman."
Jack sah aus dem Fenster vor sich und sah die Felsen näher kommen. Er holte sich Jenna ins Gedächtnis, als er sich auf den Platz hinter dem Co - Piloten setzte und sich anschnallte. Er vergrub seinen Kopf in seinen Händen. Er sah Jenna vor seinen Augen. Sie lächelte und tanzte mit ihm zu ihrem Lieblingslied auf der Terrasse daheim in der Toskana. Er stellte sich vor, wie er sich von ihr verabschiedet hatte und sie ein letztes Mal auf ihre weichen, warmen Lippen küsste. Er blendete das Schreien im hinteren Teil des Flugzeugs aus und hörte nur noch diese Melodie in seinem Kopf. Dann wurde es dunkel um ihn.
Ein paar Stunden später:
Eine große Doppeltür aus Mahagoni - Holz wurde aufgestoßen. Ein Mann brachte der älteren Frau einen Brief herein und übergab ihn ihr. "Was ist das?", fragte se hochmütig. "Und wo bleiben unsere Kunden?", fragte se eilig in den großen Konferenzsaal. Keiner wagte es zu reden, als ob sie vor ihr Angst hätten.
Sie öffnete den Umschlag und zog einen kleinen Zettel hervor. Als sie ihn las, fasste sie sich erschrocken an ihr Herz. "Oh mein Gott!" Sie sah bestürzt auf die an dem langen Tisch Sitzenden.
*****
Zur selben Zeit in der Toskana - Coleman - Villa:
Jenna saß in der Badewanne und träumte von Jack. Sie konnte seine Hände auf ihrer Haut spüren, wie sie ihren Körper erkundeten.
Sie hörte ein Klopfen an der Tür und sie öffnete die Augen. "Mrs. Coleman...Ein Telefonat von ihrem Bruder Ivon. Es sei sehr dringend, sagte er." Es war Fiodora, die Haushälterin der Coleman - Villa, die sich mit ihrem Mann Román um das Anwesen kümmerte, wann immer Jenna und Jack in den Staaten waren.
Jenna kletterte aus der Wanne, schnappte sich das schwarze Handtuch, das auf dem Boden lag und warf es sich über. Sie öffnete die Badtür und sah in zwei erschrockene, tränengefüllte Augen. "Was ist los Fiodora?", fragte Jenna sie.
Fiodora reichte ihr das Haustelefon. und vergrub ihr Gesicht in ihrer Schürze. Sie eilte schluchzend hinaus auf die Terrasse zu ihrem Mann, der sie in seine Arme nahm.
Jenna folgte ihr mit ihrem Blick und legte das Telefon an ihr Ohr. "Coleman?", sagte sie nun beunruhigt.
"Jenna?..." Es war ihr Bruder Ivon, der ihr diese beunruhigten Nachrichten überbrachte. "Jenna?...Es ist etwas passiert..."
Jennas Augen füllten sich mit Tränen und ein gellender, herzzerreißender Schrei verließ ihre Kehle. Sie schwankte und hielt sich an der Lehne des Sessels fest, als das Telefon dumpf auf den Marmorfliesen aufschlug.
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