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Stefan Emmerichs

JAGD AUF MR. JONES

Kapitel 1

Er schmeckte Blut.
Sein ganzer Mund war voll damit. Die rote Suppe quoll aus den leeren Stellen, an denen zuvor seine Schneidezähne gesteckt hatten. Die hatten sie ihm genommen. Das Blut war überall. Er spürte, wie es in langen, warmen Bahnen von seinem Gesicht lief. Dort, wo sie ihn immer wieder mit dem Baseballschläger getroffen hatten. Wie heißes Wachs floss es ihm über die Stirn und die Wangen. Ein Schlag ging aufs Ohr. Danach war die Welt um ihn herum leiser geworden.
Seine Lippen waren aufgequollen wie Schwämme, nachdem ihre Fäuste und die Schlagringe sie gequält hatten. Er selbst spürte es kaum. Da war einfach zu viel, was schmerzte. Der zertrümmerte Kiefer, die Fingernägel, von denen er jetzt nur noch vier Stück besaß, die Kniescheiben, die zu einem einzigen Brei zerschlagen waren.
Es war alles nur noch ein einziger großer Schmerz. Ein ständiger Wechsel zwischen Ohnmacht und Wachkoma. Jedes Mal, wenn sie ihm wieder einen Eimer Wasser über den Körper kippten.
Er bekam kaum Luft. Seine Atemzüge glichen mehr und mehr einem traurigen, heiseren Röcheln, als er versuchte, durch die gebrochene Nase und die Pampe aus getrocknetem Blut zu atmen.
Und dann waren da immer wieder ihre Fragen. Immer und immer wieder. Wie lange ging das jetzt schon? Stunden? Tage? Wochen?
Er wusste es nicht mehr. Da waren nur Schmerz, Wasser, Blut und ihre Stimmen, die irgendwo entfernt hinter dem Fiepen in seinen Ohren zu hören waren.
Er hatte nichts gesagt. Er konnte nichts sagen. Warum hatte er ihre Warnung nicht ernster genommen? Er war unvorsichtig geworden. Hatte für einen Moment nicht aufgepasst, hatte sich zu sicher gefühlt. Und dann war es geschehen.
Sie hatten ihn gefunden.
Wieder merkte er, wie er ohnmächtig wurde. Nicht mehr lange, dann würde all dies ein Ende haben. Dann könnte er sich ihm hingeben, dem Tod, der Erlösung, dem ewigen Schlaf.
Doch immer, wenn er glaubte, jetzt wäre es endlich so weit, wurde er wieder durch einen Eimer kaltes Wasser in die Realität geschleudert. Immer und immer wieder. Ab und zu war es auch eine Faust.
Aber als ihn erneut das kalte Eisen des Schlagrings traf, war es zu spät.
Und das war ein Sieg.
Mit seinen letzten klaren Gedanken freute er sich. Freute sich, dass sie es nicht geschafft hatten, ihm eine Antwort zu entlocken. Dass er sterben würde, bevor er ihnen etwas verraten konnte.
Und so atmete er ein letztes Mal aus.
Er merkte nicht mehr, wie sein Körper an diesem frühen Morgen über das Geländer gehievt wurde und in das dunkle, kalte Flusswasser fiel.